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Deutsche Ostseeküste wird Modellregion für die Anpassung an den Klimawandel

28.07.2009
An der Ostseeküste Schleswig-Holsteins und Mecklenburg-Vorpommerns werden in den nächsten fünf Jahren Folgen des Klimawandels und Anpassungsmöglichkeiten für die Region erforscht.

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Als eine von sieben Regionen in Deutschland wird sie im Rahmen der Maßnahme "KLIMZUG - Klimawandel in Regionen zukunftsfähig gestalten" vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit knapp neun Millionen Euro gefördert.


Getragen wird das Vorhaben RADOST ("Regionale Anpassungsstrategien für die deutsche Ostseeküste") von einem Netzwerk aus mehr als 60 überwiegend in der Region ansässigen Partnern.

Grundgedanke des vom Ecologic Institut in Berlin koordinierten Projektes ist eine enge Verzahnung zwischen Wissenschaft und Praxis. Neben Forschungseinrichtungen wie dem Institut für Ostseeforschung Warnemünde und den Universitäten Kiel und Rostock sind Behörden wie das Staatliche Amt für Umwelt und Natur (StAUN) Rostock und das schleswig-holsteinische Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) unmittelbar in das Projekt eingebunden. Ingenieurbüros und weitere regionale Unternehmen werden Forschungsergebnisse zur Anwendung bringen.

Bereits heute werden in den beteiligten Bundesländern jedes Jahr viele Millionen Euro in den Küstenschutz investiert. Für einen effizienten Einsatz dieser Mittel sind möglichst zuverlässige Aussagen über die zukünftige Entwicklung der Küstenlinie erforderlich. Die Auswirkungen des Klimawandels - sei es durch den Meeresspiegelanstieg, veränderte Strömungsbewegungen oder eine Verstärkung von Sturmflutereignissen - sind jedoch im Einzelnen noch sehr ungewiss. In RADOST werden führende Modelle zu Wasserständen, Seegang, Strömungen und Stofftransporten miteinander gekoppelt und Veränderungen mit einer feineren räumlichen Auflösung als bisher abgebildet.

Der Tourismus an der Ostseeküste könnte durchaus zu den Gewinnern des Klimawandels zählen. Höhere Durchschnittstemperaturen ermöglichen nicht nur eine Verlängerung der Badesaison, sondern könnten auch Mittelmeertouristen an nördliche Strände führen, denen es an ihren angestammten Urlaubsorten zu heiß geworden ist. Problematisch ist die Erwärmung allerdings für die Wasserqualität der ohnehin überdüngten Ostsee. Detailliert untersucht werden soll in RADOST, wie sich die Bedingungen für Nährstoffeinträge aus der Landwirtschaft ändern.

Weitere Schwerpunktbereiche in RADOST werden Naturschutz, Häfen und maritime Wirtschaft sowie erneuerbare Energien sein. Anwendungsprojekte sollen verdeutlichen, welche wirtschaftlichen Chancen ein innovativer Umgang mit dem Klimawandel birgt. Hier geht es beispielsweise um die Verbindung von Küstenschutzbauwerken mit Tauchtourismus oder der Nutzung von Meereswärme, um Marktchancen für die Zucht von Algen, Muscheln und anderen Meeresorganismen, um die Optimierung von Schiffsentwürfen für Ostseerouten unter zukünftigen Umweltbedingungen oder um Marketingstrategien für den Tourismus.

Der öffentliche Startschuss für das Projekt in der Region ist für den 5./6. Oktober 2009 in Rostock-Warnemünde vorgesehen. RADOST wird dort zusammen mit Forschungsprojekten ähnlicher Thematik auf einer Tagung zu "Küstenmanagement und Klimawandel" vorgestellt. Eine erste eigene RADOST-Regionalkonferenz ist für Anfang 2010 geplant.

Verbundpartner in RADOST sind:

o Ecologic-Institut, Berlin - Koordination
o Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW)
o Institut für Küstenforschung am GKSS-Forschungszentrum, Geesthacht
o Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB), Berlin
o Universität Rostock, Fachgebiet Küstenwasserbau (URCE)
o Staatliches Amt für Umwelt und Natur (StAUN) Rostock
o Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW), Berlin
o Johann Heinrich von Thünen-Institut (vTI), Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei, Braunschweig
o Institut für angewandte Ökologie (IfAÖ), Neu Broderstorf
o EUCC - Die Küsten Union Deutschland, Warnemünde
o Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) Schleswig-Holstein

Über Aufträge eingebunden sind u.a.:

o GICON - Großmann Ingenieur Consult GmbH, Niederlassung Rostock
o Büro für Umwelt und Küste, Kiel
o Coastal Research & Management (CRM), Kiel
o Geographisches Institut der Universität Kiel
o Landesbetrieb Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein (LKN), Husum

Mehr als 50 weitere Partner aus öffentlicher Verwaltung (Bundes- und Landesbehörden, Regionalverwaltung/Kommunen), Wirtschaft (Verbände und Einzelunternehmen) und Wissenschaft haben ihre Beteiligung am RADOST-Projekt zugesagt. Das Netzwerk wird kontinuierlich erweitert.

Rückfragen:
Ecologic Institut, Berlin
Dr. Grit Martinez (Projektleitung) / Daniel Blobel
Tel. +49 (30) 86880-0
presse@klimzug-radost.de

Richard Harnisch | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.ioew.de

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