Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

89. HNO-Kongress: Immuntherapie als Hoffnung bei Kopf- und Halstumoren (9. bis 11. Mai, Lübeck)

30.04.2018

Krebsgeschwulste dürfte es im Grunde gar nicht geben, denn das Immunsystem ist prinzipiell in der Lage, veränderte Zellen zu erkennen und zu zerstören, bevor sie zu einem Tumor heranwachsen. Diese Abwehr zu unterstützen, ist das Ziel sogenannter Immuntherapien. Auf verschiedene Weise stärken sie die gegen Krebszellen gerichteten Abwehrsysteme und helfen, den Tumor für die Immunzellen besser sichtbar zu machen.

Welche Formen der Immuntherapie es gibt, wie sie wirken und wie sie speziell gegen Tumoren im Kopf-Hals-Bereich eingesetzt werden können, diskutieren Experten auf der Pressekonferenz anlässlich der 89. Jahresversammlung der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Halschirurgie (DGHNO KHC), die vom 9. bis 12. Mai 2018 in Lübeck stattfindet.


Kopf-Hals-Tumoren stehen auf der Liste der weltweit häufigsten Tumorerkrankungen an sechster Stelle. Ihre Entstehung wird besonders durch Tabakrauch, den übermäßigen Konsum von hochprozentigen Alkoholika und humane Papillomviren gefördert.

Aufgrund ihrer Nähe zu lebenswichtigen Strukturen können Tumoren im Kopf- und Halsbereich nicht immer vollständig operativ entfernt werden. Auch bei einer Bestrahlung kann das umliegende Gewebe in Mitleidenschaft gezogen werden.

„Gerade in diesem Bereich ist die Entwicklung von Immuntherapien, die spezifisch gegen den Tumor vorgehen, besonders wichtig“, sagt Professor Dr. med. Stephan Lang, Direktor der Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde am Universitätsklinikum Essen im Vorfeld der 89. Jahresversammlung.

Im Fokus der Immuntherapie stand lange Zeit der Versuch, das Immunsystem stärker zu aktivieren. „Seit einigen Jahren hat man jedoch erkannt, dass auch die Lösung von Blockaden eine wichtige Rolle spielt“, erläutert Professor Lang.

Denn Krebszellen weichen der Immunabwehr oft aus, indem sie den Immunzellen eine Art molekulares Stoppschild entgegenhalten. Treten diese Stopp-Signale in Kontakt mit passenden Rezeptoren auf der Oberfläche der Immunzellen, dann werden diese deaktiviert – die Immunabwehr kommt zum Erliegen. Spezifische Antikörper gegen die tumoreigenen Stopp-Signale können diese Blockade durchbrechen und sind zum Teil schon zur Tumortherapie zugelassen.

Als Beispiel nennt der Experte den Antikörper Nivolumab, der verhindert, dass Stopp-Signale den so genannten PD-1-Rezeptor auf T-Zellen erreichen. „Dieser wird zurzeit nur bei fortgeschrittenen Kopf-Hals-Tumoren eingesetzt, die auf andere Therapien nicht mehr ansprechen“, erklärt Lang. Hier habe er das weitere Wachstum der Tumoren verlangsamen und die Überlebenszeit der Patienten leicht erhöhen können.

Ein weiterer immuntherapeutischer Ansatz ist es, das Immunsystem auf bestimmte Tumorantigene „scharf zu stellen“ und den Tumor so besser angreifbar zu machen. Das kann über eine Art Impfung geschehen, aber auch über eine gezielte Veränderung von T-Zellen, die den Patienten zuvor entnommen wurden.

„Mithilfe molekularbiologischer Methoden werden die T-Zellen mit einem speziellen Rezeptor ausgestattet, dem so genannten CAR“, sagt Lang. Das Kürzel steht für „chimärer Antigenrezeptor“ – denn der künstliche Rezeptor ist aus mehreren Teilen zusammengesetzt: Ein Teil ist für die Erkennung spezieller Tumormoleküle zuständig, ein anderer dafür, die T-Zellen zusätzlich zu aktivieren.

Solchermaßen aufgerüstete T-Zellen konnten in einer britischen Phase-1-Studie bei rund der Hälfte der Patienten das weitere Wachstum fortgeschrittener Kopf-Hals-Tumoren aufhalten. „Ein erster vielversprechender Ansatz, der noch weiter erforscht werden muss“, so Professor Lang.

Die verschiedenen Ansatzpunkte der Immuntherapie sowie die therapeutischen Möglichkeiten, die sich daraus ergeben, wird Professor Dr. med. Stephan Lang auf der Pressekonferenz am 8. Mai in Lübeck sowie im Symposium der Jahresversammlung „Aktuelle Gebiete der Forschung, die die Zukunft der HNO-Heilkunde verändern werden“ am 10. Mai vorstellen.

Bei Veröffentlichung Beleg erbeten.

Quellen:
Papa, S., Adami, A., Metoudi, M. Achkova, D., van Schalkwyk, M., Parente Pereira, A., Bosshard-Carter, L., Whilding, L., van der Stegen, S., Davies, D. M., Guerrero-Urbano, T., Jeannon, J. P., Spicer, J., Maher, J. (2017) T4 immunotherapy of head and neck squamous cell carcinoma using Pan-ErbB targeted CAR T-cells AACR 2017; Abstract CT118.

Kochenderfer, J. N., Somerville, R. P. T., Lu, T., Yang, J. C., Sherry, R. M., Feldman, S. A., McIntyre, L., Bot, A., Rossi, J., Lam, N.,Rosenberg, S. A. (2017). Long-Duration Complete Remissions of Diffuse Large B Cell Lymphoma after Anti-CD19 Chimeric Antigen Receptor T Cell Therapy. Mol Ther


Terminhinweise für Journalisten:

Pressekonferenz anlässlich der 89. Jahresversammlung der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e.V.
„Forschung heute – Zukunft morgen“

Termin: Dienstag, 8. Mai 2018, 11.00 bis12.00 Uhr
Ort: Radisson Blu Senator Hotel, Willy-Brandt-Allee 6, 23554 Lübeck, Raum Hamburg

Vorläufige Themen und Referenten:

Kongressausblick, Kongress-Highlights: „Forschung heute – Zukunft morgen“
Prof. Dr. med. Barbara Wollenberg
Kongresspräsidentin 2018, Direktorin der Universitäts-Hals-Nasen-Ohrenklinik Lübeck

Immuntherapie – Neue Hoffnung in der Behandlung von Krebserkrankungen
Prof. Dr. med. Stephan Lang
Direktor der Universitäts-Hals-Nasen-Ohrenklinik Essen

Biologicals – Neue Möglichkeiten zur individualisierten Behandlung von chronischen Nasennebenhöhlen-Erkrankungen
Professor Dr. med. Ludger Klimek
Leiter des Zentrums für Rhinologie und Allergologie, Wiesbaden

Altern mit allen Sinnen – wie kann dies gelingen? Der Zusammenhang von Kognition und Hörfähigkeit
Priv.-Doz. Dr. med. Christiane Völter
Leiterin Hörrehabilitation an der Universitäts-Hals-Nasen-Ohrenklinik, St. Elisabeth-Hospital Bochum

Interdisziplinäre Konzepte zur chirurgischen Therapie bei Schilddrüsenerkrankungen
Priv.-Doz. Dr. med. Magis Mandapathil
Oberärztin an der Asklepios HNO-Klinik St. Georg, Hamburg

Moderation: DGHNO KHC Pressestelle, Stuttgart


89. Jahresversammlung der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e.V. (DGHNO KHC)
„Forschung heute – Zukunft morgen“
Termin: Mittwoch, 9. Mai bis Samstag 12. Mai 2018
Ort: Musik- und Kongresshalle (MuK), Willy-Brandt-Allee 10, D-23554 Lübeck


Kongress-Pressebüro (ausgeschildert)
Während des Kongresses ist das Pressebüro für Anfragen von Journalisten und Vermittlung von Interviewpartnern (nach Verfügbarkeit) wie folgt besetzt:
Donnerstag, 10. Mai 2018: 10.00–15.00 Uhr
Freitag, 11. Mai 2018: 10.00–15.00 Uhr
Telefonische Erreichbarkeit: 0711 89 31-605

Save the date:
International Symposium on Cancer-Immuno-Oncology, Lübeck, October 17-18, 2018
https://www.cancer-immuno-oncology.org/


Kontakt für Journalisten:
Pressestelle Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde,
Kopf- und Hals-Chirurgie e.V., Bonn (DGHNO KHC)
Stephanie Priester, Heinke Schöffmann
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Tel: 0711 89 31-605/-442
Fax: 0711 89 31 167
E-Mail:priester@medizinkommunikation.org, schoeffmann@medizinkommunikation.org

Medizin - Kommunikation | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://awmf.org

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Internationaler Tag der Immunologie am 29. April 2018
27.04.2018 | Deutsche Gesellschaft für Immunologie

nachricht Konferenz »Encoding Cultures. Leben mit intelligenten Maschinen« | 27. & 28.04.2018 ZKM | Karlsruhe
26.04.2018 | ZKM Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Einstein-Podolsky-Rosen-Paradoxon erstmals in Vielteilchensystem beobachtet

Physiker der Universität Basel haben das quantenmechanische Einstein-Podolsky-Rosen Paradoxon erstmals in einem System aus mehreren hundert miteinander wechselwirkenden Atomen beobachtet. Das Phänomen geht auf ein berühmtes Gedankenexperiment aus dem Jahr 1935 zurück. Es erlaubt, präzise Vorhersagen für Messungen zu machen und könnte in neuartigen Sensoren und Abbildungsverfahren für elektromagnetische Felder Verwendung finden. Das berichten die Forscher in der Fachzeitschrift «Science».

Wie präzise kann man die Ergebnisse von Messungen an einem physikalischen System vorhersagen? In der Welt der kleinsten Teilchen, die den Gesetzen der...

Im Focus: Einstein-Podolsky-Rosen paradox observed in many-particle system for the first time

Physicists from the University of Basel have observed the quantum mechanical Einstein-Podolsky-Rosen paradox in a system of several hundred interacting atoms for the first time. The phenomenon dates back to a famous thought experiment from 1935. It allows measurement results to be predicted precisely and could be used in new types of sensors and imaging methods for electromagnetic fields. The findings were recently published in the journal Science.

How precisely can we predict the results of measurements on a physical system? In the world of tiny particles, which is governed by the laws of quantum...

Im Focus: Why we need erasable MRI scans

New technology could allow an MRI contrast agent to 'blink off,' helping doctors diagnose disease

Magnetic resonance imaging, or MRI, is a widely used medical tool for taking pictures of the insides of our body. One way to make MRI scans easier to read is...

Im Focus: Fraunhofer ISE und teamtechnik bringen leitfähiges Kleben für Siliciumsolarzellen zu Industriereife

Das Kleben der Zellverbinder von Hocheffizienz-Solarzellen im industriellen Maßstab ist laut dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE und dem Anlagenhersteller teamtechnik marktreif. Als Ergebnis des gemeinsamen Forschungsprojekts »KleVer« ist die Klebetechnologie inzwischen so weit ausgereift, dass sie als alternative Verschaltungstechnologie zum weit verbreiteten Weichlöten angewendet werden kann. Durch die im Vergleich zum Löten wesentlich niedrigeren Prozesstemperaturen können vor allem temperatursensitive Hocheffizienzzellen schonend und materialsparend verschaltet werden.

Dabei ist der Durchsatz in der industriellen Produktion nur geringfügig niedriger als beim Verlöten der Zellen. Die Zuverlässigkeit der Klebeverbindung wurde...

Im Focus: BAM@Hannover Messe: Innovatives 3D-Druckverfahren für die Raumfahrt

Auf der Hannover Messe 2018 präsentiert die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), wie Astronauten in Zukunft Werkzeug oder Ersatzteile per 3D-Druck in der Schwerelosigkeit selbst herstellen können. So können Gewicht und damit auch Transportkosten für Weltraummissionen deutlich reduziert werden. Besucherinnen und Besucher können das innovative additive Fertigungsverfahren auf der Messe live erleben.

Pulverbasierte additive Fertigung unter Schwerelosigkeit heißt das Projekt, bei dem ein Bauteil durch Aufbringen von Pulverschichten und selektivem...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

89. HNO-Kongress: Immuntherapie als Hoffnung bei Kopf- und Halstumoren (9. bis 11. Mai, Lübeck)

30.04.2018 | Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie am 29. April 2018

27.04.2018 | Veranstaltungen

Konferenz »Encoding Cultures. Leben mit intelligenten Maschinen« | 27. & 28.04.2018 ZKM | Karlsruhe

26.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Biocomputing: Auszeichnung für Aufsatz über enzymbasierte Logikgatter

30.04.2018 | Förderungen Preise

89. HNO-Kongress: Immuntherapie als Hoffnung bei Kopf- und Halstumoren (9. bis 11. Mai, Lübeck)

30.04.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Verschollen auf hoher See: Fern der Küste lebt Thioglobus perditus aus ihrem Vorratspack

30.04.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics