Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Auf gutem Weg zu verantwortungsvoller Forschung und Innovation

30.11.2015

Im EU-Projekt Res-AGorA soll ein strategischer Governance-Rahmen für Responsible Research and Innovation (RRI) entwickelt werden – also für Forschung und Innovation, die sich stärker als bisher an gesellschaftlichen Bedarfen und Werten orientiert. In Workshops mit rund 80 Stakeholdern wurden sowohl Hindernisse identifiziert als auch Lösungsideen entwickelt. Die Ergebnisse werden auf der Abschlusskonferenz am 14. und 15. Januar 2016 in Brüssel vorgestellt.

In der europäischen Forschungs-, Technologie- und Innovationspolitik deutet sich ein Paradigmenwandel an, bei dem es im Kern darum geht, die Ausrichtung und die Auswirkungen von Forschung und Innovation besser als bisher mit gesellschaftlichen Werten und Bedarfen in Einklang zu bringen.

Im Konzept „Responsible Research and Innovation (RRI)“, das die Europäische Kommission seit rund fünf Jahren bewirbt (beispielsweise in der „Rome Declaration on Responsible Research andInnovation in Europe“) und fördert (unter anderem als Querschnittsaktivität im Programm Horizon2020), verdichtet sich dieser Ansatz:

Indem neben Experten auch Stakeholder, Nutzer und Laien mit ihren unterschiedlichen Perspektiven und Kenntnissen frühzeitig eingebunden werden, sollen Forschungs- und Innovationsprozesse stärker an ökonomischen, sozialen und ökologischen Herausforderungen ausgerichtet werden, und zwar unter Berücksichtigung ethischer Prinzipien und normativer Ziele.

Im Idealfall stehen so bei der Governance von Forschung und Innovation nicht mehr technologieinduzierte Risiken und deren reaktiv-regulierende Eindämmung im Zentrum, sondern die Verständigung darüber, welche Zukunft durch Forschung und Innovation befördert werden soll.

Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI befasst sich intensiv mit RRI und trägt in verschiedenen Projekten zur Weiterentwicklung und Konkretisierung des Konzepts bei. Im ProjektRes-AGorA beispielsweise wird ein strategischer Governance-Rahmen entwickelt, der zum Nachdenken über die Umsetzung von RRI an Universitäten und Forschungseinrichtungen sowie in der Forschungsförderung anregt – damit die europäische Forschung und Innovation mittel- bis langfristig relevanter für die Gesellschaft sowie nachhaltiger wird.

Um diesen Governance-Rahmen zu entwickeln, fanden zwischen März und Juni 2015 Workshops in Kopenhagen, Wien, Amsterdam, Berlin und Brüssel statt. Etwa 80 Stakeholder nahmen daran teil: Die Vertreterinnen und Vertreter aus Universitäten, Forschungseinrichtungen, NGOs und Unternehmen, aus dem Wissenschafts- und Forschungsmanagement sowie aus der nationalen und europäischen Politik diskutierten in Workshops zu den Themen Fracking, Gentechnik, Forschungsförderung sowie Forschungs- und Innovationsakteure.

In den Workshops, die sich mit den ausgeprägten Technologiekonflikten in den Bereichen Fracking und Gentechnik befassten, wurde ein tiefsitzendes, umfassendes Misstrauen festgestellt – zwischen Forschung, Wirtschaft, NGOs, Medien, anderen Interessensgruppen und nicht zuletzt der Öffentlichkeit. Um gegenseitiges Vertrauen aufzubauen, braucht es eine neutrale Moderation der Umsetzungsprozesse, die alle relevanten Perspektiven berücksichtigt und zugleich eine „robuste“, evidenzbasierte Wissensgrundlage liefert.

Dr. Ralf Linder, Projektkoordinator von Res-AGorA und Wissenschaftler am Fraunhofer ISI, nennt zudem ein weiteres identifiziertes Hindernis für RRI: „Gegenwärtig zählen für eine wissenschaftliche Karriere vor allem die Publikationsliste und eingeworbene Drittmittel. Ein Beteiligungsprozess mit Bürgerinnen und Bürgern etwa bei der Forschungsplanung, also mehr ,Gesellschaftsorientierung‘, bringt meist kein Renommee.

Damit das große Potenzial von RRI erschlossen werden kann, müssen sowohl die Rahmenbedingungen für Forschung und Innovation verändert als auch viele gängige Praktiken weiterentwickelt werden. Die Vorschläge von Res-AGorA zielen darauf ab, diesen Wandel zu unterstützen. Die wichtigste Maßnahme ist, in Forschungseinrichtungen Anreize zu schaffen, gesellschaftlichen Perspektiven mehr Gewicht zu geben. Dafür müssen die einzelnen Forscherinnen und Forscher unter anderem durch Weiterbildung und Training unterstützt werden.“

Die Ergebnisse der Workshops und der daraus abgeleitete Governance-Rahmen werden auf der Res-AGorA-Abschlusskonferenz „RRI: Shaping New Horizons“ am 14. und 15. Januar 2016 in Brüssel vorgestellt.

Das Projekt Res-AGorA (Responsible Research and Innovation in a Distributed Anticipatory Governance Frame. A Constructive Socio-normative Approach) wird im 7. Forschungsrahmenprogramm der Europäischen Union gefördert. Neben dem Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI sind The Danish Board of Technology Foundation, das Institut für höhere Studien und wissenschaftliche Forschung Wien sowie die Universitäten Aarhus, Paris-Est Marne La Vallee, Manchester, Padova und Twente am Projekt beteiligt.

Weitere Informationen gibt es unter http://www.res-agora.eu

Anne-Catherine Jung | Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI)

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Das Immunsystem in Extremsituationen
19.10.2017 | Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung

nachricht Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm
19.10.2017 | Universität Ulm

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise