Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Auch ältere Blutkrebs-Patienten profitieren von einer Stammzelltransplantation

20.09.2011
200 Experten aus dem deutschsprachigen Raum treffen sich am 23. und 24. September in Heidelberg / Neue Behandlungsmöglichkeiten im Fokus

Die Transplantation von Stammzellen eines gesunden Spenders bietet eine Heilungschance auch für ältere Blutkrebs-Patienten mit aggressiver Verlaufsform einer so genannten chronischen lymphatischen Leukämie (CLL).

Das konnte die Deutsche CLL-Studiengruppe in einer multizentrischen, klinischen Studie der Phase II zeigen. Geleitet wurde die Studie von Professor Dr. Peter Dreger, Leitender Oberarzt und Leiter der Sektion Stammzelltransplantation an der Medizinischen Klinik V des Universitätsklinikums Heidelberg.

Diesen und weitere Fortschritte in den Behandlungsmöglichkeiten der CLL diskutieren über 200 Blutkrebsexperten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz auf dem Jahrestreffen der Deutschen CLL-Studiengruppe vom 23. bis 24. September 2011 in Heidelberg.

Die CLL ist die häufigste Leukämieform in den Industrienationen und tritt vor allem im höheren Lebensalter auf. Experten schätzen, dass in Deutschland pro Jahr rund 4.000 Menschen daran erkranken. Obwohl die CLL häufig einen relativ gutartigen Verlauf nimmt, erfordert die Erkrankung bei vielen Patienten eine Behandlung. Die Deutsche CLL-Studiengruppe hat in den 15 Jahren ihres Bestehens wesentliche Beiträge zur Verbesserung der Überlebensaussichten von Patienten mit CLL geleistet und ist weltweit anerkannt.

Übertragung von Stammzellen eines fremden Spenders bislang einzige Heilungschance

Die Transplantation von Stammzellen eines gesunden Spenders, die so genannte allogene Stammzelltransplantation, ist das bisher einzige Verfahren, welches eine Heilung dieser bösartigen Erkrankung ermöglicht – und dies auch bei ungünstigen Verlaufsformen, die auf keine andere Behandlung ansprechen.

Ärzte an 16 verschiedenen deutschen Behandlungszentren schlossen insgesamt 90 Patienten mit einer aggressiven Verlaufsform der CLL in die Studie ein, die 2010 in der renommierten Fachzeitschrift „Blood“ veröffentlicht wurde. Im Rahmen der Stammzelltransplantation erhielten die Patienten eine immunsuppressive Chemotherapie, gefolgt von der Übertragung von Blutstammzellen eines passenden verwandten oder nicht verwandten Spenders. Bei einem großen Teil der Patienten konnten nach der Transplantation regelmäßig hoch empfindliche Untersuchungen durchgeführt werden. „Mit diesen Messungen können wir nachweisen, ob sich im Körper noch Leukämiezellen befinden“, erklärt Professor Dr. Peter Dreger.

Diejenigen Patienten, bei denen sich langfristig keine CLL-Zellen mehr im Blut nachweisen ließen (etwa die Hälfte der getesteten Patienten), erlitten über die Nachbeobachtung von bis zu acht Jahren – im Mittel etwa vier Jahre – kaum Erkrankungsrückfälle. Dieses erfreuliche Ergebnis war unabhängig vom genetischen Risikoprofil und der Resistenz gegen bestimmte Chemotherapeutika.

„Unsere Studie ist die bisher größte an diesem Patientenkollektiv und konnte nachweisen, dass die allogene Stammzelltransplantation bei einer Hoch-Risiko-CLL eine vielversprechende Therapieoption darstellt und womöglich sogar zur Heilung dieser ansonsten unheilbaren Leukämieart führen kann“, sagt Professor Dreger.

Risiken der Stammzelltransplantation

Die allogene Stammzelltransplantation ist eine sehr belastende und risikoreiche Therapieform, so dass sie früher bei den üblicherweise älteren von der CLL betroffenen Patienten in der Regel nicht durchgeführt werden konnte. Durch das im Rahmen der Studie untersuchte neue Verfahren konnte die Verträglichkeit wesentlich verbessert werden. Das Hauptrisiko bleibt jedoch die „Transplantat-gegen-Wirt-Reaktion“, bei der Spenderzellen die für sie fremden, körpereigenen Zellen des Patienten angreifen. Allerdings ist das auch der Mechanismus, über den die Leukämiezellen beseitigt werden.

„Entscheidend ist, die übertragenen Spender-Immunzellen so zu steuern, dass die Wirkung stark genug ist, die Leukämiezellen zu eliminieren, aber nicht so stark, dass es zu Komplikationen an anderen Geweben oder Organen kommt. Hierbei sind die regelmäßigen Messungen der CLL-Zellen im Blut ein neues, außerordentlich hilfreiches Instrument“, so Professor Dreger.

Weitere Informationen:
http://www.dcllsg.de
Kontakt:
Prof. Dr. med. Peter Dreger
Abteilung Innere Medizin V
Universitätsklinikum Heidelberg
Tel.: 06221-56-8008
Fax: 06221-56-6824
E-Mail: peter.dreger@med.uni-heidelberg.de
Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang
Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der größten und renommiertesten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international bedeutsamen biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung neuer Therapien und ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 10.000 Mitarbeiter und sind aktiv in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 50 Departments, Kliniken und Fachabteilungen mit ca. 2.000 Betten werden jährlich rund 550.000 Patienten ambulant und stationär behandelt. Derzeit studieren ca. 3.600 angehende Ärzte in Heidelberg; das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland.

http://www.klinikum.uni-heidelberg.de

Bei Rückfragen von Journalisten:
Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg
und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 45 36
Fax: 06221 / 56 45 44
E-Mail: annette.tuffs(at)med.uni-heidelberg.de

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de
http://www.dcllsg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule
18.01.2017 | Technische Universität Bergakademie Freiberg

nachricht Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017
17.01.2017 | Max-Planck-Institut für Astronomie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Der erste Blick auf ein einzelnes Protein

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Das menschliche Hirn wächst länger und funktionsspezifischer als gedacht

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zur Sicherheit: Rettungsautos unterbrechen Radio

18.01.2017 | Verkehr Logistik