Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit Spitzenforschern aus dem Ausland - Tagung über zukünftige Therapeutika und Therapieansätze

07.02.2008
Vom 2. bis 5. März 2008 findet an der Universität Regensburg unter dem Titel "Frontiers in Medicinal Chemistry" die jährliche gemeinsame Tagung der Fachgruppe Medizinische Chemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) und der Fachgruppe Pharmazeutische/Medizinische Chemie der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft (DPhG) statt.

Diese Veranstaltungen haben sich zu international stark beachteten "Highlight-Meetings" entwickelt, die aktuelle therapeutische Schwerpunkte unter Beteiligung renommierter Wissenschaftler aus Hochschule und Industrie behandeln. Auch für die diesjährige Tagung ist es gelungen, zahlreiche Spitzenforscher, großenteils aus dem Ausland, als Vortragende zu gewinnen.

Die Bedeutung der Medizinischen Chemie am Ausbildungs- und Forschungsstandort Deutschland wird sowohl durch das attraktive wissenschaftliche Programm als auch durch die Wahl der Regensburger Universität als Tagungsort sichtbar gemacht. Hat doch die dortige Fakultät für Chemie und Pharmazie dieses Fach bereits 2002 im Rahmen eines viersemestrigen Vertiefungsstudiums und eines DFG-Graduiertenkollegs (GRK 760) als Schwerpunkt in Lehre und Forschung etabliert und damit im deutschen Hochschulbereich als Vorreiter gewirkt. Die wissenschaftliche Ausrichtung des GRK auf G-Protein-gekoppelte Rezeptoren (GPCR) war für den diesjährigen Tagungsschwerpunkt mit entscheidend.

GPCR wirken bei der Regulation praktisch jeder Körperfunktion mit und sind Zielmoleküle (Targets) für ca. 30% der derzeit auf dem Markt befindlichen Arzneistoffe. Ihr hohes Potential für die Entwicklung zukünftiger Therapeutika macht sie zum Schwerpunkt weiterer molekularbiologischer und medizinisch-chemischer Forschung. Die seit langer Zeit erwartete und Ende 2007 erstmals publizierte Kristallstruktur eines humanen GPCR, des beta2-Adrenozeptors, wird in dieser Hinsicht als Katalysator wirken. In Anbetracht dieses Meilensteins in der GPCR-Forschung freuen sich die Organisatoren der Tagung, dass sie mit Professor Dr. Gebhard Schertler einen der Autoren für den Eröffnungsvortrag gewinnen konnten. Weitere Vorträge zu innovativen Entwicklungen auf diesem Gebiet betreffen Histamin-H3- und Dopamin-D3-Rezeptorantagonisten, potentielle Bindungsmechanismen bivalenter, durch Verbrückung zweier aktiver Strukturen hergestellter Liganden, den Nachweis von GPCR-Dimeren und Oligomeren, sowie das Potential von Agonisten des Fettsäurerezeptors GPR40 in der Therapie von Diabetes Typ 2. (Histamin und Dopamin sind Hormone bzw. Neurotransmitter, Agonisten stimulieren Rezeptoren und wirken daher wie körpereigene Transmitter, Antagonisten blockieren Rezeptoren und hemmen (als Gegenspieler) die Wirkung von Agonisten.)

... mehr zu:
»GDCh »GPCR »Therapeutika »Therapieansatz
Neben den GPCR werden auf der Tagung auch antivirale Therapieansätze behandelt, z.B. neue Chemokin-Rezeptorliganden, die bei Entzündungsprozessen eine wichtige Rolle spielen, und die Wachstumshemmung bei Aids-Viren (HIV) und Hepatitis C-Viren (HCV). Vorträge über Targets zur Behandlung von Bluthochdruck und Herzinsuffizienz, A1-Rezeptoragonisten bei instabiler Angina pectoris, über DPP4-Inhibitoren zur Behandlung von Diabetes Typ2 sowie über das Engineering von Herzzellen ordnen sich in den Themenkomplex kardiovaskuläre und metabolische Erkrankungen ein. Eine weitere Sitzung wird sich mit molekularen Sonden für verschiedene bildgebende Verfahren ("Molecular Imaging") in der Arzneistoffforschung und der medizinischen Diagnostik beschäftigen.

Es ist inzwischen zur guten Tradition geworden, die Tagung mit "Highlight-Sessions" zu beschließen, in denen verschiedene innovative Forschungsergebnisse auf dem Gebiet der medizinischen Chemie vorgestellt werden. Diesmal geht es unter anderem um die Arzneistoffentwicklung bei seltenen Krankheiten am Beispiel der Dystonie (Bewegungsstörungen), um Adenylylcyclase als Target der nichthormonellen Kontrazeption beim Mann und um Bradykinin-B1-Rezeptorantagonisten als Schmerzmittel (Analgetika).

Ein herausragendes Ereignis auf der Tagung ist die Verleihung des Innovationspreises in Medizinisch/Pharmazeutischer Chemie. Dieser Preis, der mit 5000 Euro dotiert ist, geht in diesem Jahr an Dr. Franz von Nußbaum, Projektleiter in der Herz-Kreislauf-Forschung bei der Bayer-Schering-Pharma AG, Wuppertal, der für seine Arbeiten über Katanosine, eine noch weitgehend unerforschte Antibiotikaklasse, ausgezeichnet wird. Ein neuer Wirkmechanismus macht diese Substanzklasse zu "Resistenzbrechern". D.h. damit könnte man multiresistente Keime, beispielsweise Staphylokokken und Enterokokken, die sich nicht nur in Krankenhäusern bedrohlich ausbreiten, besser bekämpfen. Die ersten beiden Vertreter der Katanosin-Antibiotika sind auf dem Weg in die klinische Entwicklungsphase.

Informationen zum Programm der Tagung sind auf der Homepage der GDCh unter www.gdch.de/medchem2008 verfügbar.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 25 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Medizinische Chemie mit rund 680 Mitgliedern, vornehmlich Chemiker und Pharmazeuten aus Hochschule und Industrie. Die Fachgruppe will Brücken schlagen zwischen Chemie, Biologie, Medizin und Pharmazie. Sie befasst sich gebietsübergreifend mit Fragen der modernen Arzneimittelentwicklung, insbesondere der Wirkstofffindung, der Leitsubstanzoptimierung unter Einbeziehung moderner Technologien wie kombinatorische Synthese, Hochdurchsatz-Screeningsysteme auf der Basis molekularbiologischer Grundlagen, Drug Design, Molecular-Modelling, quantitative Struktur-/Wirkungsanalysen, Pharmakokinetik und Metabolismus.

Dr. Renate Hoer | idw
Weitere Informationen:
http://www.gdch.de

Weitere Berichte zu: GDCh GPCR Therapeutika Therapieansatz

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW
08.12.2016 | Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde

nachricht NRW Nano-Konferenz in Münster
07.12.2016 | Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung NRW

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie