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Experten befürchten ähnlich verheerende Waldbrände in Südwesteuropa wie im Dürresommer 2003
Mit den Auswirkungen von Feuer und Waldbränden auf natürliche Ökosysteme und Kulturlandschaften in verschiedenen Teilen der Erde beschäftigt sich ein Team von Wissenschaftlern am Institut für Geographie und Geoökologie der Universität Karlsruhe. Die Feuerexperten um Professor Manfred Meurer untersuchen vor allem die Folgen von Vegetationsfeuern für Planzendecke und Boden. Experimentelle Ansätze stehen dabei im Vordergrund. So haben die Wissenschaftler Feuerexperimente zum Beispiel auf der Kykladeninsel Naxos, in Benin und im Schwarzwald durchgeführt.
Seit April 2005 verstärkt der Mannheimer Geograph Dr. Christophe Neff die Feuerökologen der Universität Karlsruhe. Er widmet sich vor allem der geographisch-landschaftsökologischen Analyse von Waldbränden im westlichen Mittelmeerraum. Neff entwickelt daraus Waldbrandszenarien für ausgewählte Landschaftsräume und Regionen, die Prognosen über die Waldbrandgefahr und die wahrscheinliche Ausbreitung von Feuern erlauben. So hatte Neff schon im Mai dieses Jahres auf die großen Waldbrandgefahren in Frankreich, Spanien und Portugal hingewiesen. Der Wissenschaftler befürchtet, dass die Waldbrände in Südwesteuropa in diesem Sommer ähnlich verheerende Ausmaße erreichen könnten wie in den "Jahrhundertsommern" von 2003 und 1976. Im Hitze- und Dürresommer 2003 hatten die Flammen allein in Portugal rund 300.000 Hektar Wald vernichtet.
In vielen Regionen der Erde ist Feuer allerdings kein katastrophales, sondern ein natürliches und sogar "notwendiges" Ereignis: Regelmäßige Brände können die Verjüngung bestimmter Pflanzen fördern. Die langjährigen Forschungen von Neff und seinen Kollegen zeigen: Ein an die jeweiligen Umweltbedingungen angepasstes Feuermanagement, etwa das kontrollierte Abbrennen von Flächen, aber auch die Pflege der mediterranen Kulturlandschaft, würden das Risiko von katastrophalen Feuern, wie sie derzeit in Frankreich, Spanien und Portugal wüten, erheblich reduzieren - und dabei noch die Landschafts- und Biodiversität fördern.
In der Verwertung der Biomasse als Brenn- und Heizstoff, zum Beispiel in Form von Holzhackschnitzel oder Holzpellets bzw. als Grundlage für "biofuel", sieht Neff eine weitere Möglichkeit, die Waldbrandgefahren zu vermindern. Im Mittelmeerraum verbrennen jedes Jahr zehntausende Hektar Wald und Buschland. "Das Energiepotenzial dieser Biomasse, die sich ja faktisch ’in Luft auflöst’ und dabei noch Mensch und Landschaft gefährdet, ließe sich mittelfristig besser nutzen", so Neff. Der auf neue Rekordwerte gestiegene Rohölpreis könnte die wirtschaftliche Bedeutung der mediterranen Wald- und Buschlandschaften erhöhen. Neff ist sich sicher: Wenn die mediterranen Wälder einen wirtschaftlichen Wert haben, werden sie auch besser gemanagt werden - und es wird weit weniger katastrophale Waldbrände geben.
Am Institut für Geographie und Geoökologie der Universität Karlsruhe wird nicht nur über Waldbrände geforscht. Auch in der universitären Lehre wird die Rolle des Feuers als dynamisches Element der Landschaftsgestaltung verstärkt berücksichtigt. Im Juni 2005 untersuchten Karlsruher Studierende die Vegetationsregeneration auf der Waldbrandfläche Leuk-Albinen in der Schweiz, die durch ein großes Bergfeuer im August 2003 entstanden war. Im Oktober dieses Jahres werden sich die Teilnehmer der "Mittelmeerexkursion" mit den ökologischen Folgen der aktuellen Sommerwaldbrände und historischen Waldbrandereignissen in den mediterranen Pyrenäen befassen.
Die Feuerökologie ist eine relativ junge Wissenschaftsdisziplin, die sich seit den 1970er-Jahren herausgebildet hat. Sie erforscht die Rolle von Feuern in Wäldern, Buschländern und Savannen, aber auch die Kulturgeschichte und Bedeutung der traditionellen Anwendung von Feuer in der Landnutzung.
Unter der Themenstellung "Landschaftsökologische Bewertung und Raumrelevanz von Waldbränden und Vegetationsfeuern" werden deutschsprachige und internationale Feuerökologen ihre neuesten Forschungsergebnisse auf dem 55. Deutschen Geographentag vorstellen, der vom 1. bis zum 3. Oktober 2005 in Trier stattfindet. "GrenzWerte" lautet das Hauptmotto des Großkongresses, zu dem rund 1500 Teilnehmer aus vielen Ländern erwartet werden.
Dr. Peter Wittmann | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.geotag05.uni-trier.de
www.uni-karlsruhe.de
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