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11. Karlsruher Ernährungstage - Europa im Verzehr einig

14.11.2008
Vom 9. bis zum 11. November haben im Max Rubner-Institut (MRI) in Karlsruhe die 11. Karlsruher Ernährungstage stattgefunden. Themen waren die nationalen Verzehrsge¬wohnheiten in Europa und die Maßnahmen der Länder, eine gesunde Ernährung der Bevölkerung zu erreichen. Referenten aus fünf Ländern trugen auf dem internationalen Kongress den aktuellen Stand in Europa und USA vor rund 100 Ernährungsexperten vor.

Anders als in Deutschland werden in den USA bereits seit vielen Jahren kontinuierlich Verzehrsdaten und Ernährungsgewohnheiten erhoben. Ein Standard, der auf europäischer Ebene nun - trotz der aktuell noch großen Unterschiede zwischen den Ländern bei der Erhebung von Ernährungsdaten - angestrebt wird.

Insbesondere soll dabei die Methodik der Datenerhebung für den Leser der Studie erkennbar ausgewiesen werden. So soll in Zukunft zwischen Zahlen, die aus eigenen Angaben der Befragten stammen und solchen, die auf einer direkten Messung beruhen - wie zum Beispiel Körpergewicht und Größe - differenziert werden. Prof. Ibrahim Elmadfa von der Universität Wien kündigte in seinem Kongress-Beitrag an, dass der erste umfassende Bericht für Europa 2009 erscheinen werde.

In Deutschland wurden mit der Nationalen Verzehrsstudie II, einem Projekt des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV), das vom Max Rubner-Institut durchgeführt wurde, aktuell umfangreiche Daten zur Ernährung erfasst. "Die Nationale Verzehrsstudie liefert zum ersten Mal einen wissenschaftlich fundierten Hintergrund für die Planung von Ernährungsstrategien für die Bevölkerung in Deutschland", sagte Prof. Gerhard Rechkemmer, Präsident des Max Rubner-Instituts, Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel. Für die Studie wurden insgesamt fast 20.000 Menschen im ganzen Land intensiv befragt und großteils auch gewogen und gemessen. Während sich die Nationale Verzehrsstudie auf den Verzehr von Jugendlichen ab 14 Jahren und Erwachsenen bezieht, liegen mit "EsKiMo", dem Ernährungsmodul des Kinder- und Jugendgesundheitssurveys, das von Dr. Gert Mensink vom Robert-Koch-Institut vorgestellt wurde, methodisch vergleichbar gewonnene Daten zur Ernährung von jungen Menschen zwischen 6 und 14 Jahren vor.

Grundlage für die Erfassung der Energie- und Nährstoffaufnahme ist in jedem Fall der Bundeslebensmittelschlüssel (BLS), der ebenfalls am MRI entwickelt wurde und wissenschaftlich betreut wird. In der umfassenden Datenbank sind für die einzelnen Lebensmittel, aber auch für fertige Speisen, die nach genau festgelegten Referenzrezepten erstellt wurden, der Energie- und Nährstoffgehalt niedergelegt. Die Qualität des BLS ist somit eine wichtige Grundlage für die Qualität von Ernährungsstudien, wie Dr. Bernd Hartmann, Wissenschaftler am MRI, in seinem Vortrag zeigen konnte.

Nationale Studien wurden in den letzten Jahren auch in anderen Ländern, etwa Dänemark, England, Österreich oder USA erstellt. Wissenschaftler aus diesen und weiteren Ländern stellten ihre Ergebnisse beim 11. Karlsruhe Nutrition Congress vor. Trotz zum Teil unterschiedlicher Methodik und unterschiedlichen zeitlichen Abständen zeigte sich eine große Übereinstimmung bei der Entwicklung von Übergewicht und von Adipositas. Auch was die generelle Versorgung mit Energie und den einzelnen Nährstoffen angeht, waren nur geringe Unterschiede festzustellen. Bei den Nährstoffen ist im Wesentlichen die Versorgung mit Vitamin D, Folsäure, Eisen und Jod problematisch. Für diese Nährstoffe werden vielfach die Empfehlungswerte nicht erreicht. Auch wenn in diesen Werten Sicherheitszuschläge enthalten sind, so besteht doch das Risiko, dass Teile der Bevölkerung mit den genannten Nährstoffen mehr oder weniger stark unterversorgt sind.

Das länderübergreifende Problem des Übergewichts hat in den nordischen Ländern, ebenso wie in Deutschland, England und den USA zur Erstellung Nationaler Aktionspläne für gesunde Ernährung und mehr Bewegung geführt. In Deutschland hat das Bundeskabinett am 25. Juni 2008 den Nationalen Aktionsplan "IN FORM - Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung" beschlossen, der vom BMELV und dem Bundesgesundheitsministerium gemeinsam erarbeitet wurde. Dieser Nationale Aktionsplan zur Prävention von Fehlernährung, Bewegungsmangel, Übergewicht und damit zusammenhängenden Krankheiten ist Schwerpunkt der Ernährungspolitik des BMELV.

Die Hauptziele, die in der Laufzeit von 2008 bis 2020 erreicht werden soll, sind:

- Nachhaltige Verbesserung des Bewegungs- und Ernährungsverhaltens
- Schaffung von Voraussetzungen, damit Kinder gesünder aufwachsen und Erwachsene gesünder leben
- Dadurch höhere Lebensqualität und gesteigerte Leistungsfähigkeit in Bildung, Beruf und Privatleben

- Rückgang von Krankheiten, die durch einen ungesunden Lebensstil mit einseitiger Ernährung und Bewegungsmangel mit verursacht werden.

Wie diese Ziele erreicht werden können, darüber gibt es europaweit unterschiedliche Vorstellungen, die auch auf dem 11. Karlsruhe Nutrition Congress von den anwesenden Experten engagiert diskutiert wurden. Während man in Deutschland bislang in erster Linie darauf setzt, eine Verhaltensänderung insbesondere durch bessere Information zu erreichen, stellte Dr. Tim Lobstein, vom Childhood Obesity Programme, die in England verfolgte Strategie vor: Hier wird derzeit mit Nachdruck und mit erheblichen Mitteln ausgestattet versucht, mit der Änderung der Verhältnisse das Problem anzugehen. Es bleibt spannend, zu beobachten, welcher Weg schneller zum Ziel führt.

Dr. Iris Lehmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.mri.bund.de

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