Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Parasitologen tagen in Hamburg

26.02.2008
Mehr als 300 Wissenschaftler aus aller Welt treffen sich vom 5. bis zum 7. März 2008 zur 23. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Parasitologie (DGP). Diesjähriger Gastgeber ist das Hamburger Bernhard-Nocht-Institut (BNI) für Tropenmedizin, welches die Veranstaltung in den Räumen des Departments für Chemie an der Universität Hamburg ausrichtet.

Zahllose Parasiten im und am Menschen verursachen jährlich Millionen von Krankheitsfällen, viele von ihnen enden tödlich. Ob Leber-zersetzende Amöben oder Malaria-Erreger, die die roten Blutkörperchen zerstören: Parasiten sind weltweit verbreitet und haben im Zuge der Globalisierung auch in Europa zunehmend an Bedeutung gewonnen. Viele dieser Erkrankungen sind heilbar, anderen steht man relativ hilflos gegenüber. Dies trifft in hohem Maße auf arme Länder zu, in denen ein mangelhaftes Gesundheitssystem auf schlechte hygienische Bedingungen und begünstigendes Klima trifft.

In über 200 wissenschaftlichen Beiträgen präsentieren Immunologen, Zellbiologen und Parasitologen ihre neuesten Forschungsergebnisse. Sie alle treibt die Hoffnung, Teilerkenntnisse aus vielen einzelnen Forschungsprojekten zu einem großen Ganzen zusammenzufügen, um daraus letztlich Ideen zu entwickeln, wie man den Parasiten noch besser als bisher zu Leibe rücken kann.

Parasiten sind hoch spezialisierte Lebewesen. Sie besiedeln einen Wirtsorganismus wie den Menschen, beziehen von ihm Nahrung und vermehren sich in ihm. Im ungünstigen Fall kommt es zu einer mehr oder minder starken Schädigung des Wirtsorganismus. Wirte verhalten sich zwar nicht passiv gegenüber ihren Parasiten, sondern sind häufig imstande, Zahl und Schadeffekt durch Abwehrmaßnahmen zu begrenzen, jedoch gelingt es vielfach nicht, die ungebetenen Gäste abzuschütteln. Drei Gruppen von Organismen zählen zu den Parasiten: tierische Einzeller (Protozoen) wie zum Beispiel der Malariaerreger Plasmodium, verschiedene Wurmarten wie der Fuchsbandwurm und Ektoparasiten wie Läuse, Flöhe oder Wanzen.

... mehr zu:
»BNI »DGP »Parasit »Parasitologie

Dank ausgeklügelter zell- und molekularbiologischer Methoden gelingt es den Wissenschaftlern inzwischen, die parasitären Infektionserreger bis ins kleinste Detail zu erforschen und deren sensibles Zusammenspiel mit dem Wirtsorganismus zu entschlüsseln. Einen regelrechten Schub erlebte die parasitologische Forschung besonders durch die Entschlüsselung des Genoms der wichtigsten Menschen-pathogenen Erreger. Denn nur wenn man die Angriffspunkte und Interaktionen der Parasiten kennt, kann man dort zielgerichtet mit Medikamenten oder Impfstoffen eingreifen. Auch die Nachweismethoden für parasitäre Erkrankungen haben sich verfeinert. Inzwischen gibt es neue, molekulare Ansätze zur Erregerdiagnostik, die die Parasiten immer früher und differenzierter erkennen, so dass man Krankheiten bereits in ihren Anfangsstadien behandeln kann.

Allerdings sind der Behandlung gelegentlich Grenzen gesetzt. Insbesondere stellt die zunehmende Resistenzentwicklung von Parasiten gegen die verfügbaren Therapeutika ein ernstes Problem dar. Daher widmet sich der Kongress gleich in drei wissenschaftlichen Sitzungen dem Problem der Resistenz von Parasiten und der Entwicklung neuer Wirkstoffe.

Offenbar haben Parasiten aber nicht nur schädigende Wirkungen. So findet man in einfachen Regionen Afrikas oder Asiens, in denen die Durchseuchung mit Würmern sehr hoch ist weitaus seltener Krankheiten wie Allergien oder Asthma als in den Industrieländern. So ungewöhnlich es klingt, aber es scheint, als würden Wurminfektionen das Allergie-Risiko senken. Auch dieser Zusammenhang wird auf der Tagung vorgestellt: Darmparasiten als Heilmittel gegen immunologische Erkrankungen.

Was wäre eine Tagung ohne Preise? Diesmal warten gleich zwei darauf, vergeben zu werden. Die Rudolf-Leuckart-Medaille geht an Prof. John Boothroyd von der Stanford Universität, USA. Er ist einer der international renommierten Wissenschaftler, die als Hauptredner zu der Tagung eingeladen wurden. Zum anderen verleiht die Deutsche Gesellschaft für Parasitologie den Gerhard-Piekarski-Preis an einen Doktoranden, der sich mit seiner Forschungsarbeit besonders um die Parasitologie verdient gemacht hat.

KONTAKT
Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin
Prof. Egbert Tannich
Molekulare Parasitologie
Tel: 040 / 428 18 - 477
eMail: tannich@bni-hamburg.de
Eva Königsmann
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel: 040 / 428 18 - 525
eMail: koenigsmann@bni-hamburg.de
INFORMATIONEN UND ANMELDUNG:
http://www.bni-hamburg.de/dgp08/
VERANSTALTUNGSORT:
Universität Hamburg
Department Chemie
Martin-Luther-King-Platz 6
20146 Hamburg
Über das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNI):
Seit seiner Gründung am 01.10.1900 als Institut für Schiffs- und Tropenkrankheiten ist das BNI Deutschlands größtes Institut für Forschung, Lehre und Versorgung auf dem Gebiet der Tropenmedizin. Die vom Gründer Bernhard Nocht formulierte Aufgabenstellung "Forschen - Heilen - Lehren" wird im BNI von insgesamt 260 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern verfolgt. Die Schwerpunkte der Forschung liegen aktuell auf den Gebieten Malaria, hämorrhagische Fieberviren, Gewebewürmer, Amöben und Leishmanien. Klinische Forschungsprojekte werden in Kooperation mit der afrikanischen Forschungsstation in Ghana und dem UKE durchgeführt.

Das BNI ist Nationales Referenzzentrum für tropische Infektionserreger, Referenzlabor für SARS und Kooperationszentrum der WHO im Bereich der Virologie. In der Forschung kooperiert das BNI in nationalen und internationalen Verbünden. Zahlreiche Forschungsprojekte werden in den Tropen durchgeführt - so unterhält das BNI seit zehn Jahren eine kooperative Forschungsstation in Ghana, Westafrika.

Das BNI ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft, einer Vereinigung von 83 außeruniversitären deutschen Forschungseinrichtungen mit überregionaler Bedeutung, die gemeinsam von Bund und Ländern finanziert werden.

Über die Deutsche Gesellschaft für Parasitologie (DGP):

Die Deutsche Gesellschaft für Parasitologie wurde am 26. September 1960 am Institut für Parasitologie der Tierärztlichen Hochschule in Hannover gegründet. Dies geschah im Zuge des Ausbaus der deutschen Hochschulen und auf Empfehlung des damaligen Wissenschaftsrates. Im Namen dieser Fachgesellschaft konnte der dringende Bedarf für Lehrstühle in der Parasitologie angemeldet werden. Zunächst beschränkte sich der Ausbau auf die angewandte Parasitologie. 1990 kam es nach der Wiedervereinigung Deutschlands zum Zusammenschluss mit der Parasitologischen Gesellschaft der DDR.

Die Gesellschaft fördert den Zusammenschluss aller Parasitologen durch fachliche Zusammenarbeit, Erfahrungsaustausch zwischen dem In- und Ausland und Unterstützung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Neben einer regen Öffentlichkeitsarbeit unterstützt die DGP Initiativen, die die Rahmenbedingungen für die wissenschaftliche und praktische Arbeit von Parasitologen verbessern. Auf Bestreben der DGP wurden bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft bislang drei Forschungsschwerpunkt-programme eingerichtet: Ökologische Parasitologie, Ichthyoparasitologie und Wirkstoffentwicklung. Die Vereinigung hat ihren Sitz in Frankfurt am Main und umfasst heute etwa 550 Mitglieder.

Eva Königsmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.bni-hamburg.de
http://www.bni-hamburg.de/dgp08/
http://www.dgparasitologie.de

Weitere Berichte zu: BNI DGP Parasit Parasitologie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017
17.01.2017 | Max-Planck-Institut für Astronomie

nachricht Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge
17.01.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Im Focus: Studying fundamental particles in materials

Laser-driving of semimetals allows creating novel quasiparticle states within condensed matter systems and switching between different states on ultrafast time scales

Studying properties of fundamental particles in condensed matter systems is a promising approach to quantum field theory. Quasiparticles offer the opportunity...

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Im Focus: Designing Architecture with Solar Building Envelopes

Among the general public, solar thermal energy is currently associated with dark blue, rectangular collectors on building roofs. Technologies are needed for aesthetically high quality architecture which offer the architect more room for manoeuvre when it comes to low- and plus-energy buildings. With the “ArKol” project, researchers at Fraunhofer ISE together with partners are currently developing two façade collectors for solar thermal energy generation, which permit a high degree of design flexibility: a strip collector for opaque façade sections and a solar thermal blind for transparent sections. The current state of the two developments will be presented at the BAU 2017 trade fair.

As part of the “ArKol – development of architecturally highly integrated façade collectors with heat pipes” project, Fraunhofer ISE together with its partners...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Event News

12V, 48V, high-voltage – trends in E/E automotive architecture

10.01.2017 | Event News

2nd Conference on Non-Textual Information on 10 and 11 May 2017 in Hannover

09.01.2017 | Event News

Nothing will happen without batteries making it happen!

05.01.2017 | Event News

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Intelligente Haustechnik hört auf „LISTEN“

17.01.2017 | Architektur Bauwesen

Satellitengestützte Lasermesstechnik gegen den Klimawandel

17.01.2017 | Maschinenbau