Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Analytische Chemie in Krisenzeiten - Mehr als spezielles Know-how gefragt

10.03.2009
Die Analytische Chemie ist die Disziplin, die die Zusammensetzung unserer stofflichen Umwelt aufklärt. So wissen wir um die Beschaffenheit und Struktur von Naturstoffen, von Produkten, die die Industrie herstellt und um den Grad von Umweltbelastungen.

Die Industrie braucht Analytische Chemiker, um die Qualität ihrer Produkte zu prüfen und um sicher zu sein, die Umwelt nicht mit schädlichen Nebenprodukten zu belasten. Dennoch fragt auf der größten deutschsprachigen Analytiker-Tagung, der ANAKON vom 17. bis 20. März 2009 in Berlin, der Vorsitzende der Fachgruppe Analytische Chemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), Professor Dr. Klaus-Peter Jäckel, BASF SE, im Zeichen der Finanz- und Wirtschaftskrise: "Braucht die Industrie noch Analytiker?"

Seine Antwort: "Ein ganz klares Ja, wobei die Mehrzahl der Stellenangebote mehr auf den vielseitig orientierten Analytiker und weniger auf den ausgeprägten Analytikspezialisten ausgerichtet ist." Neben der fachlichen Qualifikation gewinnen so genannte "soft skills" wie wirtschaftliches Denken, unternehmerisches Handeln, Führung und Teamfähigkeit immer mehr an Bedeutung. Auch Kenntnisse über nationale und internationale Regularien werden immer öfter von den Hochschulabsolventen erwartet.

Über 300 Analytische Chemiker kommen im Erwin-Schrödinger-Zentrum in Berlin-Adlershof auf Einladung der GDCh, der Schweizerischen Chemischen Gesellschaft und der Österreichischen Gesellschaft für Analytische Chemie zusammen. Die Analytik in der Industrie ist dabei nur ein Thema. Bioanalytik, wirkungsbezogene Analytik, Analytik im Spurenbereich, Analytik und Gesetzgebung, Produktkontrolle, Prozessüberwachung und Qualitätssicherung, Trenntechniken, zerstörungsfreie Analytik und Analytik in der Hochdurchsatzforschung werden ebenfalls intensiv diskutiert.

Hochdurchsatzforschung - was ist das eigentlich? Letztlich die Forschung, mit der man schnell und effizient vielversprechende chemische Substanzen wie Katalysatoren und Wirkstoffe aufzufinden und zu optimieren versucht. Mit der Hochdurchsatzanalytik versucht man beispielsweise, hocheffiziente und selektive Katalysatoren mit Hilfe kombinatorischer und hochparallelisierter Techniken zu identifizieren. Dabei werden Katalysatoren als aktive Phase auf chromatographische Trennsäulen appliziert, so dass Reaktion und Trennung der entstandenen Produkte gleichzeitig erfolgt. Die Identifikation und Quantifizierung der Reaktionsprodukte wird anschließend massenspektroskopisch durchgeführt. Danach bedarf es noch intelligenter mathematischer Anwendungen, um die geeignetsten Katalysatoren für diverse chemische Prozesse wie Hydrierungen, Metathesereaktionen oder C-C-Kupplungen auszuwählen.

Mit diesen Arbeiten, die er im Eröffnungsvortrag zur ANAKON vorstellt, befasst sich Professor Dr. Oliver Trapp am organisch-chemischen Institut der Universität Heidelberg. Seine Hochdurchsatz-Multiplexing-Gaschromatographie gilt für viele Experten als eine der wichtigsten neuen Methoden in der Chemie, mit der Trapp eine Brücke zwischen Synthese, Katalyse und analytischer Chemie schlägt. Als erst 35jähriger wurde er bereits vielfach ausgezeichnet. Der Fachgruppenpreis für junge Wissenschaftler, den er 2003 auf der ANAKON erhielt, war weder eine der ersten noch eine der hochdotierten seiner bisherigen Auszeichnungen. Dennoch setzte der Fachgruppenpreis ein deutliches Zeichen für seine Karriere.

Auch 2009 in Berlin wird der Fachgruppenpreis verliehen. Wird der damit Ausgezeichnete, Dr. Carsten Engelhard, der nach erfolgreichen Forschungsarbeiten an der Universität Münster zurzeit an der Indiana University in Bloomington tätig ist, eine ähnlich erfolgreiche Laufbahn starten können? Die gleiche Frage stellt sich für weitere Preisträger, die in Berlin ausgezeichnet werden, wie Jens Heilmann, Universität Mainz, der den A.M.S.El.-Preis, den Preis des Arbeitskreises für Mikro- und Spurenanalyse der Elemente und Elementspezies, erhält, sowie die Preisträger des Doktorandenpreises des Arbeitskreises Separation Science, Dr. Katja Melchior, Universität Salzburg, und Dr. Jens Künnemeyer, Universität Münster.

Hingegen wird die Clemens-Winkler-Medaille, so ist es in den Richtlinien festgeschrieben, an Persönlichkeiten verliehen, die sich in ihrem Lebenswerk besondere Verdienste um die wissenschaftliche Entwicklung und die Förderung der Analytischen Chemie erworben haben. Die Medaille erhalten in diesem Jahr die Professoren Dr. Werner Engewald und Dr. Dr. h.c. Adolf Zschunke, beide Leipzig.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 28.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 25 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Analytische Chemie mit fast 2100 Mitgliedern. Die Fachgruppe sieht ihre Hauptaufgabe in der Zusammenfassung aller an der analytischen Chemie im weitesten Sinne interessierten Wissenschaftler und Praktiker zum Zwecke der Förderung dieses Wissensgebietes.

Dr. Renate Hoer | idw
Weitere Informationen:
http://www.gdch.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Operatortheorie im Fokus
20.07.2017 | Technische Universität Chemnitz

nachricht Technologietag der Fraunhofer-Allianz Big Data: Know-how für die Industrie 4.0
18.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme IAIS

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Im Focus: Das Proton präzise gewogen

Wie schwer ist ein Proton? Auf dem Weg zur möglichst exakten Kenntnis dieser fundamentalen Konstanten ist jetzt Wissenschaftlern aus Deutschland und Japan ein wichtiger Schritt gelungen. Mit Präzisionsmessungen an einem einzelnen Proton konnten sie nicht nur die Genauigkeit um einen Faktor drei verbessern, sondern auch den bisherigen Wert korrigieren.

Die Masse eines einzelnen Protons noch genauer zu bestimmen – das machen die Physiker um Klaus Blaum und Sven Sturm vom Max-Planck-Institut für Kernphysik in...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

Technologietag der Fraunhofer-Allianz Big Data: Know-how für die Industrie 4.0

18.07.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - September 2017

17.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

1,4 Millionen Euro für Forschungsprojekte im Industrie 4.0-Kontext

20.07.2017 | Förderungen Preise

Von photonischen Nanoantennen zu besseren Spielekonsolen

20.07.2017 | Physik Astronomie

Bildgebung von entstehendem Narbengewebe

20.07.2017 | Biowissenschaften Chemie