Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zecken in Baden-Württemberg – ökologisch betrachtet

23.05.2012
Durch Zeckenbisse ziehen sich jährlich mehr als 100.000 Menschen eine Borreliose-Infektion zu, etwa 300 erkranken an Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME).

Ein Team aus Parasitologen und Geoökologen untersucht, in welchen Gebieten Zecken welche Krankheitserreger in sich tragen, wo ihre Population besonders hoch ist und welche Umwelteinflüsse dafür verantwortlich sind. Die Ergebnisse sollen helfen, konkretere Impfempfehlungen sowie Zeckenwarnungen herauszugeben. Das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg fördert das Vorhaben als BWPLUS-Projekt.

Die in unseren Breitengraden häufigste Zeckenart ist der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus), der im Laufe seines Lebens die drei Entwicklungsstufen Larve, Nymphe und Adult durchläuft. Um die jeweils nächste zu erreichen, benötigt er je einen Wirt. Hier setzen die KIT-Forscher an: In verschiedenen Gegenden Baden-Württembergs wollen sie die Zecken von Mäusen – den häufigsten Wirtstieren der Larven – absammeln. Die Zecken werden vom Landesgesundheitsamt in Stuttgart auf Krankheitserreger (Pathogene) untersucht, die Mäuse werden markiert und wieder freigelassen. Einige Wochen später sollen in denselben Gebieten erneut Mäuse eingefangen werden. „Anhand der Anzahl der markierten, wiedergefangenen Mäuse lässt sich errechnen, wie viele potenzielle Wirtstiere in einem Gebiet leben“, erklärt KIT-Parasitologe Dr. Trevor Petney. „Wenn wir das oft und lange genug machen, wissen wir, wie leicht sich die Zecken dort infizieren können.“

Die Lebensdauer einer Zecke ist auch abhängig von klimatischen Bedingungen, der Bodenbeschaffenheit und der Vegetation. Die Geoökologen im Forschungsteam betreuen deshalb über zwanzig Stationen in ganz Baden-Württemberg. Dort messen sie unter anderem die Temperatur und Feuchtigkeit über und unter der Erdoberfläche und gleichen diese Daten mit der Zeckenpopulation ab. „So können wir herausfinden, wie sich die physisch-geographischen Eigenschaften einer bestimmten Umgebung auf die Zecken auswirken“, sagt Dr. Stefan Norra vom Institut für Geographie und Geoökologie. „Bislang dachte man immer, dass Zecken Feuchtigkeit brauchen. Aus einer unserer Vorstudien wissen wir aber, dass zuviel Feuchtigkeit offenbar auch nicht gut für sie ist.“

Das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg fördert das Vorhaben als BWPLUS-Projekt zum Thema „Ökologie von Zecken als Überträger von Krankheitserregern in Baden-Württemberg“. Das Projekt am KIT läuft zunächst bis Anfang 2014. Um belastbare Aussagen treffen zu können, soll es aber noch länger fortgeführt werden. Ziel der Wissenschaftler ist es, Zusammenhänge zwischen Zecken, Wirtstieren, Krankheitserregern, klimatischen Bedingungen, Boden und Vegetation aufzuzeigen. „Am Ende sollen Modelle stehen, die uns erlauben, zu sagen, aus welchem Grund in einer bestimmten Gegend häufiger Zecken vorkommen als anderswo und welche Krankheitserreger sie in sich tragen“, sagt KIT-Forscher Stefan Norra. Die Ergebnisse könnten nicht nur helfen, konkretere Impfempfehlungen herauszugeben. Trevor Petney hofft auch, dass sie zu einem gänzlich anderen Umgang mit der Zeckenproblematik führen: „In Deutschland müssen derzeit noch große Landstriche zu Zecken-Hochrisikogebieten erklärt werden. In den USA ist die Forschung bereits so weit, dass sehr feinskalierte und aktuelle Zeckenwarnungen gegeben werden können.“ In Zukunft sollten sich die Bürger auch in Deutschland auf Internetseiten oder per App darüber informieren können, ob ein Waldstück zu einem bestimmten Zeitpunkt als „zeckensicher“ gilt oder ob dort besondere Vorsicht geboten ist.

Das KIT-Zentrum Klima und Umwelt entwickelt Strategien und Technologien zur Sicherung der natürlichen Lebensgrundlagen: Dafür erarbeiten 660 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus 32 Instituten Grundlagen- und Anwendungswissen zum Klima- und Umweltwandel. Dabei geht es nicht nur um die Beseitigung der Ursachen von Umweltproblemen, sondern zunehmend um die Anpassung an veränderte Verhältnisse.

Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts nach den Gesetzen des Landes Baden-Württemberg. Es nimmt sowohl die Mission einer Universität als auch die Mission eines nationalen Forschungszentrums in der Helmholtz-Gemeinschaft wahr. Das KIT verfolgt seine Aufgaben im Wissensdreieck Forschung – Lehre – Innovation.

Weiterer Kontakt:

Margarete Lehné
Presse, Kommunikation und
Marketing
Tel.: +49 721 608-48121
Fax: +49 721 608-43658
E-Mail: margarete.lehne@kit.edu

Monika Landgraf | idw
Weitere Informationen:
http://www.kit.edu

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Müll in den Weltmeeren überall präsent: 1220 Arten betroffen
23.03.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

nachricht Internationales Netzwerk bündelt experimentelle Forschung in europäischen Gewässern
21.03.2017 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise