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Beginnt die Parkinson-Erkrankung im Darm?

21.02.2013
Großer Parkinson-Kongress vom 13. bis 15. März in Würzburg
Rund 500 Experten für die Parkinson-Erkrankung und andere neurologische Bewegungsstörungen diskutieren wichtige Themen der Forschung und Therapie.

Die Parkinson-Forschung beschäftigt sich derzeit mit vielen grundlegenden Fragen, etwa: Kann die Krankheit durch Umweltgifte im Nervengeflecht des Darms entstehen? Steht Morbus Parkinson mit einer Ansammlung von Eisen im Gehirnpigment Neuromelanin in Verbindung?

Sicher ist: Die Krankheitsverläufe sind so unterschiedlich, dass oft nur vom idiopathischen Parkinson-Syndrom – also mit nicht bekannter Ursache – gesprochen werden darf. Mit zunehmendem Wissen lassen sich eigenständige Krankheiten erkennen, die individuell behandelt werden, zum Beispiel die Lewy-Körperchen-Demenz. Mit solchen ebenso komplexen wie wegweisenden Themen beschäftigen sich rund 500 Experten auf dem 8. Deutschen Parkinson-Kongress vom 13. bis 15. März in Würzburg. Die wissenschaftliche Leitung haben Prof. Dr. med. Jens Volkmann und Prof. Dr. rer. nat. Manfred Gerlach, beide von der Universitätsmedizin in Würzburg. Jeder Arzt, der Parkinson-Patienten behandelt, sollte das vielfältige Informations- und Fortbildungsangebot des Kongresses nutzen, betont der Veranstalter, die Deutsche Parkinson-Gesellschaft.

„Trotz aller fortschrittlicher Behandlungsoptionen forschen Neurologen auch mit Nachdruck nach den verschiedenen Ursprüngen der Parkinson-Krankheit, zu denen es derzeit zahlreiche Hypothesen gibt. Ein wissenschaftlicher Durchbruch könnte uns völlig neue Ansätze für die kausale Therapie, Früherkennung und Prävention dieser noch nicht heilbaren Volkskrankheit bringen“, sagt Professor Jens Volkmann. „Noch beim ersten Deutschen Parkinson-Kongress im Jahr 1999, ebenfalls in Würzburg, glaubten wir, dass wir die genetischen Ursachen der Krankheit bald aufgeklärt hätten. Heute werden Umweltfaktoren als Entstehungsfaktor wieder viel stärker in Betracht gezogen“, so Professor Manfred Gerlach.

Ärzte können heute durch die Untersuchung des Riechvermögens oder von Störungen des REM-Schlafes mit hoher Wahrscheinlichkeit die Krankheit vorhersagen, viele Jahre vor den ersten Symptomen – ihre Manifestation verhindern kann man indes nicht. Andererseits können mit individuellen Behandlungsansätzen – von Verhaltenstherapien wie dem Anti-Freezing-Training bis zum hochpräzisen neurochirurgischen Eingriff der Tiefen Hirnstimulation (THS) – gute Therapieerfolge erzielt werden. Die große deutsch-französische Studie EARLYSTIM, die im Februar 2013 im renommierten New England Journal of Medicine veröffentlicht wurde, zeigt, dass die motorischen Störungen und die Lebensqualität von Parkinson-Patienten in einer frühen Krankheitsphase durch die Tiefe Hirnstimulation deutlich verbessert werden können. Auch diese herausragende Arbeit wird in Würzburg vorgestellt und diskutiert.

Die Parkinson-Krankheit

Morbus Parkinson ist nach der Alzheimer-Krankheit die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung. Weltweit sind rund 4,1 Millionen Menschen an Parkinson erkrankt – das entspricht knapp zwei Prozent der Bevölkerung im Alter von über 60 Jahren. In Deutschland sind etwa 250 000 bis 280 000 Personen betroffen. Studien gehen davon aus, dass sich wegen der alternden Bevölkerung und der mit der besseren Behandlung verbundenen, längeren Lebenszeit die Zahl der Patienten bis 2030 weltweit auf 8,7 Millionen verdoppelt. Die Patienten sind bei der Diagnose im Mittel 60 Jahre alt, bei fünf bis zehn Prozent der Patienten macht sich die Krankheit schon im Alter zwischen 20 und 40 Jahren bemerkbar. Männer sind ca. 1,5 Mal häufiger betroffen als Frauen.

Der Deutsche Parkinson-Kongress

Der Deutsche Parkinson-Kongress findet alle zwei Jahre statt und ist der europaweit wichtigste nationale Parkinson-Kongress. Hauptthemen sind neben der Parkinson-Krankheit auch alle anderen neurologischen Bewegungsstörungen, wie das sehr häufige Alterszittern (essenzieller Tremor), Kleinhirnbewegungsstörungen oder seltenere Bewegungsstörungen. Mit der typischen Bewegungsverlangsamung und dem Zittern (Tremor) sind Parkinson-Patienten stark eingeschränkt und sofort als erkrankt erkennbar. Die Parkinson-Krankheit ist zwar chronisch, kann heute aber mit Medikamenten oder der Tiefen Hirnstimulation (THS) gut behandelt werden und ist nur mit einer geringen Einschränkung der Lebenserwartung verbunden.

Die Deutsche Parkinson Gesellschaft (DPG)
ist eine Schwerpunktgesellschaft der Deutschen Gesellschaft für Neurologie. Sie fördert die Erforschung der Parkinson-Krankheit und verbessert die Versorgung der Patienten. Organisiert sind in dieser wissenschaftlich-medizinischen Fachgesellschaft erfahrene Parkinson-Ärzte sowie viele Grundlagenforscher. Die Zusammenarbeit dieser beiden Zweige ist entscheidend für die Fortschritte in Diagnostik und Therapie. Die Parkinson-Medizin sowie die Parkinson-Forschung in Deutschland genießen international einen exzellenten Ruf.

Ansprechpartner

Prof. Dr. Jens Volkmann, Kongresspräsident
E-Mail: volkmann_j@klinik.uni-wuerzburg.de
Prof. Dr. Manfred Gerlach, Kongresspräsident
E-Mail: manfred.gerlach@mail.uni-wuerzburg.de
Prof. Dr. Wolfgang Jost, Präsident der DPG
E-Mail: jost.neuro@dkd-wiesbaden.de
Pressestelle der DPG
Frank A. Miltner, Tel: +49 (89) 46148622
E-Mail: presse@dgn.org

Frank A. Miltner | idw
Weitere Informationen:
http://www.dgn.org

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