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Akteure zum Handeln aufgefordert
Das letzte Rheinhochwasser ist erst ein paar Wochen her und vor fast genau einem Jahr erreichten die Wasserstände an der Elbe zum dritten Mal in neun Jahren Rekordwerte. Nach diesen Ereignissen wird immer der Ruf laut, endlich Maßnahmen für einen effizienten Auen- und Hochwasserschutz zu ergreifen.
Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) hat deshalb im Rahmen eines Forschungsvorhabens nach guten Beispielen für Projekte des naturverträglichen Hochwasserschutzes, des Auenschutzes und der ökologisch optimierten Wasserkraftnutzung suchen lassen. Die Ergebnisse werden nun in der BfN-Schriftenreihe „Naturschutz und biologische Vielfalt“ (Band 112) veröffentlicht.
Für 37 Vorhaben werden die erreichten und angestrebten Erfolge ebenso dargestellt wie die Schwierigkeiten bei der Umsetzung. Diese Sammlung der „Guten Beispiele“ soll Impulse für neue Projekte geben und helfen, die Synergien zwischen dem Schutz der Biodiversität in Auen und Fließgewässern und ökologischem Hochwasserschutz zu nutzen. Ebenso werden Hinweise gegeben, wie die negativen Begleiteffekte der klimafreundlichen Wasserkraft durch konkrete Anlagenverbesserungen vor Ort gemindert werden können“, sagte BfN-Präsidentin Prof. Beate Jessel.
Die Häufungen von „Jahrhunderthochwassern“ an verschiedenen Flüssen in Verbindung mit einem gesteigerten Bewusstsein für den Wert von Artenvielfalt haben die gesellschaftliche Wertschätzung von Naturschutzmaßnahmen an Flüssen gesteigert. „Die europäische Wasserrahmenrichtlinie verlangt einen guten Zustand der Fließgewässer, der auch von deren Auen abhängt. Jetzt sind die Akteure gefordert, guten Auen-, Gewässer und Hochwasserschutz aufeinander abgestimmt umzusetzen,“ erläuterte Beate Jessel.
Bezug:
Auenschutz – Hochwasserschutz – Wasserkraftnutzung, Beispiele für eine ökologisch vorbildliche Praxis, Reihe: Naturschutz und Biologische Vielfalt, Band 112.
Weitere Informationen unter : http://www.bfn.de/0324_veroeffentlichung_download.html
Hintergrund
An den großen Flüssen Deutschlands konzentrieren sich viele Nutzungsansprüche. Sie dienen unter anderem der Schifffahrt und der Energiegewinnung aus Wasserkraft, ihre Auen wurden besiedelt und Auenböden sind landwirtschaftlich genutzt, vielfach konzentrieren sich hier Verkehrswege und Infrastruktur und sie dienen gleichzeitig einer breiten Bevölkerung als Erholungsräume. Um all diese Ansprüche möglichst gleichzeitig zu erfüllen und mit dem lokalen Schutz vor Hochwasser zu vereinbaren, wurden die Flüsse vielfach gestaut, verbaut und durch immer höhere Dämme von den Auen getrennt.
Diese Entwicklung ging nicht nur zu Lasten einer regionalen Hochwasserrückhaltung, sondern beeinträchtigte auch die Funktion der Auen als Zentren der Artenvielfalt. In Deutschland sind zwei Drittel der ehemals überfluteten Auen durch Dämme von ihren Flüssen getrennt. Von den Auen, die von Hochwasser noch überflutet werden, sind nur 10% naturnah. Hauptsächlich dort findet man noch viele der ursprünglichen auentypischen Pflanzen- und Tierarten, Biozönosen und Lebensräume. Viele dieser Arten und Lebensräume sind gefährdet. Die bisherig überwiegende Nutzung von Flüssen und ihren Auen führt also zu einer Verschlechterung des natürlichen Hochwasserschutzes und zu hohen Verlusten an wertvollen Auenbiozönosen.
Unter dem unmittelbaren Eindruck konkreter Hochwasserkatastrophen werden regelmäßig Maßnahmen zum vorbeugenden Schutz gefordert. Es sollen Retentionsflächen geschaffen werden, insbesondere durch Renaturierung ehemaliger Auen, die Fließgewässerstrukturen sollen verbessert, die Nutzung an die Bedingungen in Überschwemmungsgebieten angepasst, die Rückhaltefähigkeit durch angepasste Bewirtschaftung erhöht und all diese Anforderungen in die Planungen von Wasserwirtschaft, Raumordnung und Naturschutz integriert werden.
Die Erhaltung der Biodiversität und den vorsorgenden Hochwasserschutz verbindet der Bedarf an möglichst großen und naturnahen Auenflächen. Die Kombination von Auenschutz und ökologischem Hochwasserschutz führt nicht nur zu einem funktionalen, sondern auch zu einem volkswirtschaftlich darstellbaren Mehrwert. Gute Beispiele für das gelungene Zusammenspiel von Hochwasserschutz und Auenschutz tragen dazu bei, diesen integrativen Ansatz in der konkreten Projektumsetzung zu unterstützen.
Das Bundesamt für Naturschutz initiierte deshalb eine Studie zu überregional bedeutsamen Vorhaben in Deutschland und den angrenzenden Ländern, die als gute Beispiele dafür dienen können, wie die Synergien zwischen dem Schutz der Biodiversität in Auen und ökologischem Hochwasserschutz realisiert werden können. Auch das Dilemma zwischen der klimafreundlichen Nutzung der Wasserkraft einerseits und der lokalen Verschlechterung des ökologischen Zustandes von Gewässern und Auen infolge der Wasserkraftnutzung andererseits, kann durch geeignete Maßnahmen insbesondere für den Auf- und Abstieg von Fischen gemindert werden. Auch für die Bewältigung dieses Konflikts sollen die dargestellten guten Beispiele wichtige Impulse geben. Der vorliegende Band macht gelungene Ansätze des Auenschutzes, des Hochwasserschutzes und der ökologisch optimierten Wasserkraftnutzung einem breiten Publikum zugänglich und wirbt so für die Umsetzung weiterer, dringend notwendiger Projekte.
Franz August Emde | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.bfn.de
Weitere Berichte zu: Akteur > Artenvielfalt > Auen > Auenschutz > BfN > Biodiversität > Dämme > Fließgewässer > Gewässer > Hochwasser > Hochwasserschutz > Lebensraum > Naturschutz > Synergie > Verschlechterung > Wasserkraft > Wasserkraftnutzung
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