Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

WWF warnt: Ostsee in schlechtem Zustand

28.08.2008
Eingeleitete Nährstoffe sorgen für starkes Algenblühen

Die Maßnahmen zum Schutz der gefährdeten Ostsee sind in allen neun Anrainer-Staaten "mangelhaft". Zu diesem Ergebnis kommt ein heute beim Stockholmer Ostsee-Festival veröffentlichter Ländervergleich des WWF.

Darin untersucht der WWF die Fortschritte, die die Staaten im Kampf gegen die Zerstörung von Lebensräumen, die Überfischung, die Einleitung von Umweltgiften, die Folgen der Schifffahrt sowie bei der Einführung von Schutzgebieten erreicht haben. "Die Politik hat bislang in weiten Teilen versagt.

Die Regierungen gleichen Ärzten, die dem todkranken Patienten Ostsee trotz eindeutiger Diagnose die rettende Medizin verweigern", kritisiert Jochen Lamp, Leiter des WWF-Ostseebüros in Stralsund, im pressetext-Gespräch.

Das zweite Ostsee-Länderranking des WWF untersucht die bislang umgesetzten Maßnahmen zum Meeresschutz in Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Lettland, Litauen, Polen, Schweden und Russland. Bei einem ersten Vergleich, der im Sommer 2007 veröffentlicht wurde, hatte die Umweltstiftung den gesetzlichen Rahmen für den Ostseeschutz in den Ländern unter die Lupe genommen.

Das beste Ergebnis des neuen Staatenvergleichs erzielte Deutschland, das knapp die Hälfte der vom WWF geforderten Schutzmaßnahmen verwirklicht hat. Am Ende der Rangliste liegt Polen mit einer Umsetzungsquote von nur 25 Prozent. "Das Ergebnis ist sehr ernüchternd, weil kein Land die Ostsee umfassend schützt. Wir brauchen Bundesliga-Format, um dieses einzigartige Meer zu retten. Dass Deutschland jetzt Tabellenführer auf Kreisliganiveau ist, kann kein Ruhekissen sein", so Lamp. Handlungsbedarf bestehe vor allem in der Fischereipolitik, beim Kampf gegen Umweltgifte und bei der Regulierung der Schifffahrt.

Die Arten- und Lebensraumvielfalt der Ostsee stehe auf dem Spiel, warnt der WWF. Jedes Jahr werden über eine Mio. Tonnen Nährstoffe eingeleitet, die wie in diesem Jahr unnatürlich starke Algenblüten verursachen. Eine dramatische Folge: Schon auf 42.000 Quadratkilometern des Meeresbodens, einer Fläche von nahezu der Größe Dänemarks, herrscht dauerhaft Sauerstoffmangel. Ähnliche Prozesse lassen sich derzeit auch im Golf von Mexiko beobachten. Dort droht eine Fläche der Größe von Hessen zum sauerstoffarmen Gebiet zu verkommen (pressetext berichtete: http://pte.at/pte.mc?pte=080725021). "Durch das intensive Düngen in den Spätfrühlingsmonaten gelangen alljährlich große Mengen von Düngemittel in die Meere", erläutert Bernd Maierreimann vom Max-Planck-Institut Hamburg auf pressetext-Nachfrage.

Zahlreiche Meerestiere wie zum Beispiel der Schweinswal in der südlichen Ostsee sind gefährdet. Die Kapazität der Fangflotten liegt um 30 bis 40 Prozent über dem Niveau einer nachhaltigen Fischerei. Gesetzliche Regelungen greifen nicht, so wird etwa jeder zweite Dorsch illegal gefangen. Durch Schiffs-Ballastwasser wurden bereits mehr als 100 fremde Arten in die Ostsee eingeschleppt, die eine erhebliche Gefahr für heimische Arten und Lebensräume darstellen. "Seit geraumer Zeit gibt es bereits eine Ballastwasser-Konvention, doch ist diese in den meisten Anrainerstaaten noch immer nicht ratifiziert, unter anderem auch nicht von Deutschland", erläutert Lamp.

Die Belastung mit Umweltgiften wie Dioxin oder Polychlorierten Biphenylen (PCBs), die in Heringen oder Lachsen gemessen wird, liegt in einigen Regionen noch immer über den EU-Grenzwerten. Der Meeresexperte fügt aber hinzu, dass die Konzentration in den meisten Gebieten aber noch so niedrig sei, dass für den Menschen keine Gefahr bestehe. "Nur im Bottischen Meerbusen, zwischen Schweden und Finnland, ist die Belastung mittlerweile so hoch, dass dort gefangener Fisch nicht mehr in die EU importiert werden darf", sagt Lamp.

Trotz dieser alarmierenden Befunde sieht der WWF auch positive Entwicklungen. Deutschland hat bereits 40 Prozent seiner nationalen Gewässer unter Schutz gestellt. Litauen und Lettland gehen mit verschärften Kontrollen erfolgreich gegen kriminelle Fischer vor. Estland hat die Einleitung giftiger Substanzen in die Ostsee sogar erheblich gesenkt.

Erik Staschöfsky | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.wwf.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Von der Weser bis zur Nordsee: PLAWES erforscht Mikroplastik-Kontaminationen in Ökosystemen
20.09.2017 | Universität Bayreuth

nachricht Der Monsun und die Treibhausgase
18.09.2017 | Forschungszentrum Jülich

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg

22.09.2017 | Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe

22.09.2017 | Förderungen Preise

Lebendiges Gewebe aus dem Drucker

22.09.2017 | Biowissenschaften Chemie