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Das Immunsystem – Wächter oder Widersacher?

11.07.2007
Nachbericht zum dritten Frühlingssymposium des Rheumazentrums Gießen-Bad-Nauheim.

So schnell wie möglich die neusten Medikamente für die Patienten – dieses Ziel verfolgte das interdisziplinäre Frühlingssymposium des Rheumazentrums Gießen-Bad Nauheim, das in diesem Jahr bereits zum dritten mal stattfand.

Ungebetene Gäste sind lästig, manchmal sogar schädlich - da ist es gut, wenn man einen Türsteher hat. Das Immunsystem des Menschen ist ein erstklassiger Türsteher. Über die vielen Millionen Jahre der Evolution wurde es darauf trainiert, den Körper des Menschen zu schützen. Und das ist auch notwendig, denn der menschliche Körper ist attraktiv: Viren, Bakterien und andere Krankheitserreger würden sich dort liebend gerne niederlassen.

Aber wer dem Körper schadet, den macht das Immunsystem unschädlich. Und wenn das Sicherheitspersonal revoltiert und beginnt, auch den eigenen Körper zu bekämpfen? Das Resultat ist häufig eine Erkrankung des rheumatischen Formenkreises. Dazu zählt zum Beispiel die klassische Rheumaerkrankung „rheumatoide Arthritis“, die nach und nach die betroffenen Gelenke zerstört. Aber auch zahlreiche andere Erkrankungen zählen dazu: etwa der systemische Lupus erythematodes oder die Vaskulitiden.

Die Behandlung dieser komplizierten Krankheiten ist die Domäne der Abteilung für Rheumatologie und Klinische Immunologie der Kerckhoff-Klinik. Unter der Leitung von Professor Dr. Ulf Müller-Ladner werden hier Rheuma-Patienten behandelt und besserer Therapieformen entwickelt. „Um das fehlgeleitete Immunsystem eines Patienten zu verstehen, müssen wir uns immer auch mit den Kollegen anderer Fachgebiete austauschen.“ so Müller-Ladner. Das war auch der Zweck des diesjäh-rigen Frühlingssymposiums des Rheumazentrums Gießen-Bad Nauheim an der Kerckhoff-Klinik. Zahlreiche Ärzte aus ganz Deutschland berieten in diesem Jahr über die Rolle des Immunsystems bei der Entstehung und der Therapie rheumatischer Erkrankungen.

„Ziel ist es, den Patienten so schnell wie möglich die neuen Medikamente zur Verfügung zu stellen“ betonte Dr. Ingo Tarner von der rheumatologischen Ambulanz der Kerckhoff-Klinik. Wie wichtig dazu der interdisziplinäre Ansatz des Rheuma-zentrums Gießen-Bad Nauheim ist, wurde im auch Vortrag von Professor Michael Hertl deutlich. Hertl, Mediziner an der Hautklinik des Universitätsklinikums Gießen und Marburg, erläuterte detailliert, „… die zahlreichen Spuren, die ein krankes Immunsystem auf der Haut hinterlässt.“ Diese Spuren an der Körperoberfläche sei-en deutliche Hinweise auf die Probleme im Innern des Körpers. Auch das Fettgewe-be spielt eine wichtige Rolle.

Privatdozent Dr. Andreas Schäffler von der Universität Regensburg unterstrich in seinem Vortrag, dass „… die Botenstoffe der Fettzellen das Immunsystem ebenso heftig durcheinanderbringen können, wie die der Immunzellen.“ Eine Aussage, die das Publikum aus Fachleuten und Laien verblüffte. „In der Erforschung immunologischer Erkrankungen ist das einer unserer wissenschaftlichen Schwerpunkte.“ So Müller-Ladner zur gemeinsamen Arbeit vom Rheumazentrum Gießen-Bad Nauheim und der Universität Regensburg. Diese Kollaboration von Universität Regensburg und Kerckhoff-Klinik auf dem Gebiet der rheumatologischen Forschung wird bereits seit mehreren Jahren von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert

Aber auch die Medizin muss das Rad nicht immer wieder neu erfinden. „Bewährtes neu entdecken“ war das Motto des Vortrages von Professor Dr. Frank Buttgereit von der Charité Berlin. „Mit der neuen Kortisontablette sind wir schon fast am Ziel“ so Buttgereit, „Die neue Tablette belastet den Patienten deutlich weniger, als die alte und ist genauso wirksam.“ Auch an der Zulassung dieses neuen Präparats ist die Kerckhoff-Klinik beteiligt. Der Höhepunkt des Symposiums war den Vortrag von Professor Dr. Eric Matteson aus der renommierten Mayo Clinic in den USA. „Der Umgang mit immunologisch-rheumatologischen Erkrankungen gehört zu dem Schwierigsten, was die Medizin kennt“ so Matteson. „Ein krankes Immunsystem zu steuern ist so komplex, wie einen Jumbojet durch einen Sturm zu fliegen: ein biss-chen zu wenig oder ein bisschen zu viel, beides führt zum Absturz.“ Zu den Piloten der Kerckhoff-Klinik habe Matteson aber absolutes Vertrauen: „Mit denen würde ich auf jeden Fall fliegen!“

Pressekontakt:
Kerckhoff-Klinik Bad Nauheim
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: 06032 / 996.2554
Fax: 06032 / 996.2436
Email: e.sauer@kerckhoff-klinik.de

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