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Folgen einer Schlammflut

28.11.2006
Auf Java ist einer der größten Schlammvulkane der Welt aktiv. Die Entsorgung der riesigen Schlammassen könnte katastrophale Folgen für die Küstengewässer haben.

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Seit Mai dieses Jahres spielt sich im Osten Javas eine beispiellose Naturkatastrophe ab. Mitten in einem dichtbesiedelten Gebiet speit ein Krater Gase und heiße Schlammassen aus tiefen Erdschichten heraus. Der übelriechende Auswurf ist bis heute nicht versiegt sondern steigert sich von Tag zu Tag. Ein Projekt des Zentrums für Marine Tropenökologie in Bremen soll nun in Kooperation mit dem GKSS-Forschungszentrum und der Firma 4H Jena Engineering mithilfe modernster Messtechnologie die Folgen für Boden und Gewässer untersuchen.


Waren es im Juni noch 5000 m3 Schlamm, die täglich aus dem Erdinneren quollen, ist die Menge mittlerweile auf 130.000 m3 angewachsen. Ganze Dörfer und etliche Fabrikgelände sind von den Schlammassen bedeckt, mehr als 12000 Menschen mussten evakuiert werden. Mit verschiedenen Kunstgriffen versucht die Regierung Indonesiens, der Sintflut Herr zu werden - eine Sisyphusarbeit. Die schnell errichteten Deiche wurden mehrfach überschwemmt, Auffangbecken liefen über. Mit moderner Bohrtechnologie soll der Krater verschlossen werden. Es quillt und sprudelt jedoch auch aus etlichen kleineren Löchern.

Bagger auf drehenden Konsolen sollen den Schlamm flüssig halten und ein Absedimentieren verhindern. Mittlerweile leitet ein Stichkanal die Schlammmassen mithilfe eines Pumpwerkes in den nahegelegenen Fluss Porong, der nicht weit vom Ort des Geschehens ins Meer mündet. Als weiterer Abfluss dient eine Pipeline, die die Schlammflut direkt ins Meer spült. Die indonesische Regierung hofft nun, aus der Katastrophe einen Nutzen ziehen zu können. Der Schlamm soll sich entlang der Küstenlinie anlagern und von Mangroven besiedelt werden. In diesen sollen dann wieder Garnelenteiche entstehen.

Der natürliche Mangrovenbestand wurde hier schon vor Jahrzehnten abgeholzt, um Platz für Aquakulturanlagen zu schaffen. Sie bilden ein endloses Schachbrettmuster entlang der Küste. Die meisten Teiche leiden jedoch an den üblichen Malaisen tropischer Aquakultur. Pestizide, Dünger und der Kot der Garnelen belasten das Ökosystem. Mittlerweile sind die Teiche übersäuert und nicht mehr sehr ergiebig. Ein neuer Mangrovengürtel soll wieder günstige Bedingungen für die Zucht schaffen.

"Ob die Rechnung aufgeht, ist unsicher", meint Tim Jennerjahn, Leiter des ZMT-Projektes. "Erste Messungen haben ergeben, dass der Schlamm sehr nährstoffarm ist und einen relativ hohen Anteil an Schwermetallen hat". Es ist also fraglich, ob das neugewonnene Schwemmland als Substrat für Mangroven geeignet ist. Das Projekt des ZMT erforscht bereits seit 2000, wie sich menschliche Aktivitäten wie Dammbau, Waldrodung und intensive Landwirtschaft auf die Küstengewässer Ostjavas auswirken. Im Rahmen dieses Vorhabens sollen die Folgen der Schlammflut mit untersucht werden.

Noch gravierender werden die Auswirkungen auf das Küstenmeer sein. Die Region hat eine außergewöhnlich hohe Bevölkerungsdichte, und ein Großteil der Einwohner lebt vom Meer und seinen Ressourcen. Vor Ostjava führt die Madurastraße entlang, die reich an Fisch-, Muschel-, und Krabbenbeständen ist. Die mächtigen Schlammassen werden jedoch die bodenlebenden Meerestiere schlichtweg ersticken. Ein wesentlicher Bestandteil der Nahrungskette wird dadurch gefährdet.

Das Projekt wird vom BMBF finanziert.

Weitere Informationen:

Dr. Tim Jennerjahn
Zentrum für Marine Tropenökologie
Tel: 0421 / 23800 - 44
Email: tim.jennerjahn@zmt-bremen.de

Das ZENTRUM FÜR MARINE TROPENÖKOLOGIE - ZMT in Bremen widmet sich in Forschung und Lehre dem besseren Verständnis tropischer Küstenökosysteme. Im Mittelpunkt stehen Fragen zu ihrer Struktur und Funktion, ihren Ressourcen und ihrer Verletzbarkeit durch menschliche Eingriffe und natürliche Veränderungen. Das ZMT führt seine Forschungsprojekte in enger Kooperation mit Partnern in den Tropen durch, wo es den Aufbau von Expertise und Infrastruktur auf dem Gebiet des nachhaltigen Küstenzonenmanagements unterstützt.

Dr. Susanne Eickhoff | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.zmt.uni-bremen.de

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