Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

114. Internistenkongress: Stichtagsregelung zum Stammzellgesetz behindert Forschung

19.03.2008
114. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin
29. März bis 2. April 2008, Rhein-Main-Hallen Wiesbaden

Stammzellgesetz in Deutschland - Stichtagsregelung behindert Forschung

Forschungserfolge mit Stammzellen von Erwachsenen können die wissenschaftliche Arbeit an menschlichen embryonalen Stammzellen bislang nicht ersetzen. Experten der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) diskutieren daher eine Novellierung des derzeit gültigen Stammzellgesetzes in Deutschland. Im Rahmen des 114. Internistenkongresses in Wiesbaden erörtern sie, welche gesetzlichen Änderungen notwendig sind, um deutschen Wissenschaftlern eine international konkurrenzfähige Forschung zu ermöglichen.

Nach der geltenden "Stichtagsregelung" dürfen Forscher in Deutschland nur Stammzelllinien verwenden, die vor dem 1. Januar 2002 im Ausland entstanden sind. Diese Zellen sind inzwischen jedoch verunreinigt. Um die Mitarbeit in internationalen Kooperationsprojekten zu ermöglichen, fordern deutsche Wissenschaftler eine Novellierung dieser strengen gesetzlichen Regelungen. Sie empfehlen, in Deutschland die Stammzelllinien zuzulassen, mit denen Forscher im Ausland arbeiten dürfen.

Stammzellen von Embryonen sind in der Lage, sich in die verschiedensten Zellen des Körpers zu entwickeln. "Auch die jüngsten Forschungserfolge amerikanischer und japanischer Wissenschaftler zur Untersuchung von Hautzellen ändern nichts an dem Bedarf an neuen humanen embryonalen Stammzelllinien", sagt Professor Dr. Jörg Hacker, ehemaliger Direktor des Instituts für Molekulare Infektionsbiologie an der Universität Würzburg und neuer Präsident des Robert Koch Instituts im Vorfeld des 114. Internistenkongresses in Wiesbaden. Forschern war es gelungen, menschliche Hautzellen so umzuprogrammieren, dass sie die Eigenschaften embryonaler Stammzellen annahmen. "Die Ergebnisse lassen zwar darauf hoffen, dass eines Tages bei der patientenspezifischen Therapie weniger oder gar keine embryonalen Stammzellen notwendig sind", erläutert Professor Hacker. "Dennoch müssen diese neuen Zellen zunächst charakterisiert werden." Um ihre Eigenschaften etwa mit denen humaner embryonaler Stammzellen vergleichen zu können, bräuchte man diese zum Vergleich. "Der jüngste Durchbruch bei der Re-Programmierung einer Körperzelle war nur auf Basis der Embryonal-Stammzellforschung möglich" betont Professor Dr. med. Anthony D. Ho, Hämatologe und Direktor der Medizinischen Klinik V der Universität Heidelberg.

Weltweit gibt es mehr als 500 Stammzelllinien. "Um den Anschluss an die internationale Forschung nicht zu verlieren, müssen Wissenschaftler in Deutschland auf vorhandene Stammzelllinien im Ausland zurückgreifen dürfen", betont Professor Dr. med. Georg Ertl, Vorsitzender der DGIM aus Würzburg. Denn derzeit dürfen hierzulande nur 21 Zelllinien verwendet werden. Diese sind für die nötigen Vergleichsexperimente jedoch kaum nutzbar. "Darüber hinaus sind Erfolge mit adulten Stammzellen für die Behandlung nach Herzinfarkt keineswegs ausreichend in Langzeitstudien klinisch belegt, so dass auch hier noch erheblicher Forschungsbedarf besteht und man nicht genau absieht, in welche Richtung sich die Forschung entwickeln wird". Hierauf legt Herzspezialist Ertl besonderen Wert und thematisiert als Kongresspräsident deshalb die Stammzellforschung für den 114. Internistenkongress Ende März in Wiesbaden.

"Der Streit um Stammzellforschung und Ihre Folgen hat unsere Gesellschaft polarisiert", sagt Professor Dr. med. Anthony D. Ho - ebenfalls Referent auf dem 114. Internistenkongress. Derzeit debattiert der Bundestag, ob und wie das gültige Stammzellgesetz sich ändern sollte. Mit einer Entscheidung wird am 11. April 2008 gerechnet. Auf dem 114. Internistenkongress diskutieren führende Experten bei einem Rundtischgespräch und einer Pressekonferenz über die Stichtagsregelung und kommentieren das neue Gesetz.

TERMINHINWEIS:

Montag, 31. März 2008, 13.00 bis 14.00 Uhr
Mittagspressekonferenz der DGIM
Eines der Themen: Die Stammzelldebatte
Referent: Professor J. Hacker, Berlin
Rhein-Main-Hallen, Saal 12D
Kontakt für Journalisten:
DGIM Pressestelle
Anna Julia Voormann
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Telefon: 0711 8931-552
FAX: 0711 8931-167
voormann@medizinkommunikation.org
Pressebüro vor Ort (29. März bis 2. April 2008):
Rhein-Main-Hallen
Saal 12 A, (im OG über dem Foyer)
Telefon: 0611 144739
FAX: 0611 122740

| idw
Weitere Informationen:
http://www.dgim.de
http://www.dgim2008.de

Weitere Berichte zu: Stammzelle Stammzellgesetz Stammzelllinie Stichtagsregelung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Neuer Algorithmus in der Künstlichen Intelligenz
24.01.2017 | Friedrich-Schiller-Universität Jena

nachricht Gehirn und Immunsystem beim Schlaganfall – Neueste Erkenntnisse zur Interaktion zweier Supersysteme
24.01.2017 | Deutsche Gesellschaft für NeuroIntensiv- und Notfallmedizin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Scientists spin artificial silk from whey protein

X-ray study throws light on key process for production

A Swedish-German team of researchers has cleared up a key process for the artificial production of silk. With the help of the intense X-rays from DESY's...

Im Focus: Forscher spinnen künstliche Seide aus Kuhmolke

Ein schwedisch-deutsches Forscherteam hat bei DESY einen zentralen Prozess für die künstliche Produktion von Seide entschlüsselt. Mit Hilfe von intensivem Röntgenlicht konnten die Wissenschaftler beobachten, wie sich kleine Proteinstückchen – sogenannte Fibrillen – zu einem Faden verhaken. Dabei zeigte sich, dass die längsten Proteinfibrillen überraschenderweise als Ausgangsmaterial schlechter geeignet sind als Proteinfibrillen minderer Qualität. Das Team um Dr. Christofer Lendel und Dr. Fredrik Lundell von der Königlich-Technischen Hochschule (KTH) Stockholm stellt seine Ergebnisse in den „Proceedings“ der US-Akademie der Wissenschaften vor.

Seide ist ein begehrtes Material mit vielen erstaunlichen Eigenschaften: Sie ist ultraleicht, belastbarer als manches Metall und kann extrem elastisch sein....

Im Focus: Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

An Bord einer Höhenforschungsrakete wurde erstmals im Weltraum eine Wolke ultrakalter Atome erzeugt. Damit gelang der MAIUS-Mission der Nachweis, dass quantenoptische Sensoren auch in rauen Umgebungen wie dem Weltraum eingesetzt werden können – eine Voraussetzung, um fundamentale Fragen der Wissenschaft beantworten zu können und ein Innovationstreiber für alltägliche Anwendungen.

Gemäß dem Einstein’schen Äquivalenzprinzip werden alle Körper, unabhängig von ihren sonstigen Eigenschaften, gleich stark durch die Gravitationskraft...

Im Focus: Quantum optical sensor for the first time tested in space – with a laser system from Berlin

For the first time ever, a cloud of ultra-cold atoms has been successfully created in space on board of a sounding rocket. The MAIUS mission demonstrates that quantum optical sensors can be operated even in harsh environments like space – a prerequi-site for finding answers to the most challenging questions of fundamental physics and an important innovation driver for everyday applications.

According to Albert Einstein's Equivalence Principle, all bodies are accelerated at the same rate by the Earth's gravity, regardless of their properties. This...

Im Focus: Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens

Am 24. Januar 1917 stach Heinrich Klebahn mit einer Nadel in den verfärbten Belag eines gesalzenen Seefischs, übertrug ihn auf festen Nährboden – und entdeckte einige Wochen später rote Kolonien eines "Salzbakteriums". Heute heißt es Halobacterium salinarum und ist genau 100 Jahre später Mikrobe des Jahres 2017, gekürt von der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM). Halobacterium salinarum zählt zu den Archaeen, dem Reich von Mikroben, die zwar Bakterien ähneln, aber tatsächlich enger verwandt mit Pflanzen und Tieren sind.

Rot und salzig
Archaeen sind häufig an außergewöhnliche Lebensräume angepasst, beispielsweise heiße Quellen, extrem saure Gewässer oder – wie H. salinarum – an...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Neuer Algorithmus in der Künstlichen Intelligenz

24.01.2017 | Veranstaltungen

Gehirn und Immunsystem beim Schlaganfall – Neueste Erkenntnisse zur Interaktion zweier Supersysteme

24.01.2017 | Veranstaltungen

Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt

23.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Im Interview mit Harald Holzer, Geschäftsführer der vitaliberty GmbH

24.01.2017 | Unternehmensmeldung

MAIUS-1 – erste Experimente mit ultrakalten Atomen im All

24.01.2017 | Physik Astronomie

European XFEL: Forscher können erste Vorschläge für Experimente einreichen

24.01.2017 | Physik Astronomie