Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

In der EU wird effizient regiert - aber ist sie auch demokratisch?

04.03.2008
150 Experten aus 23 Ländern stellen Diagnose zur demokratischen Qualität der Europäischen Union / Abschlusskonferenz des Exzellenznetzwerks CONNEX vom 6. bis 8. März an der Universität Mannheim

150 Wissenschaftler aus 23 europäischen Ländern kommen in dieser Woche an der Universität Mannheim zusammen, um ihre Forschungsergebnisse aus vier Jahren Zusammenarbeit zum Thema "Regieren in der Europäischen Union" zu diskutieren.

Das EU-Wissenschaftsnetzwerk CONNEX (Connecting Exellence on European Governance) wurde initiiert und geleitet von Professor Beate Kohler-Koch vom Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung (MZES). Es brachte Politikwissenschaftler, Juristen und Soziologen von 41 Universitäten zusammen, um die Probleme und Möglichkeiten effizienter und demokratischer Politik in der EU zu erforschen.

Ein Ergebnis ist: Nicht die Effizienz ist das Problem, sondern die demokratische Qualität der EU. Netzwerkkoordinatorin und Politikwissenschaftlerin Professor Beate Kohler-Koch: "Wenig sichtbar für den Bürger hat sich eine enge, grenzüberschreitende Zusammenarbeit der Verwaltungen etabliert. Hier wird Sachverstand gebündelt, und es werden auch in schwierigen Fragen Kompromisse erzielt." Man mache besten Gewissens Politik für den Bürger, dieser habe jedoch keine Kontrolle: "Die politische Steuerung durch nationale Regierungen greift zu kurz, und auch das Europäische Parlament hat grundsätzliche Schwierigkeiten, in diesem komplexen Mehr-Ebenen-System politische Verantwortung einzufordern", so Kohler-Koch.

Die Idee, die Bürgerferne der EU durch die Einbindung der Zivilgesellschaft in die europäische Politik zu überwinden, stößt bei den Wissenschaftlern auf Skepsis. Sie begrüßen einerseits, dass Brüssel sehr viel transparenter geworden ist - oftmals transparenter als die eigene heimische Regierung - und dass gezielte Anstrengungen unternommen werden, um nicht einseitig Wirtschaftsinteressen das Feld zu überlassen. Andererseits zeigen die CONNEX-Experten auf: Das Demokratiedefizit der EU kann kaum dadurch behoben werden, dass eine Vielzahl von Gruppen, die für Menschenrechte, Umwelt, Verbraucherschutz, Geschlechtergleichstellung und vieles mehr eintreten, nun für den Bürger sprechen. "Was sich selbst Vertretung der Zivilgesellschaft nennt, ist häufig noch weiter vom Bürger entfernt als die Institutionen der EU. Diese Gruppen nehmen Einfluss auf Entscheidungen, ohne gewählt und ohne zur Rechenschaft verpflichtet zu sein", betont Kohler-Koch.

Es gibt aber auch Forschungsergebnisse, die zum Optimismus Anlass geben: Die Bürger in den neuen Mitgliedstaaten mögen in ihrer Mehrzahl der EU gegenüber skeptischer eingestellt sein, aber ihre politischen Vorlieben und damit ihr Wahlverhalten unterscheiden sich nach den Erkenntnissen der Wissenschaftler nicht von dem der Bürger in den alten Mitgliedstaaten. So hat die Erweiterung der jüngsten Jahre weder zu einer Parteienzersplitterung noch zu einer Belastung der Zusammenarbeit im Europäischen Parlament geführt.

Die Resultate des CONNEX-Netzwerks schlagen sich in einer großen Zahl wissenschaftlicher Veröffentlichungen nieder. Besonders erfolgreich war CONNEX zudem in der Vernetzung von Wissenschaftlern quer durch Europa und vor allem in der Einbeziehung vieler junger Forscher. Deren Förderung lag dem Netzwerk um Beate Kohler-Koch besonders am Herzen: "Die Zukunft der Forschung liegt in der Heranführung des wissenschaftlichen Nachwuchses an die europäische Spitzenforschung. CONNEX hat hier sicherlich nachhaltige Erfolge erzielt."

Das CONNEX-Netzwerk wurde aus dem 6. Forschungsrahmenprogramm der EU mit 3,5 Millionen Euro finanziert.

Kontakt für weitere Informationen und Interviewanfragen:
Dr. Fabrice Larat
CONNEX Network Manager
Universität Mannheim
MZES
Telefon: +49 (0)621 181 2840
Fabrice.Larat@mzes.uni-mannheim.de
Nikolaus Hollermeier
Universität Mannheim
MZES
Direktorat / Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel: +49/(0)621-181-2839
Fax: +49/(0)621-181-2866
Nikolaus.Hollermeier@mzes.uni-mannheim.de

Achim Fischer | idw
Weitere Informationen:
http://www.connex-network.org
http://www.mzes.uni-mannheim.de

Weitere Berichte zu: CONNEX Mitgliedstaat Zivilgesellschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW
08.12.2016 | Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde

nachricht NRW Nano-Konferenz in Münster
07.12.2016 | Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung NRW

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einzelne Proteine bei der Arbeit beobachten

08.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Intelligente Filter für innovative Leichtbaukonstruktionen

08.12.2016 | Messenachrichten

Seminar: Ströme und Spannungen bedarfsgerecht schalten!

08.12.2016 | Seminare Workshops