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Chaos durch gestörte Kanäle

14.09.2004


Dr. Joachim R. Ehrlich von der Universität Frankfurt bekommt für die Erforschung von Herzrhythmusstörungen ein Stipendium der Novartis-Stiftung

Nürnberg, 13. September 2004 - Man kann es fühlen: Wie ein Präzisions-Uhrwerk schlägt das Herz des Menschen täglich etwa 100.000 Mal im immer gleichen Rhythmus – sofern es gesund ist. Erkrankt der Herzmuskel, kann der regelmäßige Takt schnell aus dem Lot geraten. Dr. Joachim R. Ehrlich vom Universitätsklinikum Frankfurt/Main untersucht zwei so genannte Ionenkanäle, die an der Entstehung von bestimmten Herzrhythmusstörungen beteiligt sind. Für seine Arbeiten erhält er jetzt ein Graduiertenstipendium der Nürnberger Novartis-Stiftung für therapeutische Forschung.

Körpereigene elektrische Impulse sorgen für den Herzrhythmus. Sie lassen das Herz schlagen, wobei jeder Schlag frisches Blut in den Körperkreislauf treibt. Erzeugt wird dieser „elektrische Antrieb“ durch Ströme von geladen Teilchen (Ionen) durch besondere Proteine, die Ionenkanäle. Wie Poren durchziehen sie die äußere Hülle (Membran) der Herzzellen. Störungen des Herzrhythmus gehören zu den häufigen Erkrankungen des zentralen menschlichen Organs. Viele Herzrhythmusstörungen wie etwa das „Vorhofflimmern“, behandeln Mediziner mit verschiedenen Medikamenten.

Paradoxerweise verursachen diese Arzneien häufig andere Herzrhythmusstörungen, so genannte Proarrhythmien, die von den Herzkammern ausgehen. Anfallsweise fängt das Herz dann zu rasen an. Zuweilen enden diese Nebenwirkungen tödlich und gelten in der Herzmedizin als großes Problem. Joachim Ehrlich beschäftigt sich mit diesem erworbenem „Long-QT-Syndrom“ (LQTS). „Bei dieser Herzrhythmusstörung funktionieren bestimmte Ionenkanäle nicht mehr richtig“, sagt der Nachwuchswissenschaftler. Der Forscher von der Klinik für Kardiologie des Frankfurter Universitätsklinikums hat jüngst erste Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen zwei Ionenkanälen namens „KvLQT1“ und „HERG“ entdeckt.

Bisher wurden die beiden Proteine allerdings nur getrennt betrachtet. „Doch wahrscheinlich arbeiten sie zusammen“, erklärt der Stiftungspreisträger. Denn KvLQT1 scheint einerseits dem HERG-Protein als eine Art Transporthilfe zu dienen und andererseits die molekularen Eigenschaften des HERG-Ionenkanals zu beeinflussen. Und es könnte sein, dass die Medikamente gegen bestimmte Herzrhythmusstörungen genau diese Interaktion stören und so in den betreffenden Patienten das LQTS mit verursachen. Zwar dienen die jetzt geplanten Studien über die beiden Ionenkanäle zunächst nur der Grundlagenforschung. Doch die Erkenntnisse könnten helfen, eines Tages Wege zu finden, um das LQTS zu mindern und gar zu verhindern.

Die Novartis-Stiftung für therapeutische Forschung in Nürnberg gehört zu den ältesten und größten Unternehmensstiftungen in Deutschland. Ihr Stiftungsvolumen umfasst jährlich etwa 650.000 Euro.

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