Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie Computer lernen, Video-Szenen selbstständig zu interpretieren

14.02.2008
Eine Überwachungskamera in einer Bankfiliale kann bisher nicht unterscheiden, ob ein Bankräuber zum Tresor geht oder nur ein Angestellter. Sie zeichnet lediglich auf und kann nicht wie ein Mensch urteilen, der auf den Bildern sofort die bedrohliche Situation erkennt.

Wissenschaftler arbeiten jedoch daran, dass künftig auch Computer solche Video-Szenen selbstständig interpretieren können. Dabei versucht man, die Methoden der Logik, die in der klassischen Künstlichen Intelligenz-Forschung eingesetzt werden, mit der Wahrscheinlichkeitstheorie zu verknüpfen. Wie das funktionieren könnte, diskutieren internationale Wissenschaftler bei einer Tagung vom 24. bis 29. Februar 2008 im Leibniz-Zentrum für Informatik auf Schloss Dagstuhl.

In der digitalen Welt werden heute Unmengen von Bildern und Bildfolgen automatisch erfasst. So zum Beispiel durch Überwachungskameras an Bahnhöfen, in Banken, Schwimmbädern oder auch in der industriellen Produktion. Künftig sollen außerdem Autos mit Kameras ausgestattet werden, um den Fahrer vor Gefahren zu warnen, etwa wenn ein Kind auf die Straße rennt. Für den Computer sind die erfassten Video-Sequenzen jedoch zuerst nur viele bunte Bildpunkte, die er nicht wie das menschliche Auge erfassen und sinnvoll interpretieren kann. Zur Analyse benötigt er wie der Mensch Hintergrundwissen, muss also vermuten können, dass der Mann mit Kapuzenmaske ein Bankräuber ist oder dass dem Ball, der vor das Auto rollt, noch ein Kind folgen kann.

Um Szenen automatisch zu interpretieren, stößt die klassische Forschung der Künstlichen Intelligenz an Grenzen, denn viele Abläufe in der Natur können nicht einfach in Regeln gepackt und mit Hilfe der Logik analysiert werden. Sie sind außerdem zu komplex, um von Ingenieuren einfach wie am Reißbrett modelliert zu werden. Hier sollen Modelle aus der Stochastik weiterhelfen, die unscharfe Interpretationen zulassen und von verschiedenen Möglichkeiten ausgehen. Außerdem werden Methoden des Maschinellen Lernens eingesetzt, damit der Computer kontinuierlich dazu lernt, um etwa ähnliche Szenen noch besser zu verstehen. Das Ziel der Tagung in Dagstuhl ist es, die theoretischen Grundlagen für eine Kombination von wahrscheinlichkeitsbasierten und logischen Verfahren zu verbessern, um neue Anwendungen überhaupt erst zu ermöglichen, zum Beispiel die Überwachung des Bodenverkehrs am Flughafen von Toulouse oder die Gewalt-Prophylaxe an U-Bahnstationen in Frankreich.

Die internationale Tagung in Dagstuhl bringt dafür Wissenschaftler aus ganz unterschiedlichen Forschungsrichtungen wie der Logik, Künstlichen Intelligenz, Kognitionswissenschaft und Wahrscheinlichkeitstheorie zusammen. Die Organisation haben die Wissenschaftler Anthony G. Cohn und David C. Hogg von der University of Leeds (Großbritannien) sowie Ralf Möller von der Technischen Universität Hamburg-Harburg und Bernd Neumann von der Universität Hamburg übernommen.

Hintergrund:
Schloss Dagstuhl lädt das ganze Jahr über Wissenschaftler aus aller Welt ins nördliche Saarland ein, um über neueste Forschungsergebnisse in der Informatik zu diskutieren. Rund 3.000 Informatiker von Hochschulen, Forschungseinrichtungen und aus der Industrie nehmen jährlich an den wissenschaftlichen Veranstaltungen in Dagstuhl teil.

Seit 2005 gehört Schloss Dagstuhl zur Leibniz-Gemeinschaft, in der zurzeit 83 führende außeruniversitäre Forschungsinstitute und wissenschaftliche Serviceeinrichtungen in Deutschland vertreten sind.

Dr. Roswitha Bardohl | idw
Weitere Informationen:
http://www.dagstuhl.de
http://www.dagstuhl.de/08091

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni
24.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

nachricht Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet
24.05.2017 | Deutsche Diabetes Gesellschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten