Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wirtschaftsweg statt Wildwechsel - Bengalkatze profitiert von der Nutzung tropischer Wälder

30.01.2013
Die Bengalkatze scheint sich in Nutzwäldern wohl zu fühlen: Sie kommt dort häufiger vor als in vollständig naturbelassenen Lebensräumen.
Dies fanden Wissenschaftler unter der Leitung des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) in einer Studie heraus. Doch mit ihrer Fähigkeit, sich auch in gestörten Lebensräumen gut zurechtzufinden, ist die häufigste Katzenart Asiens eine Ausnahme unter den Raubtieren des tropischen Regenwaldes.

Katzen gehören zu den am besten erforschten Säugetierfamilien. Die meisten Studien befassen sich mit Großkatzen, wie Tigern, Jaguaren oder Löwen. Dagegen sind die Lebensgewohnheiten von kleinen Wildkatzen, insbesondere in Asien, oft unbekannt.

Bengalkatze mit ihrer Beute, fotografiert auf einem Forstwirtschaftsweg in Sabah, Malaysia.
Foto: Wilting & Mohamed, Sabah Wildlife Department, Sabah Forestry Department

Selbst über die zwei bis sieben Kilogramm schwere Bengalkatze gab es bislang kaum gesicherte Erkenntnisse, obwohl sie die am weitesten verbreitete Katze Asiens ist. Sie kommt mit sehr unterschiedlichen Lebensräumen zurecht: So lebt sie in tropischen Regenwäldern, in den Nadelwäldern des Himalaya sowie in Nutzwäldern. Sie kann im Tiefland leben, wurde aber auch schon im Himalaya in einer Höhe von über 3000 Metern beobachtet.

Aufgrund dieser weiten Verbreitung gilt die Bengalkatze, die wegen ihres Fellmusters auch Leopardkatze genannt wird, als nicht gefährdet. Doch wie wirkt sich die Störung der Lebensräume, zum Beispiel durch Holzeinschlag, auf die Population aus? Bisherige Studien hatten vor allem vollständig naturbelassene Lebensräume im Fokus.

Mithilfe von Kamerafallen beobachteten die Forscher, wie häufig Bengalkatzen in unterschiedlich stark genutzten Wäldern auf Borneo in Malaysia vorkommen. Dabei stellten sie fest, dass in den stärker genutzten und veränderten Wäldern mehr Bengalkatzen leben als in den naturnahen. Bei schonenderem Holzeinschlag gibt es höhere Bäume und die Baumkronen bilden häufiger ein geschlossenes Blätterdach. Je offener die Wälder jedoch durch intensive Nutzung waren, desto wohler schienen sich die Katzen zu fühlen. Die meisten Tiere gingen den Wissenschaftlern entlang von alten Forstwirtschaftswegen in die Fotofallen. Auf Wildwechseln unter geschlossenen Baumkronen ließen sich die Katzen dagegen nur sehr selten blicken.

Dass die Bengalkatze von den veränderten Lebensbedingungen profitiert, führt Dr. Andreas Wilting vom IZW vor allem auf die erhöhte Verfügbarkeit von Beutetieren zurück: „Auf dem Speisezettel stehen vor allem kleine Säugetiere wie Mäuse und Ratten. Viele dieser kleinen Säugetiere leben bevorzugt in dichtem Bodenbewuchs. Die Vegetation am Boden ist in offeneren Wäldern viel üppiger als unter einem geschlossenen Blätterdach.“ Möglicherweise profitiert die Bengalkatze auch direkt vom dichten Unterholz: Beim Anschleichen an die Beute ist sie besser getarnt und erfolgreicher bei der Jagd.

Ein Teil des Erfolgs könne aber auch im Misserfolg der anderen liegen, so Wilting. Im Primärwald oder weniger gestörten Wäldern kommen andere Raubtierarten, wie zum Beispiel der wesentlich größere Nebelparder, häufiger vor. Diese „Wald“-Arten treten jedoch viel seltener in den offeneren Lebensräumen auf. Die freien Lebensräume scheint die Bengalkatze auszunutzen.

Obwohl die Bengalkatze zu den wenigen Gewinnern der menschlichen Veränderungen in tropischen Regenwäldern gehört und diese Art im Moment nicht als bedroht gilt, sind die Wissenschaftler vorsichtig, ob sich die langfristigen Konsequenzen der Lebensraumveränderungen akkurat voraussagen lassen können. So bleibt Wilting skeptisch, ob die Bengalkatze auch in reinen Monokulturen wie Palmölplantagen überleben könnte: „Die Möglichkeit sich in den Wald zurückzuziehen scheint auch für die Bengalkatze von großer Bedeutung zu sein.“

Originalveröffentlichung:
Journal of Mammalogy, in press

Kontakt:
Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW)
Dr. Andreas Wilting
Tel.: (030) 5168-333
wilting@izw-berlin.de
Steven Seet (Pressesprecher)
Tel.: (030) 5168-125
seet@izw-berlin.de

Gesine Wiemer | Forschungsverbund Berlin e.V.
Weitere Informationen:
http://www.izw-berlin.de/
http://dx.doi.org/10.1644/11-MAMM-A-394.1

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Wasserqualität von Flüssen: Zusätzliche Reinigungsstufen in Kläranlagen lohnen sich
24.05.2017 | Eberhard Karls Universität Tübingen

nachricht Eisenmangel hemmt marine Mikroorganismen
19.05.2017 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften