Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

„Aktives Altern“: Zukunftsweg mit Stolperfallen

17.07.2015

Institut Arbeit und Technik diskutiert Ergebnisse des EU-Projektes MOPACT auf der 11. Nationalen Branchenkonferenz Gesundheitswirtschaft

Das Altern der Gesellschaft ist keine Belastung, sondern ein Aktivposten für die soziale und wirtschaftliche Entwicklung – diese Erkenntnis hat sich inzwischen weitgehend durchgesetzt. Aber: „Es gibt zwar vielversprechende Projekte und Initiativen auf dem Wegen dorthin – von Informations- und Kommunikationstechnik über Wohnen im Alter bis zur Mobilität – aber auch immense Innovationsblockaden, speziell im Bereich IKT“, erklärte Prof. Dr. Josef Hilbert, Direktor des Instituts Arbeit und Technik (IAT / Westfälische Hochschule), bei der 11. Nationalen Branchenkonferenz Gesundheitswirtschaft am 15./16. Juli 2015 in Rostock-Warnemünde.

„Gerade in Deutschland, auf einem der größten Märkte Europas, kommt die Implementation und Diffusion neuer, technisch gestützter Lösungen für das Aktive Altern oft nur schleppend voran - trotz ermutigender Erfahrungen in der Forschung und Entwicklung.“

Auf dem Internationalen Forum der Branchenkonferenz, dem 5. Baltic-Sea-Health-Region Meeting, wurden aktuelle Forschungsergebnisse des interdisziplinären EU-Projektes MOPACT (Mobilizing the Potential of Active Ageing in Europe) in einem Workshop vorgestellt und diskutiert. Wie die Diskussion mit den internationalen Projektpartnern zeigte, ist in einigen westeuropäischen Ländern die technische Unterstützung für das Leben im Alter ebenso wie Informations- und Kommunikationstechnologie besser aufgestellt als in Deutschland.

Bis heute würden die Potentiale für eine bessere Versorgung wie für mehr Prävention nicht adäquat genutzt. Obwohl viel über Integrierte Versorgung geredet werde, sei sie längst noch nicht Bestandteil der Standardversorgung.

Eine Perspektive des Aktiven Alterns, die zwar auch Technik nutzt, aber insbesondere auf mehr Bewegung und auf mehr sozialen Austausch in und zwischen den Generationen setzt, umriss Gastredner Franz Müntefering, ehemaliger Arbeitsminister und Vizekanzler der Bundesrepublik Deutschland, in seinem Beitrag zum Arbeitstreffen der EU-Forscher.

Damit dies klappt, brauche es allerdings „Kümmerer vor Ort“, in den Nachbarschaften, Kirchen, Vereinen und Quartieren. Dort, wo so etwas nicht von selbst, aus der Zivilgesellschaft heraus zustande kommt, da seien die Kommunen gefordert. Bei dieser Aufgabe müssten sie aber unterstützt und befähigt werden – nicht zuletzt eine Aufgabe für die gestaltungsorientierte Forschung.

Barrieren bei der Verbreitung von IKT für mehr Lebensqualität im Alter sieht Prof. Dr. Josef Hilbert vor allem bei den unklaren Finanzierungsperspektiven für innovative Lösungen, aber auch im Mangel an Bekanntheit und Vertrauen unter den Endverbrauchern. Hoffnung mache, dass sich die Erkenntnis durchsetzt, dass die Bedürfnisse der Älteren keine Bürde, sondern vielmehr eine Chance für die Wirtschaft bedeuteten. Deutschland versuche – unter anderem mit dem neuen E-Health-Gesetz – einen regulatorischen Rahmen zu setzen, der zu mehr E-Health, AAL (Altersgerechten Assistenzsystemen für mehr Lebensqualität) und altersfreundlichen Wohn- und Quartiers-Arrangements ermutigt.

Viele regionale Initiativen trieben das Konzept des „aktiven Alterns“ voran. Hilbert: „Aber alles in allem ist E-Health noch keine Erfolgsgeschichte in Deutschland – trotz höherer Effizienz. Die Verbreitung von Innovationen in der Gesundheitswirtschaft ist ein komplexer Prozess, in dem viele Akteure und Regeln mitspielen. Der positive Effekt: eine unregulierte Ausbreitung wird vermieden – negativ aber: die Innovationsblockaden können zunehmen!“

Das Projekt MOPACT, in dem rund 60 Forscher aus 27 Partner-Organisationen in Deutschland, Portugal, Polen, Finnland, den Niederlanden u.a. engagiert sind, zielt auf die Gestaltung des demografischen Wandels, um die Möglichkeiten für ein unabhängiges Leben im Alter in Europa insgesamt, aber auch in seinen Teilregionen zu verbessern. Das IAT koordiniert den MOPACT- Arbeitsschwerpunkt über “Die infrastrukturellen Voraussetzungen und Chancen der EU-Strategie des aktiven Alterns”, und konzentrierte sich dabei insbesondere auf die Forschungsfelder IKT, Wohnen und Mobilität.

Bei diesen Arbeiten hat das IAT stark von der Zusammenarbeit mit der Forschungsgesellschaft für Gerontologie (FFG, Prof. Dr. Naegele) sowie dem Institut für Wohnungswesen, Immobilienwirtschaft, Stadt- und Regionalentwicklung (Inwis, Prof. Dr. Heinze) an der Ruhr-Universität Bochum profitiert.

Ihr Ansprechpartner: Prof. Dr. Josef Hilbert, Durchwahl 0209-1707-120, hilbert@iat.eu

Claudia Braczko | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://iat-info.iatge.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW
08.12.2016 | Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde

nachricht NRW Nano-Konferenz in Münster
07.12.2016 | Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung NRW

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie