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Öffentliche Vorträge der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina

15.04.2008
"Koordinationschemie des Lebens"
"Kunststofftechnik - Forschung im Wechselfeld zwischen Werkstoff, Bauteilkonstruktion und Verarbeitung"
Termin: Dienstag, 22. April 2008, 16.30 Uhr
Ort: Vortragsgebäude der Akademie Leopoldina
Emil-Abderhalden-Straße 36, 06108 Halle (Saale)
Prof. Dr. Karl Wieghardt ML, Mülheim an der Ruhr:
"Koordinationschemie des Lebens"
Zu den essentiell notwendigen Spurenelementen des Lebens gehören die Ionen der Übergangsmetalle Mn, Fe, Co, Ni, Cu, Zn, Mo, W, die meist in den sogenannten Metalloproteinen gebunden sind. Diese Proteine sind häufig Enzyme, d. h. Katalysatoren, für interessante chemische Transformationen.

Kann man diese Proteine als Blaupausen zum Design neuer, einfacher Katalysatoren für die Industrie verwenden? Am Beispiel der Galaktose-Oxidase (Alkohol zu Aldehyd und H2O2) zeigt Karl Wieghardt ein gelungenes Beispiel, um dann schwerpunktmäßig der Frage nach einer artifiziellen Wasserspaltung (in Wasserstoff und Sauerstoff), wie es in der Photosynthese im Blatt einer Pflanze abläuft, nachzugehen.

Im Prinzip stellt diese Möglichkeit eine interessante Alternative zu den gegenwärtig so intensiv verfolgten Wegen zur Lösung unseres Energieproblems dar. Noch ist dieses Verfahren ein Fall für die Grundlagenforschung.

Karl Wieghardt: Studium der Chemie an der Universität Heidelberg (1962-1967), Promotion ebendort (1969) und Habilitation (1974) ebendort.

Forschungsaufenthalt an der Universität von Leeds, Großbritannien (1972-1973). Professor für Anorganische Chemie an der Universität Heidelberg (1974-1975), an der Universität Hannover (1975-1981) und an der Ruhr-Universität Bochum (1981-1994). Seit 1994 Direktor am Max-Planck-Institut für Bioanorganische Chemie in Mülheim an der Ruhr. Verschiedene Preise und Auszeichnungen, u. a. Humboldt-Forschungspreis (1995), John-Bailar-Medal der University of Illinois (2000), Centenary Medal der Royal Society of Chemistry, London, Großbritannien (2002).
Forschungsschwerpunkte: Bioanorganische Modellchemie, Synthese und physikalische Charakterisierung von Metall-Radikal-Komplexen, Elektronentransferreaktionen, Chemie hochvalenter Metallkomplexe
Seit 2006 ist Karl Wieghardt Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina (Sektion Chemie).

Kontaktadresse: Prof. Dr. Karl Wieghardt, Max-Planck-Institut für Bioanorganische Chemie, Stiftstr. 34-36, 45470 Mülheim an der Ruhr

Prof. Dr. Walter Michaeli ML, Aachen:
"Kunststofftechnik - Forschung im Wechselfeld zwischen Werkstoff, Bauteilkonstruktion und Verarbeitung"

Kunststoffe sind heute gestandene Ingenieurwerkstoffe. Ihr erfolgreicher Einsatz setzt jedoch tiefe und spezifische Erkenntnisse des Werkstoffes an sich, seiner adäquaten Auswahl und Beschreibung in der Bauteilkonstruktion und -auslegung sowie seines Verarbeitungsverhaltens und den hierbei vorliegenden Prozessbedingungen voraus.

Hierbei sind besonders die Wechselwirkungen zwischen dem Werkstoff, der Bauteilkonstruktion und dem Verarbeitungsverhalten von höchstem Interesse, da sie Machbarkeiten und Gebrauchseigenschaften final beeinflussen. In diesem Spannungsfeld besteht an vielen Stellen noch erheblicher Forschungsbedarf. Jedoch bleibt unbenommen, dass bereits Wesentliches dank systematischer Nutzung der Erkenntnisse aus dem Bereich der Naturwissenschaften und der Intuition und schöpferischen Kraft der Ingenieurtechnik erreicht wurde. Der Vortrag verdeutlicht dieses Wechselfeld anhand von Forschungsfragestellungen sowie deren Ergebnissen und deren Nutzung.

Walter Michaeli: Studium der Fertigungstechnik an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen (1966-1971), Promotion am Institut für Kunststoffverarbeitung an der RWTH Aachen (1975), Habilitation ebendort (1981). Abteilungsleiter am Institut für Kunststoffverarbeitung an der RWTH Aachen (1974-1979), Abteilungsleiter bei der Firma Freudenberg in Weinheim und Kaiserslautern (1979-1987).

Professor (1986), dann ordentlicher Professor (1987) und Direktor des Instituts für Kunststoffverarbeitung an der RWTH (1988), seit 1989 Inhaber des Lehrstuhls für Kunststoffverarbeitung ebendort. Verschiedene Preise und Auszeichnungen, u. a. Dr. Ing. E.h. der Universität Erlangen-Nürnberg (1998), Richard-Vieweg-Ehrenmedaille des Vereins Deutscher Ingenieure (2004). Mitglied u. a. der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, von acatech - Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und der Polymer Processing Society. Seit 1988 Gutachter u. a. bei der Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen AiF und der Deutschen Forschungsgemeinschaft; Kuratoriumsmitglied u a. der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung und des Deutschen Kunststoffinstituts Darmstadt. Mitglied des Herausgeberbeirates der Zeitschrift Kunststoffe.

Forschungsschwerpunkte: Kunststoffverarbeitung, insbes. Spritzgießen und Extrusion von Thermoplasten.

Seit 2006 ist Walter Michaeli Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina (Sektion Technikwissenschaften).

Kontaktadresse: Prof. Dr. Walter Michaeli, Institut für Kunststoffverarbeitung, RWTH Aachen, Pontstr. 55, 52062 Aachen

Zur Akademie Leopoldina

Die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina (gegründet 1652 in Schweinfurt) mit Sitz in Halle an der Saale (seit 1878) ist eine überregionale Gelehrtengesellschaft mit gemeinnützigen Aufgaben und Zielen. Sie fördert inter- und transdisziplinäre Diskussionen durch öffentliche Symposien, Meetings, Vorträge, die Arbeit von Arbeitsgruppen, verbreitet wissenschaftliche Erkenntnisse, berät die Öffentlichkeit und politisch Verantwortliche durch Stellungnahmen zu gesellschaftlich relevanten Themen, fördert junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, und sie betreibt wissenschaftshistorische Forschung. Im Juli 2008 wird die Leopoldina im Rahmen eines Festaktes offiziell die Aufgaben der Nationalen Akademie der Wissenschaften in Deutschland unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Horst Köhler übernehmen.

Der Leopoldina gehören zurzeit etwa 1 300 Mitglieder in aller Welt an. Drei Viertel der Mitglieder kommen aus den Stammländern Deutschland, Schweiz und Österreich, ein Viertel aus 30 weiteren Ländern. Zu Mitgliedern werden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus naturwissenschaftlichen und medizinischen Disziplinen sowie aus den Kultur-, Technik-, empirischen Geistes-, Verhaltens- und Sozialwissenschaften gewählt, die sich durch bedeutende Leistungen ausgezeichnet haben. Unter den derzeit lebenden Nobelpreisträgern sind 32 Mitglieder der Leopoldina.

Prof.Dr. Jutta Schnitzer-Ungefug | idw
Weitere Informationen:
http://www.leopoldina-halle.de

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