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Öffentlichen Wasserversorgern in Entwicklungsländern fehlt Fachwissen mehr als Geld

15.01.2010
Umfrage der Umwelttechniker an der Universität Witten/Herdecke unter Führungskräften zeigt Steuerungsfehler und Missmanagement

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Die öffentlichen Wasserversorger in der dritten Welt sehen mangelndes Fachwissen noch vor fehlendem Geld als die Hauptursache für die schlechte Versorgung mit sauberem Trinkwasser.


Das ist das wesentliche Ergebnis einer Umfrage des Instituts für Umwelttechnik und Management an der Universität Witten/Herdecke unter 150 Führungskräften großer staatlicher Wasserbetriebe aus Afrika, Asien, Europa, Ozeanien und Lateinamerika. Die Betriebe sind für die Versorgung von mehr als 22 Mio. Menschen zuständig.

"Das hat uns überrascht, weil bisher immer alle dachten, es fehlt an Geld, um eine sichere Versorgung mit sauberem Wasser zu gewährleisten", erklärt Michael Harbach, der die Studie durchführte. "Doch wenn man die Manager direkt fragt, sehen die eben das fehlende Wissen als viel elementarer an, d.h. das im Unternehmen vorhandene Wissen über Technologie und Management-Praktiken." Insoweit, so die Studie, seien gemeinsame Anstrengungen aus Wissenschaft und Entwicklungshilfe gefragt, die Aus- und Weiterbildung zum Beispiel für den Betrieb von wassertechnischen Anlagen zu fördern.

Die Ursachen des mangelnden Fachwissens liegen für Harbach unter anderem darin, dass diese Weiterbildungsmassnahmen selten nachhaltig sind: "Wir sehen inzwischen einen aus Steuermitteln finanzierten Konferenz-Tourismus, der im betrieblichen Alltag nicht mehr ankommt. Hinzu kommt, dass gut ausgebildete, fähige und engagierte Wasserfachleute sich in den parteipolitisch regierten öffentlichen Wasserbetrieben Asiens, Afrikas, Lateinamerikas, oft nicht lange halten lassen und in besser bezahlte Jobs der Privatwirtschaft und in die Industrieländer abwandern." Dann werde oft eine Kooperation mit der Wasserindustrie notwendig, weil der Staat die Versorgung nicht allein garantieren kann, so Harbach.

Einer solchen Kooperation mit privaten Dienstleistern (sog. Private Sector Participation, PSP) steht die deutliche Mehrzahl der Befragten daher offen gegenüber. Die Antworten zeigten deutlich die pragmatische Einstellung der befragten Versorger zu dieser Kooperationsart - und dass somit dem Dienst, den der Kunde erhält, ein höherer Stellenwert zugeordnet wird als ideologischen Überlegungen. Die beiden Hauptgründe für den Schulterschluss mit der Privatwirtschaft, die die Studie identifizierte, sind dabei: eine Verbesserung der Dienstleistungsqualität und der Technologietransfer hin zu den eigenen Mitarbeitern. Interessanterweise überwiegt die Bedeutung des ersten Arguments bei denjenigen Versorgern, die bereits Erfahrung(en) mit PSP-Projekten haben, während es bei den anderen Versorgern gerade umgekehrt ist.

Ein weiteres interessantes Ergebnis der Befragung: Alle Experten erklärten, dass sie lieber mit einem lokalen Unternehmen kooperieren wollten als mit einem "fremden" Konzern aus Übersee - solange es sichergestellt sei, dass der Lokale über das nötige Know-how verfüge bzw. Zugang zu diesem habe. Prof. Dr. Dr. Karl-Ulrich Rudolph, Leiter des Wittener Institutes für Umwelttechnik und Management, meint: "Dieses Ergebnis ist insoweit bemerkenswert, als der Weltmarkt für Wasserdienstleistungen von den sogenannten "Global Players" dominiert wird, was der oben genannten Bedarfsanalyse diametral widerspricht. Neue, lokal verankerte Managementmodelle, wie Water Franchise, bei denen der internationale Player als Know-how-Träger fungiert, könnten diesem Bedarfsdefizit abhelfen".

Kontakt: Prof. Dr. Dr. Rudolph, Dipl.-Volkswirt Michael Harbach, mail@uni-wh-utm.de, 02302 91401-0

Das Institut für Umwelttechnik und Management an der Universität Witten/Herdecke gGmbH (IEEM) ist eine unabhängige Forschungseinrichtung an der Universität Witten/Herdecke, die anwendungsnahe wissenschaftliche Projekte im Spannungsfeld von Technik und Ökonomie bearbeitet. Der Schwerpunkt liegt dabei vor allem im Bereich der internationalen Wasserver- und -entsorgung.

Kay Gropp | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.uni-wh.de

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