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Bis 2030, so lauten die Prognosen, werden Kraftwerke auf Basis fossiler Brennstoffe über zwei Drittel des weltweiten Strombedarfs decken. In Deutschland sind Kohlekraftwerke die größten CO2-Emittenten, denn eine großtechnische CO2-Abscheidung gibt es bislang nicht.
Das Problem: Deren Integration in den Kraftwerksprozess hat enorme Energieeinbußen zur Folge. Bochumer Ingenieure um Prof. Dr.-Ing. Viktor Scherer (Energieanlagen und Energieprozesstechnik, Fakultät für Maschinenbau) setzen auf selektive Gastrennmembranen, um das Treibhausgas abzuscheiden.
Gemeinsam mit ihren Kooperationspartnern der Helmholtz Allianz MEM-BRAIN suchen sie derzeit nach dem größten gemeinsamen Nenner zwischen Wirkungsgradverlust und CO2-Abscheidung.
Simulation: „größter gemeinsamer Nenner“
Die Bochumer Ingenieure konzentrieren sich bei ihren Untersuchungen speziell auf das sog. Pre-Combustion-Verfahren bei Kohlevergasungskraftwerken. Der Brutto-Wirkungsgrad dieses Kraftwerkstyps liegt bei rund 47 Prozent; es emittiert etwa 700 Gramm Kohlendioxid pro erzeugter Kilowattstunde in die Atmosphäre. Mit den Daten der Membran-Entwickler im Forschungszentrum Jülich und anderen Partnern der Helmholtz-Allianz simulieren die Bochumer Forscher, wie sich die CO2-Abscheidung mittels Membranen auf die Kraftwerksprozesse auswirkt. Dafür haben sie mit einer speziellen Simulationssoftware ein Kohlevergasungskraftwerk vollständig abgebildet: bestehend aus mehreren hundert Verschaltungen und knapp hundert Untereinheiten. Zudem integrierten sie über vorgefertigte Schnittstellen ein speziell für die Membransimulation entwickeltes Modell in die Simulationssoftware.
Wenn Wirkungsgradverluste die Preise steigen lassen …
Mit Membranen lassen sich über 90 Prozent des Kohlendioxids abtrennen, das ergaben die Berechnungen. Dabei kommt es insgesamt zu Wirkungsgradverlusten von neun bis zehn Prozent, was gewaltige Einbußen bedeutet: Denn für ein Kohlekraftwerk mit einem Wirkungsgrad von 47 Prozent hieße dass, von 1000 MW thermischer Leistung aus der Kohle blieben statt 470 MW nur 370 MW Strom. Dabei sänken die Emissionen aber von 700g auf nur noch 40g Kohlendioxid pro erzeugter Kilowattstunde. Die besten Ergebnisse weisen bisher Keramikmembranen auf (untersucht werden auch Membranen auf Metall- und Polymerbasis). „Selbst bei höchstem technischen Aufwand werden sich die Wirkungsgradverluste infolge CO2-Abscheidung nicht auf „null“ reduzieren lassen“, so die Prognose der Forscher. Als realisierbar sehen sie CO2-Abscheideraten die mit Verlusten von 90, 80 oder vielleicht auch 70 MW verbunden sind. Jedes verlorene Megawatt erhöht den Verbrauch der Ressource Kohle und wird letztlich zu höheren Strompreisen führen. Die Gesellschaft wird entscheiden müssen, was ihr sauberere Kohlekraftwerke wert sind.
Themen RUBIN Frühjahr_10
Schwerpunkt Energie: Editorial – Energien des 21. Jahrhunderts (Prof. Dr.-Ing. H.-J. Wagner), Intelligente Membranen sollen Strom aus Kohlekraftwerken sauberer machen, Verbundprojekt „change“ zum Energienutzungsverhalten im Öffentlichen Dienst, Osmosekraftwerke: Potentialanalyse für eine Zukunftstechnologie, Integration von Elektrofahrzeugen in dezentrale Energieversorgungssysteme, Biobrennstoffzellen in Millimetergröße als Antrieb für Miniaturmaschinen im Körper, Wie sicher unsere Energieversorgung ist – ein Gespräch mit dem Wirtschaftsweisen Prof. Christoph M. Schmidt, weitere Themen: Sportspielspezifische Leistungsdiagnostik im Fußball und Tennis, Testamente geben Aufschluss über die Motivation mittelalterlicher Pilger, Nervenschmerzen: neue Diagnostik ermöglicht mechanismenbasierte Therapie, Alterssicherung: Gesetzeslücke trifft Alleinerziehende
Weitere Informationen
Prof. Dr.-Ing. Viktor Scherer, Dipl.-Ing. Johannes Franz, Lehrstuhl für Energieanlagen und Energieprozesstechnik (LEAT), Fakultät für Maschinenbau, 0234/32-26328, Scherer@leat.rub.de, O234/32-26326, franz@leat.rub.de
Redaktion: Dr. Barbara Kruse
Dr. Josef König | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.rub.de/rubin
Weitere Berichte zu: CO2-Abscheidung > Energieanlage > Energieprozesstechnik > Intelligente Stromzähler > Kilowattstunde > Kohle > Kohlekraftwerk > Kohlendioxid > Kohlevergasungskraftwerk > Kraftwerksprozess > Membran > Simulationssoftware > Wirkungsgrad
Im Wettlauf mit der Zeit
16.05.2013 | Friedrich-Schiller-Universität Jena
Canada must addess real climate-change challenge
16.05.2013 | University of Toronto
Supraleitungssensoren der PTB ermöglichen hochempfindliche Messungen der magnetischen Kernresonanz dünner Helium-3-Schichten - aktuelle Veröffentlichung in Science
Tieftemperatur-Spezialisten der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) haben mit ihren SQUIDs dazu beigetragen, dass die magnetischen Momente von Atomen des seltenen Isotopes 3He (Helium-3) extrem empfindlich gemessen werden konnten. Mithilfe dieser Sensoren wurden hochempfindliche Kernresonanzspektrometer entwickelt, die jetzt tiefe Einblicke in den Zustand der Materie bei extrem tiefen Temperaturen lieferten.
Konkret sperrte ...
Gut 99 Prozent des gesamten Eises an Land ist in den riesigen Eisschilden der Antarktis und Grönlands gespeichert, nur knapp ein Prozent dagegen in Gletschern.
Die Schmelzwasser dieser Gletscher trugen im Zeitraum 2003 bis 2009 etwa genauso viel zum Anstieg des Meeresspiegels bei, wie die beiden Eisschilde: rund einen Drittel. Dies ist eines der Resultate einer internationalen Studie mit Beteiligung von UZH-Geographen.
Wieviel alle Gletscher zum Anstieg des Meeresspiegels beitragen, wurde noch nie so genau ...
Siemens hat das weltweit erste kabellose Ultraschallgerät vorgestellt. Der Schallkopf ist mit einer Hand gut bedienbar und überträgt das Ultraschallbild per Radiofrequenz auf den Bildschirm.
Das Fehlen der Kabel ist vor allem bei Operationen oder interventionellen Eingriffen von Vorteil, wo beispielsweise Nadeln mit Hilfe von Ultraschall visualisiert werden. Die Kabel am Schallkopf behindern die Person, die das Gerät bedient, und sie können trotz steriler Schutzhüllen ein Infektionsrisiko darstellen.
Das kabellose Acuson Freestyle arbeitet bis zu ...
Siemens will mit einem großen Touch-Display Bahnbetreibern helfen, Störungen besser zu bewältigen.
Das Display mit rund 1,50 Metern Diagonale veranschaulicht alle Daten und Fakten, um Entscheidungen treffen zu können. Herzstück der Lösung ist eine Software, die mit Hilfe mathematischer Optimierungsalgorithmen bisher entkoppelte Systeme wie Wartung oder Zugdisposition vernetzt.
Bisher reagieren einzelne Abteilungen von Bahnbetreibern weitgehend unabhängig auf Störfälle, weil sie über das ...
Forschern des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Festkörperphysik IAF und des Karlsruher Instituts für Technologie KIT ist es gelungen, 40 Gbit/s bei 240 GHz und über eine Entfernung von einem Kilometer per Funk zu übertragen.
Mit ihrer jüngsten Demonstration haben sie einen neuen Weltrekord erzielt und knüpfen damit erstmals nahtlos an die Kapazität von Glasfaser an. Solche Richtfunkstrecken könnten zukünftig Lücken in der Versorgung mit Breitband-Internet schließen, indem die drahtlosen Links das Netz an schwer zugänglichen Stellen oder im ländlichen Raum ergänzen.
Digital, mobil und ...
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17.05.2013 | Biowissenschaften Chemie
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