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Die Wissenschafter hatten Populationen von Wasserfröschen in Frankreich und Nord-Spanien untersucht und stellten dabei fest, dass der eigentlich nur in Osteuropa verbreitete Seefrosch (Rana ridibunda) das Potential besitzt, einheimische Wasserfrösche wie den Grafschen Hybridfrosch (Rana grafi) oder den Iberischen Wasserfrosch (Rana perezi) zu verdrängen.
Diese Fähigkeit begründe sich u.a. darauf, dass der Seefrosch länger lebe und schneller wachse als die einheimischen Arten. Zudem würden die Seefroschweibchen mehr Nachkommen produzieren als ihre Konkurrenten, schreiben die Forscher im Fachblatt Comptes Rendus Biologies. Der Seefrosch hat sich inzwischen von Zentralasien bis nach Frankreich und Spanien ausgebreitet, wobei diese Verbreitung auf die Einführung von lebenden Individuen zum Verzehr zurückzuführen ist. Durch die Vermischung der fremden mit den einheimischen Arten werden die einheimischen Wasserfrösche auf wenige Gebiete zurückgedrängt. Das Einschleppen invasiver Arten durch den Menschen gilt neben dem Klimawandel als eine der Hauptbedrohungen für die Artenvielfalt der Erde.
Die meisten der stabilen Seefrosch-Populationen in Frankreich und der Schweiz gehen darauf zurück, dass diese Froschart für Gourmet-Restaurants gezüchtet oder direkt aus verschiedenen Ursprungslängern eingeführt wurde. Inzwischen hat sich die Frosch-Fauna entlang von grösseren Flussauen in diesen beiden Ländern deutlich zu Gunsten der neuen Froschart verändert. Unklar war bisher jedoch, weshalb sich die neuen Arten gegenüber den etablierten durchsetzen konnten. Dazu untersuchte das Wissenschaftlerteam über 700 Wasserfrösche an 22 Orten im Einzugsgebiet der Rhone in Frankreich und an 4 Orten im Einzugsgebiet des Ebro in Spanien. "Wir mussten feststellen, dass der zugewanderte Seefrosch besonders in sauerstoffreichem und salzarmen Frischwasser ein hohes Konkurrenzpotential hat. Unter diesen Bedingungen haben die einheimischen Frösche kaum eine Chance", erklärt Dr. Dirk Schmeller vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ). Der Verdrängungsprozess basiert u.a. darauf, dass der Seefrosch schneller wächst als die einheimischen Frösche und dadurch in direkte Nahrungskonkurrenz tritt. Darüberhinaus leben Seefroschweibchen länger und sind auch fruchtbarer. Sie produzieren deshalb über ihr gesamtes Leben erheblich mehr Nachkommen und verdrängen so die anderen Froscharten. Die Zahl der Nachkommen wird zudem zusätzlich erhöht, indem bei Paarungen mit dem Grafschen Hybridfrosch (Rana grafi) oder dem Teichfrosch (Rana esculenta) Seefrosch-Nachkommen produziert werden. Dieser letzte Punkt hört sich erstaunlich an, ist aber auf eine spezielle Fortpflanzung, die Hybridogenese zurückzuführen, die es in dieser Form nur bei Wasserfröschen gibt. Alles das kann zum Aussterben der einheimischen Wasserfroscharten führen, meinen die Forscher und empfehlen daher die Ausbreitung des Seefrosches genau zu beobachten.
Tilo Arnhold
Publikation:
SCHMELLER, D.S., PAGANO, A., PLENET, S. & M. VEITH (2007): Introducing water frogs - Is there a risk for indigenous species in France?
Comptes Rendus Biologies 330: 684-690.
doi:10.1016/j.crvi.2007.04.005
http://lib.bioinfo.pl/pmid:17720585/doi
Links:
http://www.dirk.die-schmellers.de/
IUCN-Informationen über Rana ridibunda:
http://www.iucnredlist.org/search/details.php/58705/all
Seefrosch (Rana ridibunda):
http://de.wikipedia.org/wiki/Seefrosch
Iberischer Wasserfrosch (Rana perezi):
http://de.wikipedia.org/wiki/Iberischer_Wasserfrosch
Weitere fachliche Informationen über:
Dr. Dirk Schmeller
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ
Telefon: 0341-235-3282
http://www.ufz.de/index.php?de=12786
oder
Station d'Ecologie Experimentale du CNRS à Moulis
09200 Saint Girons
Frankreich
Telefon: 0033 5 61 04 03 73
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Doris Böhme/ Tilo Arnhold
UFZ-Pressestelle
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Das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ wurde 1991 gegründet und beschäftigt an den Standorten Leipzig, Halle/S. und Magdeburg rund 830 Mitarbeiter. Es erforscht die komplexen Wechselwirkungen zwischen Mensch und Umwelt in genutzten und gestörten Landschaften, insbesondere dicht besiedelten städtischen und industriellen Ballungsräumen sowie naturnahen Landschaften. Die Wissenschaftler des UFZ entwickeln Konzepte und Verfahren, die helfen sollen, die natürlichen Lebensgrundlagen für nachfolgende Generationen zu sichern.
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Tilo Arnhold | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.ufz.de/index.php?de=15606
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