Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Der systematische Blick in die Zelle - Tagung "Systems Genomics 2008"

29.04.2008
Wer das komplexe System einer Zelle verstehen will, darf sich nicht auf die Aufgaben einzelner Proteine konzentrieren. Vom 2. bis 3. Mai tagen im Deutschen Krebsforschungszentrum Wissenschaftler, die das Zusammenspiel molekularer Wirkungen im gesunden und kranken Organismus systematisch analysieren.

Es gibt nicht den einen Defekt, der für komplexe Krankheiten wie Krebs oder Herzleiden verantwortlich ist. Wissenschaftler erkennen zunehmend, dass im kranken Organismus eine Vielzahl biochemischer Signale gleichzeitig entgleist. Der Grund dafür ist, dass Proteine meist in komplexen netzartigen Strukturen interagieren und nicht, wie früher angenommen, in linearer Abfolge. Um diese Proteinnetzwerke in ihrer Gesamtheit zu verstehen, arbeiten verschiedene Fachrichtungen zusammen.

Die "International Conference Systems Genomics 2008", die Dr. Stefan Wiemann vom Deutschen Krebsforschungszentrum gemeinsam mit dem Nationalen Genomforschungsnetz (NGFN) organisiert, dient daher auch dem interdisziplinären Austausch: Die hoch automatisierten Methoden der Genomforscher unterstützen etwa Zellbiologen bei ihrer systematischen Analyse der komplizierten Reaktionsnetzwerke. Bioinformatiker setzen computergestützte Methoden ein, um die komplexe Situation im lebenden Organismus in Modellen zu simulieren.

Im Fokus der Tagung stehen Signalsysteme, die bei Krankheiten eine Rolle spielen. Prof. Josef Yarden aus dem israelischen Weizmann-Institut studiert die Weiterleitung von Signalen des "epithelialen Wachstumsfaktors", die an der Entstehung vieler Krebserkrankungen beteiligt sind. Viele moderne Krebsmedikamente zielen darauf ab, diesen Signalweg im Tumor zu blockieren. Yarden zeigt, dass die Signalweiterleitung nicht nur in eine Richtung funktioniert, sondern dass eine ganze Reihe von Rückkopplungsmechanismen das System reguliert und so die vom Wachstumsfaktor angeregte Reaktion begrenzt und beendet.

Im Deutschen Krebsforschungszentrum untersucht Dr. Dorit Arlt, wie Brustkrebszellen Resistenzen gegen Medikamente entwickelt. Dafür trägt sie Informationen über alle Proteine zusammen, die das Wachstum von Brustzellen steuern. Daraus kann die Forscherin ableiten, welche dieser Regulationsproteine durch eine Therapie gleichzeitig gehemmt werden müssen. Das Ziel ist, der Krebszelle alle Möglichkeiten zu verbauen, der medikamentösen Blockade eines Stoffwechselwegs auf "Umgehungsstraßen" auszuweichen.

Neue Techniken helfen den Forschern, sich ein immer umfassenderes Bild vom Innenleben der Zelle zu machen. So berichtet Dr. Ulrike Korf über eine neue Analysemethode aus dem Krebsforschungszentrum, bei der Testproteine direkt auf Mikrochips aufgebracht werden. Diese Protein-Chips sind ein ideales Werkzeug, um alle Schlüsselproteine - und ihren Aktivierungszustand - eines Signalnetzwerks gleichzeitig präzise zu messen und so die Situation in gesunden und kranken Zellen eines Patienten zu unterscheiden.

Die "International Conference Systems Genomics 2008" findet am 2. und 3. Mai 2008 im Kommunikationszentrum des Deutsches Krebsforschungszentrums statt. Journalisten sind herzlich eingeladen.

Das Nationale Genomforschungsnetz (NGFN) ist eine Förderinitiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF).

Das Deutsche Krebsforschungszentrum hat die Aufgabe, die Mechanismen der Krebsentstehung systematisch zu untersuchen und Krebsrisikofaktoren zu erfassen. Die Ergebnisse dieser Grundlagenforschung sollen zu neuen Ansätzen in Vorbeugung, Diagnose und Therapie von Krebserkrankungen führen. Das Zentrum wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren e.V.

Dr. Stefanie Seltmann
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Krebsforschungszentrum
Im Neuenheimer Feld 280
D-69120 Heidelberg
T: +49 6221 42 2854
F: +49 6221 42 2968

Dr. Stefanie Seltmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.dkfz.de
http://www.dkfz.de/mga/SG2008

Weitere Berichte zu: Krebserkrankung Organismus Protein Zelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - März 2018
17.01.2018 | Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

nachricht 2. Hannoverscher Datenschutztag: Neuer Datenschutz im Mai – Viele Unternehmen nicht vorbereitet!
16.01.2018 | Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Im Focus: Scientists decipher key principle behind reaction of metalloenzymes

So-called pre-distorted states accelerate photochemical reactions too

What enables electrons to be transferred swiftly, for example during photosynthesis? An interdisciplinary team of researchers has worked out the details of how...

Im Focus: Erstmalige präzise Messung der effektiven Ladung eines einzelnen Moleküls

Zum ersten Mal ist es Forschenden gelungen, die effektive elektrische Ladung eines einzelnen Moleküls in Lösung präzise zu messen. Dieser fundamentale Fortschritt einer vom SNF unterstützten Professorin könnte den Weg für die Entwicklung neuartiger medizinischer Diagnosegeräte ebnen.

Die elektrische Ladung ist eine der Kerneigenschaften, mit denen Moleküle miteinander in Wechselwirkung treten. Das Leben selber wäre ohne diese Eigenschaft...

Im Focus: The first precise measurement of a single molecule's effective charge

For the first time, scientists have precisely measured the effective electrical charge of a single molecule in solution. This fundamental insight of an SNSF Professor could also pave the way for future medical diagnostics.

Electrical charge is one of the key properties that allows molecules to interact. Life itself depends on this phenomenon: many biological processes involve...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - März 2018

17.01.2018 | Veranstaltungen

2. Hannoverscher Datenschutztag: Neuer Datenschutz im Mai – Viele Unternehmen nicht vorbereitet!

16.01.2018 | Veranstaltungen

Fachtagung analytica conference 2018

15.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Projekt "HorseVetMed": Forscher entwickeln innovatives Sensorsystem zur Tierdiagnostik

17.01.2018 | Agrar- Forstwissenschaften

Seltsames Verhalten eines Sterns offenbart Schwarzes Loch, das sich in riesigem Sternhaufen verbirgt

17.01.2018 | Physik Astronomie

Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

17.01.2018 | Physik Astronomie