Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Weltwassertag: 22. März 2008 - Water and Sanitation

19.03.2008
Überflutungen im nördlichen Namibia - neues Sanitärkonzept für einen angepassten Umgang mit Wasser

Der 22. März 1992 wurde von den Vereinten Nationen zum Weltwassertag erklärt.

Jedes Jahr wird an diesem Tag auf die besondere Bedeutung des Wassers und seiner nachhaltigen Nutzung aufmerksam gemacht. Der diesjährige Weltwassertag steht unter dem Motto "Water and Sanitation" und soll daran erinnern, dass mehr als 2,5 Milliarden Menschen weltweit keinen Zugang zu ausreichender Abwasserentsorgung haben. Das aktuelle Beispiel des nördlichen Namibias, das derzeit von flächenhaften Überflutungen betroffen ist, zeigt, wie wichtig neue Sanitärkonzepte vor allem für den Umgang mit den bereits jetzt auftretenden Folgen des Klimawandels sind.

Der Norden Namibias ist derzeit von flächenhaften Überflutungen betroffen, da seit Ende Januar immer wieder starke Regenfälle auftreten. Zahlreiche Straßen und Brücken wurden weggespült und Dörfer und Siedlungen von gewaltigen Wassermassen eingeschlossen. Schulen und Kliniken sind so für die Bevölkerung nicht erreichbar. Etwa 60.000 Menschen sind unmittelbar betroffen, mehrere tausend obdachlos.

... mehr zu:
»Abwasser

In mindestens einem Fall ist es in der Region zu einem Bruch einer der mit Trinkwasser versorgenden Pipelines gekommen, so dass die Gefahr der Mischung mit Oberflächen- bzw. Abwässern besteht, da auch Kläranlagen überflutet wurden, und es sind bereits erste Fälle von Cholera aufgetreten. Am 4. März 2008 hat der namibische Präsident Hifikepunya Pohamba für insgesamt vier Regionen im Norden des Landes den Notstand ausgerufen und die internationale Gemeinschaft dazu aufgerufen, mit den namibischen Behörden zusammenzuarbeiten, um die Not zu lindern bzw. sich an den Maßnahmen zur Vorbeugung gegen die Folgen der Flut bzw. am Wiederaufbau zu beteiligen.

Vor besonders schweren Problemen stehen informelle Siedlungen, in denen nur bedingt Infrastrukturen vorhanden sind. In diesen Gebieten nutzt die Bevölkerung im Haushalt zum Teil Wasser aus temporären Flussläufen, in die auch ungereinigte Abwässer aus überfluteten Oxidation Ponds gelangt sind. Oxidation Ponds sind Abwassersammelteiche, wo es anstelle von Aufbereitungstechniken unvermeidlich zu einer Verdunstung und Versickerung des Abwassers kommt. Insbesondere bei extremen Regenereignissen (Klimawandel) laufen diese Abwassersammler über und es kommt zu Verunreinigungen der Oberflächengewässer und des Grundwassers. Das internationale Forschungsprojekt CuveWaters, das an der Entwicklung und Umsetzung eines Konzepts für ein integriertes Wasserressourcenmanagement für das nördliche Namibia arbeitet, hat ein neuartiges Sanitärkonzept entwickelt und wird dieses in einem informellen Siedlungsgebiet pilothaft umsetzen. "Wenn das vorhandene Wasser effizienter genutzt wird (Water Reuse) und zum anderen zusätzlich eine Düngung der Felder und Gärten erfolgen kann, führt dies zur Verbesserung der Lebensqualität der ärmeren Bevölkerung in einem informellen Siedlungsgebiet, zur Armutsreduktion und zu einem 'Slum-up-gradi'", hebt Projektleiter PD Dr. Thomas Kluge vom Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE) hervor.

Besonderheiten des neuartigen Sanitärsystems sind: Das Abwasser wird per Unterdruck über ein gesondertes Vakuumsystem abgesaugt und in einen zentralen Tank eingeleitet. So kann der Spülwasserbedarf drastisch reduziert werden und es entsteht deutlich weniger Abwasser. Dieses gelangt dann in die zentrale Abwasserreinigungsanlage und wird dort gesäubert. Herzstück sind ein Anaerobreaktor und Rotationsscheibenfilter, in denen das Wasser über poröse, keramische Membranen filtriert wird. Sie entfernen alle Feststoffe aus dem Abwasser, die größer als 0,2 Mikrometer sind - auch Bakterien bleiben somit im Rückhaltesystem und zersetzen die organischen Abwasserinhaltsstoffe. Unter Luftabschluss entstehen so Methan und Kohlenstoffdioxid, allerdings ohne, dass unangenehme Gerüche verbreitet werden. Das gewonnene Biogas liefert Strom und Wärme, die zum Kochen benutzt werden können. Organische Massen aus Biomüll und Fäkalien werfen als weiteres Nebenprodukt Dünger (Stickstoff und Phosphor) ab und der flüssige Ablauf der Abwasserreinigungsanlage kann somit zur Bewässerung und Düngung im städtischen Gartenbau und der Landwirtschaft genutzt werden. Neu und besser: Das System braucht zum einen weniger Wasser als die klassische Wasserspülung mit der Schwemmkanalisation, zum anderen ist das Vakuumsystem geschlossen und bietet kaum Ansatzfläche für Überflutungsrisiken.

Das Forschungsprojekt CuveWaters ist ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördertes Gemeinschaftsprojekt des Instituts für sozial-ökologische Forschung (ISOE), Frankfurt am Main, der Technischen Universität Darmstadt, Fachgebiet Wasserversorgung und Grundwasserschutz (Institut WAR) und des Fraunhofer Instituts für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik (IGB). In Namibia arbeitet das Projekte eng mit dem namibischen Ministerium für Landwirtschaft, Wasser und Forsten, der Desert Research Foundation of Namibia (DRFN), der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) und der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) zusammen, um die Beteiligung und aktive Einbindung institutioneller Akteure wie auch der Bevölkerung vor Ort zu unterstützen. Weiterführende Informationen zum Forschungsprojekt finden Sie unter: http://www.cuvewaters.net

Pressekontakt:
Michaela Kawall
Wissenskommunikation & Öffentlichkeitsarbeit
Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE)
Tel.: 069-707 69 19-30
E-Mail: kawall@isoe.de

Michaela Kawall | idw
Weitere Informationen:
http://www.isoe.de
http://www.cuvewaters.net

Weitere Berichte zu: Abwasser

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Legionellen? Nein danke!
25.09.2017 | Haus der Technik e.V.

nachricht Posterblitz und neue Planeten
25.09.2017 | Friedrich-Schiller-Universität Jena

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: LaserTAB: Effizientere und präzisere Kontakte dank Roboter-Kollaboration

Auf der diesjährigen productronica in München stellt das Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT das Laser-Based Tape-Automated Bonding, kurz LaserTAB, vor: Die Aachener Experten zeigen, wie sich dank neuer Optik und Roboter-Unterstützung Batteriezellen und Leistungselektronik effizienter und präziser als bisher lasermikroschweißen lassen.

Auf eine geschickte Kombination von Roboter-Einsatz, Laserscanner mit selbstentwickelter neuer Optik und Prozessüberwachung setzt das Fraunhofer ILT aus Aachen.

Im Focus: LaserTAB: More efficient and precise contacts thanks to human-robot collaboration

At the productronica trade fair in Munich this November, the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT will be presenting Laser-Based Tape-Automated Bonding, LaserTAB for short. The experts from Aachen will be demonstrating how new battery cells and power electronics can be micro-welded more efficiently and precisely than ever before thanks to new optics and robot support.

Fraunhofer ILT from Aachen relies on a clever combination of robotics and a laser scanner with new optics as well as process monitoring, which it has developed...

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Legionellen? Nein danke!

25.09.2017 | Veranstaltungen

Posterblitz und neue Planeten

25.09.2017 | Veranstaltungen

Hochschule Karlsruhe richtet internationale Konferenz mit Schwerpunkt Informatik aus

25.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Legionellen? Nein danke!

25.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Hochvolt-Lösungen für die nächste Fahrzeuggeneration!

25.09.2017 | Seminare Workshops

Seminar zum 3D-Drucken am Direct Manufacturing Center am

25.09.2017 | Seminare Workshops