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Eine Gruppe einflussreicher Ökologen postuliert aber in der sogenannten „neutralen Theorie“, dass vor allem in den Lebensgemeinschaften artenreicher tropischer Wälder zufallsabhängige Faktoren dominant sind.
Professor Susanne Renner, Biologin an der LMU und Direktorin des Botanischen Gartens in München, und Professor Robert E. Ricklefs von der University of Missouri haben nun eine Art Baumzählung durchgeführt – in Regenwäldern rund um den Globus und mit Hilfe von Fossilfunden auch weit in die Vergangenheit zurück.
Dabei zeigte sich, dass diese Lebensräume extrem ähnliche und damit keinesfalls vom Zufall abhängige Lebensgemeinschaften beherbergen. „Der hohe Grad an Übereinstimmung hat uns selbst überrascht“, sagt Renner. „Unsere Ergebnisse kann man wohl als eine Art Sargnagel der neutralen Theorie bezeichnen.“ (Science online, 26. Januar 2012)
Jeder Lebensraum bietet nur begrenzte Ressourcen, um die die dort lebenden Arten konkurrieren müssen. Dieser Wettstreit gilt vielen Ökologen als entscheidender Faktor für die Zusammensetzung von Lebensgemeinschaften. Nach dem sogenannten Konkurrenzausschlussprinzip sollen zwei Spezies mit gleicher Lebensgrundlage nicht einmal langfristig koexistieren können: Die überlegene Art würde sich demnach gegen den Konkurrenten durchsetzen.
Im Gegensatz dazu postulieren sogenannte „neutrale Theorien“, dass zufallsabhängige Faktoren – etwa die Raten und die Reihenfolge der Einwanderung von Arten sowie deren Auslöschung – ausschlaggebend für die Zusammensetzung von Lebensgemeinschaften sind. Der US-amerikanische Ökologe Stephen Hubbell ist der führende Vertreter der neutralen Theorie, wonach besonders die artenreichen tropischen Wälder vom Zufall regiert seien.
Dort kommen selbst auf kleinster Fläche Hunderte von Baumarten nebeneinander vor. Das aber mache, so Hubbell, eine zentrale Rolle der ökologischen Nischen und des Konkurrenzausschlussprinzips bei der Strukturierung der Lebensgemeinschaften schwer vorstellbar. Die neutrale Theorie des Ökologen hat gerade in den letzten Jahren viel Aufmerksamkeit erhalten.
Die LMU-Biologin Professor Susanne Renner stellt dem nun zusammen mit ihrem Kollegen Recklefs harte Zahlen gegenüber. In zentral- und südamerikanischen, afrikanischen und asiatischen Regenwäldern verglichen die Forscher die Zusammensetzung der Baumarten auf 25 bis 55 Hektar großen Arealen. Sie verglichen zudem die Zusammensetzung der Baumfamilien im tropischen Kolumbien in einer 65 bis 55 Millionen Jahre alten Fossilflora mit dem heutigen Bestand.
Nach der neutralen Theorie mit dem Zufall als entscheidendem Faktor wäre keine Ähnlichkeit in so weit entfernten Regionen und über derart lange Zeiträume zu erwarten gewesen. Die Ergebnisse der Studie zeigen aber, dass die artenreichsten, die zweitartenreichsten und die nachfolgenden Gattungen und Familien der Baumarten in allen drei Kontinenten fast gleich sind.
„Sie sind statistisch hochsignifikant korreliert“, sagt Renner. „Wir haben also eine extreme Übereinstimmung festgestellt, sogar was die Zahl der Bäume pro Familie und Versuchsfläche in den drei Regionen angeht. Zudem waren die heute artenreichsten Familien in den kolumbianischen Gebieten auch schon vor 50 Millionen Jahren dominant. Das sind erstaunlich eindeutige Ergebnisse, die die neutrale Theorie widerlegten sollten.“ (suwe)
Publikation:
„Global correlations in tropical tree species richness and abundance reject neutrality”
Ricklefs, R. E.; and S. S. Renner
Science Express, 26. Januar 2012
Ansprechpartner:
Prof. Dr. Susanne Renner
Tel.: 089 / 17861-257
Fax: 089 / 2180 – 172638
E-Mail: renner@lrz.uni-muenchen.de
Luise Dirscherl | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.sysbot.biologie.uni-muenchen.de
www.uni-muenchen.de
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