Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     Siemens  n-tv 
Datenbankrecherche:

Fachgebiet (optional):

 

Alarm für seltene Schmetterlinge in Europa

05.10.2011
Verbände und Wissenschaftler stellen neuen Verbreitungsatlas der Tagfalter vor

Anzeige


Der Natterwurz-Perlmutterfalters (Boloria titania) kommt bisher vorwiegend in den Alpen und in den Bergen des Balkans sowie im Baltikum vor. Die kältliebende Art ist auf den Wiesenknöterich (Polygonum bistortum) als Nahrungspflanze angewiesen und reagiert damit besonders sensibel auf Veränderungen. Ein "Auseinanderdriften" der Lebensräume von Schmetterling und Nahrungspflanze durch den Klimawandel würde die Art in Zukunft gefährden. Diese kälteliebende Art könnte dann zu den Verlierern des Klimawandels gehören. Foto: © Albert Vliegenthart



Karte der der Verbreitung und Konzentration aller Tagfalter in Europa (Diversitäts-„Hotspots“). Besonders deutlich wurde dabei, dass sich die meisten Arten in den Gebirgsregionen im Norden der Iberischen Halbinsel, im Alpenraum und auf dem Balkan konzentrieren. Durchschnittlich umfasst der Lebensraum jeder dritten Tagfalterart jedoch nur ein Prozent Europas oder noch weniger.
Quelle: Distribution Atlas of Butterflies in Europe. GfS, Halle, Germany

Die Gesellschaft für Schmetterlingsschutz (GfS), der Naturschutzbund Deutschland (NABU) und das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) veröffentlichten am Mittwoch den aktuellen europäischen Schmettterlingsatlas („Distribution Atlas of Butterflies in Europe“), die größte Zusammenstellung zur Verbreitung von Schmetterlingen in Europa.

„Die neuen Daten zeigen den zerbrechlichen Zustand der Tagfaltervorkommen in Europa. Um zerstreute Populationen zu vernetzen und dadurch dauerhaft zu retten, muss der Erhalt ihrer natürlichen Lebensräume dringlicher denn je vorangebracht werden“, sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke. Dabei sei insbesondere die europäische Agrarpolitik gefordert, wirksame Maßnahmen sicherzustellen. Allein der Aurorafalter könnte unter heutigen Bedingungen bis zum Jahr 2080 über 85 Prozent seines Lebensraumes verlieren.

Der Atlas beinhaltet Verbreitungskarten aller 441 europäischen Tagfalterarten. Über 400.000 Datensätze aus ganz Europa wurden dafür neu erfasst und erstmals ausgewertet. Neben der umfangreichen Bereitstellung von Informationen für die Taxonomie und Biogeographie soll der Atlas eine Grundlage für den Schutz der europäischen Tagfalter darstellen. Dazu dienen vor allem die Karten, auf denen die „Hotspots“ der Faltervielfalt wie auch des Vorkommens besonders seltener und gefährdeter Arten erkennbar sind. „Betrachten wir uns die Konzentration der endemischen – also nur in Europa vorkommenden – Arten, so sticht die Bedeutung des Alpenraumes, der Kanaren sowie von Teilen des Mittelmeergebietes ins Auge“, erklärte Josef Settele, einer der Mitautoren und Vorsitzender der GfS. „Dies zeigt, dass vor allem dort Veränderungen des Klimas oder auch der Landnutzung gravierende Folgen für Arten erwarten lassen, für die Europa in besonderem Maße verantwortlich ist.“

Von zentraler Bedeutung ist das Engagement der insgesamt 272 ehrenamtlichen Mitarbeiter aus ganz Europa, die die Daten für den Atlas bereitgestellt haben. Die Daten aus Deutschland hat zu großen Teilen die Bundesarbeitsgemeinschaft Schmetterlinge des NABU erhoben, dem neben dem vom UFZ betriebenen „Tagfalter-Monitoring Deutschland“ größten deutschen Netzwerk ehrenamtlicher Schmetterlingsforscher.

Das Atlas-Projekt wurde von Dr. Otakar Kudrna ins Leben gerufen; es ist das Ergebnis seiner langjährigen Arbeit sowie der Arbeit eines von ihm geleiteten Autorenteams. Er wird wiederum als Datenbasis für zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten dienen – ähnlich wie für den „Climatic Risk Atlas of European Butterflies“, der 2008 veröffentlicht wurde und eine aktuelle Antwort auf den laufenden Klimawandel und damit ein Beitrag für die Erhaltung der Tagfalter darstellt.

Publikation:
Otakar Kudrna, Alexander Harpke, Kristian Lux, Josef Pennerstorfer, Oliver Schweiger, Josef Settele, Martin Wiemers (2011). Distribution Atlas of Butterflies in Europe. GfS, Halle, Germany. 576 pp.
Gefördert durch die Projekte STEP, SCALES und CLIMIT sowie durch Spenden vor allem des NABU und des Bayerischen Naturschutzfonds (München), des Fördervereins der ANL (Bayerische Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege, Laufen/Bayern), von „De Vlinderstichting“ (niederländische Falterstiftung, Wageningen), der European Interests Group (EIG) von Butterfly Conservation UK (Wareham, GB), und vom Wissenschaftlichen Verlag & Delta-Druck Peks (Schwanfeld).

Weitere fachliche Informationen:
PD Dr. Josef Settele
Gesellschaft für Schmetterlingsschutz/Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung
E-mail: siehe http://www.ufz.de/index.php?de=817

Werner Schulze
BAG Schmetterlinge im NABU
Tel. 0521/336443
E-Mail: WSchulze@entomon.de

Tilo Arnhold
Pressestelle Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung
Tel. 0341 235 1635
E-mail: presse@ufz.de

Weiterführende Links:

Homepage der BAG-Schmetterlinge:
http://www.nabu.de/tiereundpflanzen/insektenundspinnen/schmetterlinge/
bagschmetterlinge/index.html

Homepage der GfS
http://www.european-butterflies.ufz.de/

Climatic Risk Atlas of European Butterflies:
http://pensoftonline.net/biorisk/index.php/journal/article/viewArticle/3

Homepages der Projekte CLIMIT, STEP und SCALES:
http://www.climit-project.net; http://www.step-project.net; http://www.scales-project.net;

Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) setzt sich seit über 110 Jahren dafür ein, unsere Natur zu schützen und für zukünftige Generationen zu sichern. Mit rund 500.000 Mitgliedern und Förderern ist er Deutschlands mitgliederstärkster Umweltverband. Zu den wichtigsten Aufgaben des NABU zählt der Erhalt der Lebensraum- und Artenvielfalt, die Nachhaltigkeit der Land-, Wald- und Wasserwirtschaft und nicht zuletzt der Klimaschutz.

Die Gesellschaft für Schmetterlingsschutz (GfS) ist ein gemeinnütziger Verein, der sich dem Schutz der europäischen Schmetterlingsfauna (mit Schwerpunkt auf Deutschland) widmet. Ziel des Vereins ist die wissenschaftliche Erarbeitung, Umsetzung und Überwachung von Grundlagen und Maßnahmen zur Erhaltung der wildlebenden Schmetterlinge. Aufgaben der Vereins sind: a) Angewandte (d.h. naturschutz-orientierte) Erforschung der Schmetterlingsfauna, b) Unterstützung der zuständigen Behörden; c) Publikationen über Schmetterlinge, ihre Ökologie, Biogeographie, Biologie und ihren Schutz herauszugeben und zu verlegen; d) Erkenntnisse über Schutz und Erhaltung frei lebender Schmetterlingsarten vor Behörden, Organisationen und Personen zu vertreten, und e) die für die gemeinnützigen Zwecke notwendigen Mittel zu beschaffen.
http://www.european-butterflies.ufz.de/

Im Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) erforschen Wissenschaftler die Ursachen und Folgen der weit reichenden Veränderungen der Umwelt. Sie befassen sich mit Wasserressourcen, biologischer Vielfalt, den Folgen des Klimawandels und Anpassungsmöglichkeiten, Umwelt- und Biotechnologien, Bioenergie, dem Verhalten von Chemikalien in der Umwelt, ihrer Wirkung auf die Gesundheit, Modellierung und sozialwissenschaftlichen Fragestellungen. Ihr Leitmotiv: Unsere Forschung dient der nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen und hilft, diese Lebensgrundlagen unter dem Einfluss des globalen Wandels langfristig zu sichern. Das UFZ beschäftigt an den Standorten Leipzig, Halle und Magdeburg 1000 Mitarbeiter. Es wird vom Bund sowie von Sachsen und Sachsen-Anhalt finanziert.

Die Helmholtz-Gemeinschaft leistet Beiträge zur Lösung großer und drängender Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft durch wissenschaftliche Spitzenleistungen in sechs Forschungsbereichen: Energie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Schlüsseltechnologien, Struktur der Materie sowie Luftfahrt, Raumfahrt und Verkehr. Die Helmholtz-Gemeinschaft ist mit über 31.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in 17 Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 3 Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands. Ihre Arbeit steht in der Tradition des Naturforschers Hermann von Helmholtz (1821-1894).

Tilo Arnhold | Quelle: Helmholtz-Zentrum
Weitere Informationen: www.nabu.de
www.ufz.de/
www.helmholtz.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Deep sea animals stowaway on submarines and reach new territory
24.05.2012 | Wiley-Blackwell

nachricht Marktplatz für biogene Reststoffe online
24.05.2012 | ttz Bremerhaven

Alle Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>


Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Im wahrsten Sinne „Spitzenforschung“: IPHT-Forscher untersuchen Eiweißfasern mit größter Genauigkeit


Krankheiten wie Parkinson, Alzheimer und bestimmte Krebsformen gehen auf eine fehlerhafte Faltung und Aggregation von Eiweißen im Körper zurück.

Wissenschaftlern des Instituts für Photonische Technologien (IPHT) in Jena ist es erstmals gelungen, Proteinstrukturen auf sub-molekularer Ebene nachzuweisen und spektroskopisch zu analysieren. Ein wichtiger Schritt zum Verständnis der Krankheitsursachen.

„Bis heute hat man nicht genau verstanden, was die fehlerhafte Faltung und Aggregation von Eiweißen, zum Beispiel im Zusammenhang mit Alzheimer, ...

Im Focus: Widerspenstiges Quasiteilchen erzeugt


Die Quantenphysik beschreibt physikalische Vorgänge in Festkörpern und anderen Vielteilchensystemen auch mit Hilfe von Quasiteilchen.

Innsbrucker Physikern um Rudolf Grimm ist es nun erstmals gelungen, ein neues Quasiteilchen - ein repulsives Polaron - in einem Quantengas experimentell zu erzeugen. Die Forscher berichten darüber in der Online-Ausgabe der Fachzeitschrift Nature.

Ultrakalte Quantengase sind ein ideales Experimentierfeld, um physikalische Phänomene in Festkörpern zu simulieren. Unter streng kontrollierten Bedingungen ...

Im Focus: Licht lässt Partikel wachsen - Forscher entdecken neuen Mechanismus in der Atmosphäre


Licht lässt die Partikel in der Atmosphäre wachsen. In einem Experiment hat ein internationales Forscherteam erstmals einen neuen Mechanismus nachweisen können, bei dem Partikel durch Licht größer werden und der damit Einfluss auf die Wolkenbildung und das Klima hat.

Photokatalytische Reaktionen können zu einer schnellen Bindung von nicht kondensierenden flüchtigen organischen Kohlenwasserstoffen (VOCs) auf der Oberfläche der Partikel führen. Unter solchen Bedingungen nehme die Größe und Masse der Partikel schnell zu, schreiben die Wissenschaftler im renommierten Fachblatt PNAS.

Die Ergebnisse des Laborexperimentes könnten Effekte erklären, die bisher schon bei Feldkampagnen ...

Im Focus: Abschreckung: Tabak signalisiert angreifenden Zikaden Verteidigungsbereitschaft


Ähnlich wie blutsaugende Insekten prüfen Pflanzenschädlinge ihren Wirt auf Abwehrsignale, bevor sie anfangen zu fressen

Pflanzen bilden wenige Minuten nach Angriff eines Fraßfeindes Jasmonsäure, ein Hormon, das die Verteidigung gegen Insekten in Gange setzt mit der Folge, dass giftige Stoffe wie Nikotin oder Verdauungshemmer in den Blättern akkumulieren.

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für chemische Ökologie, Jena, haben jetzt herausgefunden, dass Zwergzikaden die Verteidigungsbereitschaft von Tabakpflanzen aufspüren können. ...

Im Focus: Erbgutkopie reist im Protein-Koffer


Wissenschaftlern vom Institut für Physikalische und Theoretische Chemie der Universität Bonn ist es erstmals gelungen, den Transport eines wichtigen Informationsträgers in biologischen Zellen praktisch unmodifiziert in Echtzeit zu filmen.

Die Studie zeigt, wie die so genannte Boten-RNA die Zellkernhülle überwindet und vom Zellkern in das Zytoplasma gelangt. Diese Arbeit ist nun in dem renommierten Journal „Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA“ (PNAS) publiziert.

Der Bauplan aller Lebewesen ist in ihrem Erbgut gespeichert. Dieses lagert bei höheren ...

Alle Focus-News des innovations-reports >>>

Anzeige

B2B Suche
Produkt / Dienstleistung
Firma / Organisation

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Aktuell

Energieversorger vor dem Umbruch

24.05.2012 | Studien Analysen

Stem-cell-growing surface enables bone repair

24.05.2012 | Biowissenschaften Chemie

Im wahrsten Sinne „Spitzenforschung“: IPHT-Forscher untersuchen Eiweißfasern mit größter Genauigkeit

24.05.2012 | Biowissenschaften Chemie

VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Veranstaltungen

NieKE Themenforum: Ökonomie - Tierschutz - Lebensmittelsicherheit

24.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten

Nachhaltigkeit in der Schifffahrt: Werte vs. Wertschöpfung

24.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten

Wissenschaft und Öffentlichkeit

24.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten

FindAndHelp