Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     Siemens  n-tv 
Datenbankrecherche:

Fachgebiet (optional):

 

Neue Forschungsergebnisse für die Züchtung klimastress-toleranter Pflanzen

28.09.2010
Wie sich Pflanzen vor Frostschäden schützen und wie sie so gezüchtet werden können, dass sie Kälte besser widerstehen, sind Fragen die Wissenschaftler weltweit beschäftigen.

Anzeige

Experten sind sich einig, dass der viel diskutierte Klimawandel zur globalen Erwärmung führen wird. Daher werden weitreichende Studien zur Züchtung trockenheits- bzw. hitzeresistenter Pflanzen durchgeführt, die auch unter extremen Temperaturen stabile Ernten sichern sollen.


Dennoch sind einige Wissenschaftler auch an den Strategien interessiert, die Pflanzen entwickelt haben, um bei niedrigen Temperaturen zu überleben. In der Folge könnten kältetolerante Sorten gezüchtet werden. Dieses Forschungsziel steht keineswegs im Widerspruch zum erwarteten Klimawandel.

Denn neben den steigenden Temperaturen erwarten Experten regional auch verstärkt Wetterextreme, wie Stürme, Überschwemmungen oder eben auch Kälteeinbrüche in eher warmen Regionen. Auch könnten derartige Züchtungen helfen, ursprünglich wärmeliebende Pflanzen wie den Mais in nördlicheren und damit frostgefährdeten Lagen anzubauen.

Mit der Adaption von Pflanzen an kältere Temperaturen möchten die Forscher ebenso wie mit der Adaption an steigende Temperaturen erreichen, dass Ernten stabil bleiben. Denn unerwartete Kälteperioden würden bei kälteempfindlicher Feldfrucht zu hohen Ernteausfällen führen.

Biochemiker der Michigan State University um den Deutschen Christoph Benning haben nun bei einer Studie neue Erkenntnisse darüber gewonnen, wie Pflanzen sich selbst vor Kälte schützen können.

Kältetoleranz ist bei Pflanzen sehr variabel. Während bei einigen Pflanzen bereits Temperaturen knapp unter dem Gefrierpunkt Schäden verursachen, können andere auch bei unter -40 °C noch überleben. Frosttoleranz kann entweder genetisch festgelegt sein oder durch einen kurzfristigen, initialen Kältereiz ausgebildet werden. Allgemein gilt, dass die Frosttoleranz die geographische Ausbreitung einer Art limitiert.

Auf zellulärer Ebene sind vor allem die zellulären Membranen – sowohl die Zellmembran als auch die Membran der Chloroplasten - von Frost gefährdet. Die Bildung von extrazellulären (außerhalb der Zelle) Eiskristallen führen zur Dehydrierung des Zellinneren, was zu Schäden an der Zellmembran bis hin zum Zelltod führt.

In der vorliegenden Studie diente die Modellpflanze Arabidopsis thaliana als Forschungsgegenstand. Damit Arabidopsis-Pflanzen leichten Frost überleben können, müssen sie an Kälte akklimatisiert, also bereits an niedrigere Temperaturen angepasst sein. Während der Kälteakklimatisation finden auf molekularer Ebene diverse Veränderungen statt, die Mechanismen gegen Frostschäden in Gang setzen.

Die Forscher fanden heraus, dass ein bestimmtes Gen bei Arabidopsis für Kältetoleranz essentiell ist. Das sogenannte SENSITIVE TO FREEZING 2-Gen (SFR2) synthetisiert ein Enzym, das sich in der äußeren Chloroplastenmembran befindet. Dort ist es für Stoffwechselmechanismen verantwortlich, die Veränderungen im Organellenvolumen kompensieren und die Membran während Frost stabilisieren. Vor allem wird mithilfe von SFR2 ein Lipid erzeugt, das Chloroplasten und Zellmembranen vor Frost schützt. In der Studie wurde dieses Gen von den Wissenschaftlern so verändert, dass es nicht mehr wirksam war. Pflanzen, die dieses mutierte SFR2-Gen enthielten, zeigten nach Kälteeinwirkung starke intrazelluläre Frostschäden sowohl am Chloroplast als auch am Tonoplast. Damit ist die Funktion dieses Gens geklärt. Es könnte nun in seiner Wirkung weiter verstärkt werden. Zudem könnten weniger frosttolerante Arten mit dem Gen ausgestattet werden, um die zerstörerische Wirkung der Kälte auf zellulärer Ebene abzumildern.

Die Studie ist ein wichtiger Schritt, um zu verstehen wie sich Pflanzen gegen extreme Temperaturen wappnen. Anzunehmen ist, dass nicht nur ein einziger Mechanismus für die Kältetoleranz von Pflanzen verantwortlich ist. Um aus kälteempfindlichen Pflanzen gezielt kältetolerante Arte züchten zu können, sind daher weitere Forschungsarbeiten notwendig.

Quelle:
Eric Moellering et al. (2010): Freezing Tolerance in Plants Requires Lipid Remodeling at the Outer Chloroplast Membrane, Sciencexpress, p. 1, 26 August 2010, doi: 10.1126/science.1191803

Quelle: Pflanzenforschung.de
Weitere Informationen: www.Pflanzenforschung.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Deep sea animals stowaway on submarines and reach new territory
24.05.2012 | Wiley-Blackwell

nachricht Marktplatz für biogene Reststoffe online
24.05.2012 | ttz Bremerhaven

Alle Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>


Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Im wahrsten Sinne „Spitzenforschung“: IPHT-Forscher untersuchen Eiweißfasern mit größter Genauigkeit


Krankheiten wie Parkinson, Alzheimer und bestimmte Krebsformen gehen auf eine fehlerhafte Faltung und Aggregation von Eiweißen im Körper zurück.

Wissenschaftlern des Instituts für Photonische Technologien (IPHT) in Jena ist es erstmals gelungen, Proteinstrukturen auf sub-molekularer Ebene nachzuweisen und spektroskopisch zu analysieren. Ein wichtiger Schritt zum Verständnis der Krankheitsursachen.

„Bis heute hat man nicht genau verstanden, was die fehlerhafte Faltung und Aggregation von Eiweißen, zum Beispiel im Zusammenhang mit Alzheimer, ...

Im Focus: Widerspenstiges Quasiteilchen erzeugt


Die Quantenphysik beschreibt physikalische Vorgänge in Festkörpern und anderen Vielteilchensystemen auch mit Hilfe von Quasiteilchen.

Innsbrucker Physikern um Rudolf Grimm ist es nun erstmals gelungen, ein neues Quasiteilchen - ein repulsives Polaron - in einem Quantengas experimentell zu erzeugen. Die Forscher berichten darüber in der Online-Ausgabe der Fachzeitschrift Nature.

Ultrakalte Quantengase sind ein ideales Experimentierfeld, um physikalische Phänomene in Festkörpern zu simulieren. Unter streng kontrollierten Bedingungen ...

Im Focus: Licht lässt Partikel wachsen - Forscher entdecken neuen Mechanismus in der Atmosphäre


Licht lässt die Partikel in der Atmosphäre wachsen. In einem Experiment hat ein internationales Forscherteam erstmals einen neuen Mechanismus nachweisen können, bei dem Partikel durch Licht größer werden und der damit Einfluss auf die Wolkenbildung und das Klima hat.

Photokatalytische Reaktionen können zu einer schnellen Bindung von nicht kondensierenden flüchtigen organischen Kohlenwasserstoffen (VOCs) auf der Oberfläche der Partikel führen. Unter solchen Bedingungen nehme die Größe und Masse der Partikel schnell zu, schreiben die Wissenschaftler im renommierten Fachblatt PNAS.

Die Ergebnisse des Laborexperimentes könnten Effekte erklären, die bisher schon bei Feldkampagnen ...

Im Focus: Abschreckung: Tabak signalisiert angreifenden Zikaden Verteidigungsbereitschaft


Ähnlich wie blutsaugende Insekten prüfen Pflanzenschädlinge ihren Wirt auf Abwehrsignale, bevor sie anfangen zu fressen

Pflanzen bilden wenige Minuten nach Angriff eines Fraßfeindes Jasmonsäure, ein Hormon, das die Verteidigung gegen Insekten in Gange setzt mit der Folge, dass giftige Stoffe wie Nikotin oder Verdauungshemmer in den Blättern akkumulieren.

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für chemische Ökologie, Jena, haben jetzt herausgefunden, dass Zwergzikaden die Verteidigungsbereitschaft von Tabakpflanzen aufspüren können. ...

Im Focus: Erbgutkopie reist im Protein-Koffer


Wissenschaftlern vom Institut für Physikalische und Theoretische Chemie der Universität Bonn ist es erstmals gelungen, den Transport eines wichtigen Informationsträgers in biologischen Zellen praktisch unmodifiziert in Echtzeit zu filmen.

Die Studie zeigt, wie die so genannte Boten-RNA die Zellkernhülle überwindet und vom Zellkern in das Zytoplasma gelangt. Diese Arbeit ist nun in dem renommierten Journal „Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA“ (PNAS) publiziert.

Der Bauplan aller Lebewesen ist in ihrem Erbgut gespeichert. Dieses lagert bei höheren ...

Alle Focus-News des innovations-reports >>>

Anzeige

B2B Suche
Produkt / Dienstleistung
Firma / Organisation

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Aktuell

Energieversorger vor dem Umbruch

24.05.2012 | Studien Analysen

Stem-cell-growing surface enables bone repair

24.05.2012 | Biowissenschaften Chemie

Im wahrsten Sinne „Spitzenforschung“: IPHT-Forscher untersuchen Eiweißfasern mit größter Genauigkeit

24.05.2012 | Biowissenschaften Chemie

VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Veranstaltungen

NieKE Themenforum: Ökonomie - Tierschutz - Lebensmittelsicherheit

24.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten

Nachhaltigkeit in der Schifffahrt: Werte vs. Wertschöpfung

24.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten

Wissenschaft und Öffentlichkeit

24.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten

FindAndHelp