Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bayerische Lebensmittelchemiker tagen - Fragen rund ums Bier und Vieles mehr

01.03.2012
Bier gab es früher nur in braunen Flaschen. Ist auch Weißglas für Vertrieb und Lagerung geeignet? Bier enthält Gluten. Müssen Zöliakiekranke lebenslang auf Bier verzichten, weil sie nur glutenfreie Nahrungsmittel zu sich nehmen dürfen?

Der Regionalverband Bayern der Lebensmittelchemischen Gesellschaft diskutiert diese und andere Fragen zu Milch- und Fleischerzeugnissen, Lifestyle-Präparaten, Gentechnik und Aromastoffen am 6. März beim Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in Erlangen.

An der Deutschen Forschungsanstalt für Lebensmittelchemie in Freising untersuchen Professor Dr. Peter Schieberle und seine Mitarbeiter, was mit Bier geschieht, das in Weißglasflaschen abgefüllt und vermarktet wird. In diesem Fall, so berichten sie in Erlangen, tritt bei Bieren, die Hopfen enthalten, nach relativ kurzer Zeit ein als „Lichtgeschmack“ beschriebenes Fehlaroma auf, das durch intensive fleischige und schwefelige Noten gekennzeichnet ist. Enthalten also Biere, die in Weißglasflaschen abgefüllt sind – es gibt sie in den USA, aber auch bereits in deutschen Getränkemärkten – keinen Hopfen?

Doch, aber der Hopfen wurde hydriert, also chemisch verändert, was in Deutschland nicht erlaubt ist. Wer in Deutschland Bier in Weißglasflaschen vermarkten will, muss die Hopfengabe deutlich erniedrigen, was negative Auswirkungen auf die Geschmacksqualität hat. Die Hydrierung des Hopfens verhindert die Bildung von 3-Methyl-2-buten-1-thiol (MBT) aus Isohumulon und Humulon, das in Hopfenprodukten enthalten ist. MBT ist der Auslöser des Fehlaromas.

An der Deutschen Forschungsanstalt für Lebensmittelchemie in Freising wird auch über die Möglichkeit, glutenfreies Bier herzustellen, geforscht. Zöliakiekranke sind auf eine lebenslange glutenfreie Diät angewiesen und dürfen kein herkömmliches Bier trinken, sondern müssen auf Surrogate ausweichen, die auf Basis glutenfreier Getreidearten oder Pseudocerealien hergestellt werden. Die Akzeptanz dieser bierähnlichen Getränke ist wegen des abweichenden Geschmacks und des hohen Preises begrenzt. Professor Dr. Peter Köhler und seine Arbeitsgruppe nutzten für ihr Forschungsprojekt die Kenntnis, dass in keimendem Getreide ein massiver Glutenabbau durch endogene Peptidasen erfolgt. Ziel war es, ein peptidasenaktives Spezialmalz zu entwickeln. Dazu wurde Braugerste unter verschiedenen Bedingungen, was die Keimdauer, die Keimtemperatur und den Feuchtigkeitsgehalt anging, zur Keimung gebracht und die maximale Peptidasenaktivität ermittelt. Die daraus hergestellten Spezialmalze können bei der Bierherstellung zur normalen Schüttung oder als abschließender Schritt vor der Filtration zugegeben werden, um ein glutenfreies Bier zu erhalten. Es muss sich noch zeigen, ob einschlägige Qualitätsmerkmale, wie Geschmack und Schaumstabilität, mit herkömmlichen Bieren vergleichbar sind.

Vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit wird ein Beitrag von Dr. Katja Senftinger über illegale Nahrungsergänzungsmittel und Lifesyle-Präparate, wie Doping-, Schlankheits- und Potenzmittel, in Erlangen zur Diskussion gestellt. Es geht dabei um die Risikobewertung und –kommunikation der in diesen Präparaten enthaltenen pharmakologisch wirksamen Stoffe. Diese Stoffe können z.T. eine ernste Gefahr für die Gesundheit darstellen, wie aktuelle Pressemitteilungen und Schnellwarnungen der Behörden belegen. Als Beispiel nennt Senftinger Ginkgo-Nahrungsergänzungsmittel, die im Vergleich zu zugelassenen Ginkgo-Arzneimitteln zu hohe Gehalte an toxischen Ginkgolsäuren enthalten können. Senftinger geht auf die rechtliche Abgrenzung von Lebensmitteln zu Arzneimitteln ebenso ein wie auf den Internethandel oder auf Drittlandimporte.

Die Tagungen der Regionalverbände der Lebensmittelchemischen Gesellschaft, der größten Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), sollen Lebensmittelchemiker auf den neuesten Stand des Wissens bringen und den Gedankenaustausch fördern. Die GDCh gehört mit rund 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Lebensmittelchemische Gesellschaft mit annähernd 2.800 Mitgliedern. Diese veranstaltet alljährlich den Deutschen Lebensmittelchemikertag - in diesem Jahr vom 10. bis 12. September in Münster.

Dr. Renate Hoer | GDCh
Weitere Informationen:
http://www.gdch.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht 123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen
27.04.2017 | Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e. V.

nachricht Jenaer Akustik-Tag: Belastende Geräusche minimieren - für den Schutz des Gehörs
27.04.2017 | Ernst-Abbe-Hochschule Jena

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

Jenaer Akustik-Tag: Belastende Geräusche minimieren - für den Schutz des Gehörs

27.04.2017 | Veranstaltungen

Ballungsräume Europas

26.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

VLC 200 GT von EMAG: Neue passgenaue Dreh-Schleif-Lösung für die Bearbeitung von Pkw-Getrieberädern

27.04.2017 | Maschinenbau

Induktive Lötprozesse von eldec: Schneller, präziser und sparsamer verlöten

27.04.2017 | Maschinenbau

Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

27.04.2017 | Informationstechnologie