Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wo die Wirtschaft floriert, überleben fremde Arten besser

08.06.2010
Invasive Pflanzen und Tiere profitieren von der Globalisierung: Weltweit dringen sie über Reise- und Handelsrouten in neue Gebiete vor und verdrängen einheimische Arten. Am erfolgreichsten breiten sie sich in wirtschaftlichen Ballungszentren aus. Dies hat ein internationales Forscherteam mit Berner Beteiligung herausgefunden.

Für die biologische Invasion nicht-einheimischer Tier- oder Pflanzenarten sind nicht etwa geografische oder klimatische Faktoren bestimmend – sondern der Faktor «Mensch», genauer: der wirtschaftliche Wohlstand eines Landes und dessen Bevölkerungsdichte. Dies hat eine internationale Forschergruppe mit Beteiligung des Instituts für Ökologie und Evolution der Universität Bern herausgefunden.

Damit wurde erstmals nachgewiesen, dass der menschgemachte Einfluss grösser ist als natürliche Einflüsse. «In reichen Ballungszentren sind die menschlichen Aktivitäten am höchsten – zum Beispiel Reisen mit Einfuhr und Freisetzung nicht-einheimischer Haustiere oder unbeabsichtigtes Einschleppen beim Handel mit Landwirtschaftsprodukten», erklärt Prof. Wolfgang Nentwig vom Berner Institut für Ökologie und Evolution.

In umfassenden Modellberechnungen kombinierten die Forschenden Daten zu invasiven Tier- und Pflanzenarten mit verschiedenen Faktoren, welche als förderlich für eine Ausbreitung dieser Arten in Europa gelten. Die Modelle zeigen: Für eine erfolgreiche Bio-Invasion braucht es zwar günstige natürliche Bedingungen – aber den Ausschlag geben ökonomische und demografische Faktoren. So war die Ausbreitung in stark besiedelten und wirtschaftlich reichen Gebieten mit mehr als 91.1 Einwohnern pro Quadratkilometer und einem Pro-Kopf-Einkommen von ungefähr USD 250'000 am höchsten. Am wenigsten fremde Arten fanden sich in Gebieten mit weniger als 8.5 Einwohnern pro Quadratkilometer, unabhängig vom dort herrschenden Wohlstand.

Bio-Invasion bekämpfen, ohne die Wirtschaft zu hemmen

Bevölkerungswachstum, Handel und Reichtum: Dies sind laut den Forschenden die Ursachen für die immer stärkere Einschleppung invasiver Arten. «Dies stellt uns vor grosse Herausforderungen», meint Wolfgang Nentwig. «Wie können die negativen Effekte von verstärktem Reise- und Handelsverkehr begrenzt werden, ohne das Wirtschaftswachstum zu hemmen?»

Laut den Forschenden liesse sich zum Beispiel der Marktpreis von «Risikoartikeln» wie neuen, gezielt eingeführten Heimtieren und Pflanzenarten verteuern – entsprechend den Folgekosten, die bei ihrer Freisetzung und Ausbreitung entstehen würden. International wäre dies aber nur schwer umsetzbar und würde zudem die Gefahr von Missbrauch bergen, um Protektionismus zu betreiben, so die Forschenden. Sie fordern daher die Politik zum Handeln auf. Bereits heute kostet die Bekämpfung invasiver Arten, etwa die Eindämmung von Schädlingen in der Landwirtschaft, die Europäische Union über 10 Milliarden Euro pro Jahr. «Es braucht eine Zusammenarbeit von wissenschaftlichen und politischen Institutionen, um diejenigen Einflüsse noch genauer zu bestimmen, welche die Bio-Invasion am meisten begünstigen», ist Nentwig überzeugt. Nur so könnten politische Akteure die Ausbreitung invasiver Arten abschätzen und bekämpfen, ohne ganze Wirtschaftszweige zu behindern.

Die internationale Studie erscheint im Fachjournal PNAS («Proceedings of the National Academy of Sciences») und ist ein Ergebnis des dreijährigen Projekts DAISIE («Delivering Alien Invasive Inventory for Europe»). DAISIE wird von der Europäischen Union in ihrem 6. Forschungsrahmenprogramm unterstützt.

Quellenangabe:
Pyšek P., Jarošík V., Hulme P.E., Kühn I., Wild J., Arianoutsou M., Bacher S., Chiron F., Didžiulis V., Essl F., Genovesi P., Gherardi F., Hejda M., Kark S., Lambdon P.W., Desprez-Loustau A.-M., Nentwig W., Pergl J., Poboljšaj K., Rabitsch W., Roques A., Roy D.B., Solarz W., Vilà M. & Winter M.: Disentangling the role of environmental and human pressures on biological invasions. – Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America, 2010, doi/10.1073/pnas.1002314107

Nathalie Matter | idw
Weitere Informationen:
http://www.unibe.ch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Paradiese in Gefahr: Bayreuther Studierende forschen auf den Malediven zu Plastikmüll in den Meeren
13.04.2017 | Universität Bayreuth

nachricht Ozeanversauerung: Wie individuell sind die Reaktionen?
06.04.2017 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunzellen helfen bei elektrischer Reizleitung im Herzen

Erstmals elektrische Kopplung von Muskelzellen und Makrophagen im Herzen nachgewiesen / Erkenntnisse könnten neue Therapieansätze bei Herzinfarkt und Herzrhythmus-Störungen ermöglichen / Publikation am 20. April 2017 in Cell

Makrophagen, auch Fresszellen genannt, sind Teil des Immunsystems und spielen eine wesentliche Rolle in der Abwehr von Krankheitserregern und bei der...

Im Focus: Tief im Inneren von M87

Die Galaxie M87 enthält ein supermassereiches Schwarzes Loch von sechs Milliarden Sonnenmassen im Zentrum. Ihr leuchtkräftiger Jet dominiert das beobachtete Spektrum über einen Frequenzbereich von 10 Größenordnungen. Aufgrund ihrer Nähe, des ausgeprägten Jets und des sehr massereichen Schwarzen Lochs stellt M87 ein ideales Laboratorium dar, um die Entstehung, Beschleunigung und Bündelung der Materie in relativistischen Jets zu erforschen. Ein Forscherteam unter der Leitung von Silke Britzen vom MPIfR Bonn liefert Hinweise für die Verbindung von Akkretionsscheibe und Jet von M87 durch turbulente Prozesse und damit neue Erkenntnisse für das Problem des Ursprungs von astrophysikalischen Jets.

Supermassereiche Schwarze Löcher in den Zentren von Galaxien sind eines der rätselhaftesten Phänomene in der modernen Astrophysik. Ihr gewaltiger...

Im Focus: Deep inside Galaxy M87

The nearby, giant radio galaxy M87 hosts a supermassive black hole (BH) and is well-known for its bright jet dominating the spectrum over ten orders of magnitude in frequency. Due to its proximity, jet prominence, and the large black hole mass, M87 is the best laboratory for investigating the formation, acceleration, and collimation of relativistic jets. A research team led by Silke Britzen from the Max Planck Institute for Radio Astronomy in Bonn, Germany, has found strong indication for turbulent processes connecting the accretion disk and the jet of that galaxy providing insights into the longstanding problem of the origin of astrophysical jets.

Supermassive black holes form some of the most enigmatic phenomena in astrophysics. Their enormous energy output is supposed to be generated by the...

Im Focus: Neu entdeckter Exoplanet könnte bester Kandidat für die Suche nach Leben sein

Supererde in bewohnbarer Zone um aktivitätsschwachen roten Zwergstern gefunden

Ein Exoplanet, der 40 Lichtjahre von der Erde entfernt einen roten Zwergstern umkreist, könnte in naher Zukunft der beste Ort sein, um außerhalb des...

Im Focus: Resistiver Schaltmechanismus aufgeklärt

Sie erlauben energiesparendes Schalten innerhalb von Nanosekunden, und die gespeicherten Informationen bleiben auf Dauer erhalten: ReRAM-Speicher gelten als Hoffnungsträger für die Datenspeicher der Zukunft.

Wie ReRAM-Zellen genau funktionieren, ist jedoch bisher nicht vollständig verstanden. Insbesondere die Details der ablaufenden chemischen Reaktionen geben den...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

3. Bionik-Kongress Baden-Württemberg

24.04.2017 | Veranstaltungen

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungen

Baukultur: Mehr Qualität durch Gestaltungsbeiräte

21.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

1. Essener Gefahrguttage am 19.-20. September 2017 mit fachbegleitender Ausstellung

24.04.2017 | Seminare Workshops

Laserstrukturierung verbessert Haftung auf Metall und schont die Umwelt

24.04.2017 | Maschinenbau

Forscherteam der Universität Bremen untersucht Korallenbleiche

24.04.2017 | Biowissenschaften Chemie