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Wie gehen wir mit der Zukunft um?
Internationaler Kongress in Berlin

14.02.2008
Ein Internationaler Kongress an der Freien Universität Berlin ("Long-Term Policies: Governing Social-Ecological Change", 22. und 23. Februar 2008) beschäftigt sich mit langfristigen, Generationen übergreifenden Problemen in Politik und Gesellschaft, etwa Klimaveränderungen, demografischer Wandel, Zukunft der Sozialsysteme, Staatsverschuldung.

Die Sozial-ökologische Forschung (SÖF) entwickelt neuartige Instrumente und Ansätze für derartige Herausforderungen und stellt damit bessere, das heißt nachhaltige Grundlagen für politische Entscheidungen bereit. Die Forschung in Deutschland nutzt die Tagung für den Austausch mit der internationalen Wissenschaftsszene in der Nachhaltigkeits-Forschung.

Wie können Gesellschaft und Politik mit Problemen umgehen, deren Tragweite zukünftige Generationen einschließt, deren Lösung demnach in dem Entscheidungshorizont von Legislaturperioden nicht möglich ist? Derartige Langfrist-Fragen prägen derzeit viele gesellschaftliche Diskussionen, zum Beispiel über Klimaveränderungen und mögliche Vermeidungs- und Anpassungsstrategien, über den demografischen Wandel und seine Auswirkungen auf die Sozialversicherungssysteme oder über die Staatsverschuldung und deren Bedeutung für die Generationengerechtigkeit. Solche Fragestellungen und Probleme zeichnen sich zum einen durch einen langen Zeithorizont aus.

Zum anderen sind zukünftige Entwicklungen schwer vorhersagbar (die Wissenschaft spricht von hoher "Unsicherheit"), und es besteht dabei ein nicht unerhebliches Konfliktpotenzial zwischen prinzipiell gleichberechtigten Zielen, etwa ökologischen, ökonomischen oder sozialen. Ein Beispiel: Während es einerseits wünschenswert ist, dass innovative Umweltschutz-Technologien in Entwicklungs- und Schwellenländer transferiert werden, besteht andererseits in den Herkunftsländern ein berechtigtes Interesse am Patentschutz und dem Erhalt einheimischer Arbeitsplätze.

Mit diesen und vergleichbaren Fragestellungen, die ein interdisziplinäres Know-how voraussetzen, beschäftigt sich eine internationale wissenschaftliche Konferenz, die unter dem Titel "Long-Term Policies: Governing Social-Ecological Change" am 22. und 23. Februar 2008 an der Freien Universität Berlin stattfindet. Die Tagung gehört als inzwischen achte Veranstaltung zur Serie der "Berlin Conferences on the Human Dimensions of Global Environmental Change" und wird unterstützt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) sowie dem International Human Dimensions Programm (IHDP), einer interdisziplinär ausgerichteten wissenschaftlichen Nichtregierungs-Organisation.

"Wie gehen wir mit unsere Zukunft um?", könnte das Motto der Tagung lauten, erklärt Mitveranstalter Bernd Siebenhüner, Professor an der Universität Oldenburg. Dies betrifft zum einen die Wissenschaft selbst. Die Frage lautet: Welche Analyse-Instrumente kann die Nachhaltigkeits-Forschung entwickeln, um solche Problemfelder zu analysieren, darüber hinaus aber auch Problemlagen bewertbar und vergleichbar machen zu können. Auf der anderen Seite geht es um politische Steuerungs- und Regelungsmechanismen ("Governance"), welche als gemeinsamer Prozess zwischen Wissenschaft und gesellschaftlichen Akteursgruppen ("Stakeholdern") ausgehandelt werden können, damit solche Generationen-Probleme besser zu bewältigen sind als bisher. Eine weitere zentrale Frage lautet: Wie sollten nationale oder internationale Institutionen gestaltet sein, die auf langfristig tragfähige Lösungen ausgerichtet sind und eine nachhaltige Politik bestmöglich unterstützen können? Eine derartige Rolle in der Politikberatung übernehmen zunehmend auch wissenschaftliche Gremien: Ein aktuelles Beispiel bildet der jüngst mit dem Friedens-Nobelpreis ausgezeichnete internationale Klimabeirat IPCC.

Mit der Sozial-ökologischen Forschung (SÖF) hat sich in Deutschland in den letzten Jahren eine "transdisziplinär" ausgerichtete Wissenschaft etabliert, die sich unter Einbezug von Praxiswissen besonders mit solchen Fragen und Problemen auseinandersetzt. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützt diese wissenschaftliche Arbeit seit dem Jahr 2000 im Rahmen eines gleichnamigen Forschungsschwerpunktes. Die Tagung in Berlin stellt für die Sozial-ökologische Forschung in Deutschland ein hervorragendes Forum dar, um sich in einem internationalem Rahmen der fachlichen Diskussion zu stellen und in einen engeren Austausch mit der hochqualifizierten Wissenschaftsszene in diesem Forschungsbereich zu treten. Zahlreiche Projekte, die im Rahmen des SÖF-Schwerpunkts gefördert werden, stellen auf der Konferenz ihre Ergebnisse der internationalen Fachwelt vor.

Die Erwartungen an die internationale Nachhaltigkeits-Forschung liegen inzwischen sehr hoch, so die Einschätzung von Dr. Detlef Sprinz, der am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) im Forschungsgebiet "Transdisziplinäre Konzepte & Methoden" (TCM) über Langfristherausforderungen der Politik arbeitet. Am PIK geht es seit Jahren unter anderem darum, das wissenschaftliche Instrumentarium, sozusagen das Handwerkszeug der Forschung, zu entwickeln und zu optimieren. So entstanden beispielsweise empirische Messverfahren, mit denen man die Wirksamkeit internationaler Vertragswerke in der Umweltpolitik überprüfen kann. "Globale Umweltprobleme lassen sich selten allein auf der globalen Ebene zügig lösen. In Ergänzung globaler Umweltabkommen können auch regionale und lokale Lösungen bedeutsam und wertvoll sein", so Sprinz. Oft sei das innovative Potenzial solcher "dezentralen Lösungen" beachtlich: Sie können als "Experimentier-Werkstätten" agieren, in denen kreative Lösungen leichter entwickelt und auf ihre praktischen Auswirkungen geprüft werden können als im globalen Rahmen. "Neue Methoden und Verfahren in diesem Forschungsbereich sollten im Wechselspiel mit Stakeholder-Dialogen neben wissenschaftlichen Erkenntnissen auch praktisch nutzbare Ergebnisse hervorbringen", so die Forderung des PIK-Wissenschaftlers.

Ein Schwerpunktthema der Tagung wird sich - derzeit hochaktuell - mit der zukünftigen Entwicklung des Umweltschutzes in Asien beschäftigen. Diese und weitere nachhaltige Aspekte werden auf der Konferenz von Vertreterinnen und Vertretern aus den Bereichen Politik, Wissenschaft und Wirtschaft erörtert und diskutiert, darunter Staatssekretär Matthias Machnig (Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit), Dr. Ottmar Edenhofer (Stellvertretender Direktor und Chefökonom am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung), Professor Oran Young (IHDP Scientific Committee, Bren School), Dr. Amory Lovins (Rocky Mountain Institute) und Christian Schauer (Vice President, Products and Senior Risk Engineer, Swiss Re, AssTech GmbH).

Tagungsort:
Freie Universität Berlin, Henry-Ford-Bau, Garystraße 35, 14195 Berlin-Dahlem (U-Bahnlinie 3, Thielplatz)
Weitere Informationen und Anmeldungen:
Dr. Marlen Arnold
Lehrstuhl für Ökologische Ökonomie
Universität Oldenburg
Tel. 0163-8200733
marlen.arnold@uni-oldenburg.de

Ralph Wilhelm | idw
Weitere Informationen:
http://web.fu-berlin.de/ffu/akumwelt/bc2008/index.htm

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