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Die Schilf- und Seggenbiomasse von 45 Hektar Niedermoor, die flächenmäßig etwa der Hälfte der Greifswalder Innenstadt entsprechen, werden nun der Energiegewinnung dienen. Die Flächen wurden im Rahmen eines deutsch-polnischen EU-Life-Projektes und des BMBF-Forschungsprojektes „VIP – Vorpommern Initiative Paludikultur“ zusammen mit dem Förderverein „Naturschutz im Peenetal e. V.“ und der Bioenergie Neu Kosenow GmbH & Co. KG bewirtschaftet.
Das Peenetal-Moor wurde bis weit ins 20. Jahrhundert als Streuwiese genutzt. Um die Flächen intensiv und auch mit schwerer Landtechnik zu bewirtschaften, wurden sie – wie die meisten Moore in Mecklenburg-Vorpommern – entwässert. Dies führte zu einem Rückgang der Artenvielfalt. Im Rahmen des Naturschutzgroßprojektes „Peenetal-Landschaft“ konnten seit den 1990er Jahren des vergangenen Jahrhunderts viele Flächen wiedervernässt werden. Inzwischen breitet sich dort Schilf aus.
Mit der Raupe der Universität Greifswald konnte nun dieses Schilf (Biomasse) erstmals wieder von den Flächen geerntet werden. Dies ist möglich, da die Raupe mit ihren breiten Gummiketten über die nassen Flächen fahren und auch Biomasse transportieren kann, ohne einzusinken. Die dichten Schilf- und Seggenriede werden zunächst gemäht und in einem zweiten Arbeitsgang wird das Mahdgut gehäckselt und auf den Ladewagen hinter der Raupe geworfen. Anschließend wird die Biomasse zur Peene transportiert und auf das Landungsboot „Gustav“ verladen.
Durch die Bewirtschaftung wird nicht nur Biomasse für die weitere Verwertung in einer Biogasanlage geerntet. Es entstehen auch wieder Lebensräume für bedrohte Pflanzen und Tiere, die früher zahlreich in den Mooren heimisch waren. Ein Beispiel hierfür ist der heute in Mecklenburg-Vorpommern ausgestorbene Seggenrohrsänger, ein unscheinbarer brauner Vogel mit äußerst kräftigem und melodiösem Gesang. Durch die Wiederherstellung seines ursprünglichen Lebensraumes besteht nun Hoffnung, dass sich diese einzig global gefährdete Vogelart Kontinentaleuropas wieder im Peenetal ansiedelt.
Die Moorraupe ist Teil des im Herbst 2010 gestarteten Projektes „VIP – Vorpommern Initiative Paludikultur“. Als Paludikultur wird die standortgerechte Bewirtschaftung bezeichnet, die im Vergleich zur Bewirtschaftung entwässerter Moore umweltfreundlicher und nachhaltiger ist. Entwässerte Moore haben einen hohen Anteil an den klimaschädlichen Treibhausgasemissionen. Durch die intensive Entwässerung werden die über Jahrtausende gebildeten Torfe belüftet und von Mikroben zersetzt. Dadurch entweichen jedes Jahr 20 bis 25 Tonnen CO2 je Hektar entwässertem Moorgrünland. Dies entspricht der Menge an Treibhausgasen, die ein Mensch auf 30 Flügen von Berlin nach Mallorca und zurück verursacht. Im moorreichen Mecklenburg-Vorpommern entweichen somit jährlich mehr als sechs Millionen Tonnen CO2 aus entwässerten Moorböden. Das entspricht einem Drittel der gesamten Emissionen des Landes.
Um den Ausstoß von CO2 zu reduzieren, ist es daher notwendig, die Moore wieder zu vernässen. Damit diese Flächen aber auch in Zukunft landwirtschaftlich genutzt werden können, werden in dem Projekt bis 2013 neue Wege der nassen Bewirtschaftung von Moorstandorten praktisch erprobt, wissenschaftlich untersucht und neue Produkte mit der Biomasse aus Mooren entwickelt. Die gewonnenen Ergebnisse sollen direkt großflächig umgesetzt werden, sodass sich Vorpommern zu einer weltweiten Modellregion der nachhaltigen Moorbewirtschaftung entwickelt.
Der Biomassetransport auf der Peene wurde unterstützt vom BMBF-Forschungsprojekt „Vorpommern Initiative Paludikultur“, Förderverein „Naturschutz im Peenetal e. V.“, Zweckverband „Peenetal-Landschaft“, dem Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt Vorpommern, der Manfred-Hermsen-Stiftung, Bioenergie Neu Kosenow GmbH & Co. KG sowie der Robert Krebs GmbH & Co. KG (Eigner der „Gustav“).
Ansprechpartner an der Universität Greifswald
Christian Schröder
Institut für Botanik und Landschaftsökologie
Grimmer Straße 88, 17487 Greifswald
Telefon 03834 86-4183
christian.schroeder@uni-greifswald.de
Jan Meßerschmidt | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.uni-greifswald.de
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