Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Tagung zu Green Chemistry und Katalyse

15.04.2008
Synthesen und Prozesse für eine nachhaltige Chemie – Dream Reactions – stehen im Mittelpunkt der ersten wissenschaftlichen Tagung der Arbeitsgemeinschaft Nachhaltige Chemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) vom 23. bis 25. April 2008 in Aachen.

Der Conference Chairman, Professor Dr. Walter Leitner, betont in seiner Grußadresse zum wissenschaftlichen Programm der international ausgerichteten Tagung die Bedeutung der Katalyse als Schlüsseltechnologie und wissenschaftliche Basis für nachhaltige chemische Prozesse. Dies spiegelt sich auch in den Vorträgen wider, in denen das Grundthema Katalyse verknüpft wird mit Fragen nach der Nutzung neuartiger Rohstoffe (Stichworte: Kohlendioxid (CO2) und biogene Rohstoffe), nach der Bewertung chemischer Prozesse, nach der Verminderung von Abfallprodukten (Stichwort: Atomökonomie) oder einer gezielteren Syntheseführung (Stichwort: Selektivität).

Die Tagung wird mit der Opening Keynote „From Dream Reactions to Practical Applications with Molecularly-Defined Catalysts” des Vorsitzenden der AG Nachhaltige Chemie, Professor Dr. Matthias Beller (Leibniz-Institut für Katalyse, Rostock), am 23. April eröffnet. An die 13 Vorträge vom 24. und 25. April, gehalten von Wissenschaftlern aus Deutschland, China, Großbritannien, Kanada, der Schweiz und den USA, und die zentrale Postersession schließt sich von Freitagmittag bis Samstagmittag der Tutorial Workshop „Green Chemistry and Catalysis“ für Studenten, Doktoranden und Postdocs an.

Als ein Schwerpunkt der Tagung sei das Thema CO2-Fixierung herausgegriffen: Das Treibhausgas Kohlendioxid, ein Verbrennungs- und Abfallprodukt, möchten Chemiker als Rohstoff einsetzen, um so einen Teil wieder sinnvoll für die Wertschöpfung zu nutzen. Für eine CO2-basierte Chemie spricht, dass dieser Rohstoff praktisch unbegrenzt zur Verfügung steht; der Nachteil aber ist seine Reaktionsträgheit – eine große Herausforderung für die Chemie!

... mehr zu:
»CO2 »Katalyse »Rohstoff »Synthese

Der Traum, CO2 chemisch in nützliche Stoffe umzuwandeln, wird mehr und mehr Realität. Da bereits seit längerem die industrielle Herstellung von Salicylsäure (Vorstufe zum Aspirin) durch Umsetzung von Phenol mit CO2 gelingt, erscheint es attraktiv, auch andere Carboxylierungen für industrielle Prozesse zu realisieren. Ein Fernziel ist die kostengünstige Herstellung von Carbonsäuren auf Basis von CO2 unter umweltverträglichen Bedingungen. Eine kanadische Arbeitsgruppe berichtet auf der Tagung, dass dies im Labor für die wichtige Gruppe der optisch aktiven ß-Hydroxycarbonsäuren durch katalytische Umsetzung von Ketonen mit CO2 und Wasserstoff möglich ist.

In der Industrie sind heute noch weitere drei Prozesse realisiert, die CO2 als C1-Synthesebaustein nutzen, nämlich Harnstoff- und Methanolsynthesen sowie die Herstellung von cyclischen Carbonaten wie Ethylen- oder Propylencarbonat, die als Ausgangsstoffe für Synthesen, zur Herstellung von Polycarbonaten (biologisch abbaubare Kunststoffe) oder als Lösungsmittelkomponenten für Beschichtungen und Elektrolyte (z.B. in Lithium-Ionen-Batterien) dienen. Bei der direkten Synthese von Polycarbonaten auf Basis von CO2 ist die Suche nach geeigneten Katalysatoren in vollem Gange. U.a. am Forschungszentrum Karlsruhe werden verschiedene Varianten von Festphasen-Metallkatalysatoren oder Metallkatalysatoren in ionischen Flüssigkeiten sowie von löslichen Metallkomplexen auf ihre Eignung getestet. Bei der CO2-basierten Synthese von Dimethyl- und Diphenylcarbonaten für lineare Polycarbonate, eines der jüngsten Forschungsgebiete, macht die Freisetzung von Wasser die Katalysatoren unwirksam. Ob man mit Wasser bindenden Reagenzien oder mit raffinierten Synthesetricks dies umgehen kann, bleibt abzuwarten.

Eine Vielzahl an interessanten chemischen Strukturen lässt sich auf Basis von δ-Lactonen mit Hilfe katalytischer Reaktionen herstellen. Ein Arbeitskreis an der Technischen Universität Dortmund berichtet über die selektive Kopplung von 1,3-Butadien mit CO2 zu solchen δ-Lactonen und über ihre Folgechemie. Unter anderem ist es dort gelungen, in einer kontinuierlich betriebenen Kleinanlage δ-Lacton mit hoher Selektivität herzustellen.

Ionische Flüssigkeiten haben mittlerweile einen Siegeszug als alternative Lösungsmittel angetreten. In Anwesenheit von CO2 können einige von ihnen ihre physikalisch-chemischen Eigenschaften so verändern, dass die in ihnen ablaufenden katalytischen Prozesse deutlich verbessert werden. CO2 im überkritischen Zustand gilt schon lange als ein wirksames und schonendes Lösungsmittel (z.B. in der Lebensmittelindustrie); denn es ist nicht toxisch und deutlich umweltverträglicher als organische Lösungsmittel. Was in solchen Prozessen chemisch vor sich geht, wird von einem Arbeitskreis an der RWTH Aachen auf der Tagung erläutert.

Die Tagung „Dream Reactions“ umfasst darüber hinaus eine Reihe interessanter Forschungs- und Entwicklungsarbeiten beispielsweise zur chemischen Umsetzung nachwachsender Rohstoffe und zur selektiven Oxidation. Die Tagung führt die GDCh-Arbeitsgemeinschaft Nachhaltige Chemie in Zusammenarbeit mit dem gemeinsamen Katalysezentrum „CAT“ der RWTH Aachen und der Bayer AG sowie dem Institut für Technische und Makromolekulare Chemie der RWTH Aachen durch. Weitere Informationen unter: www.gdch.de/nachhaltig2008.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 25 Fachgruppen und Sektionen sowie darüber hinaus Arbeitsgemeinschaften wie die 2007 gegründete Arbeitsgemeinschaft Nachhaltige Chemie, die Arbeitsgemeinschaft Theoretische Chemie, mitgetragen von der Deutschen Bunsen-Gesellschaft für Physikalische Chemie und der Deutschen Physikalischen Gesellschaft, und die Fachsektion Chemische Biologie, mitgetragen von der Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie, der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft und der Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie.

Kontakt:
Dr. Renate Hoer
Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V. (GDCh) Öffentlichkeitsarbeit Postfach 900440
60444 Frankfurt
Tel.: 069/7917-493
Fax: 069/7917-307
E-Mail: r.hoer@gdch.de

Dr. Renate Hoer | Gesellschaft Deutscher Chemiker
Weitere Informationen:
http://www.gdch.de

Weitere Berichte zu: CO2 Katalyse Rohstoff Synthese

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin
24.02.2017 | TMF - Technologie- und Methodenplattform für die vernetzte medizinische Forschung e.V. (TMF)

nachricht Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie
24.02.2017 | Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie