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Winzige Helfer gegen die Ölpest

01.10.2010
Renommierte Meeresbiologin berichtet über Forschungen von aktueller Bedeutung / Autorenbeiträge aus allen Wissenschaftsbereichen / Im Fokus: 20 Jahre Graduiertenkollegs

Die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko hat die Welt monatelang in Atem gehalten. Was hilft, den noch immer unabsehbaren Folgen des Öko-Gaus zu begegnen? Und welche Rolle können im Kampf gegen die Verschmutzung ölfressende Mikroorganismen spielen?

Die neueste Ausgabe der „forschung“ – Magazin der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) – gibt dazu differenzierte Antworten und Einschätzungen. Die renommierte Geomikrobiologin und Leibniz-Preisträgerin Professor Antje Boetius von der Universität Bremen berichtet von ihren langjährigen international vernetzten Studien zur Ökologie und Biogeochemie von Gas- und Ölquellen in der Tiefsee. Auch im Golf von Mexiko sind die Meeresforscher schon lange gefräßigen Bakterien auf der Spur. Ihre Forschungsergebnisse sind nun von besonders aktueller Bedeutung.

Nur wenig bekannt – und angesichts der Ökokatastrophe nun in neuem Licht erscheinend – ist, dass es im Golf von Mexiko mindestens 1000 natürliche Ölquellen gibt. Aus ihnen treten Tag für Tag insgesamt bis zu 200 Tonnen Erdöl aus. Schon bei dieser „natürlichen“ Verschmutzung, so Antje Boetius in ihrem Beitrag, tragen Mikroorganismen dazu bei, dass sich das Öl nicht in den Meeren und an den Stränden ansammelt. Von besonderer Bedeutung ist dabei der aerobe mikrobielle Abbauweg, bei dem zunächst Sauerstoff in Kohlenwasserstoffe eingebaut wird und die entstehenden Fettsäuren als Energiequelle schließlich „veratmet“ werden. Ist kein Sauerstoff mehr vorhanden, kommen anaerobe, sehr langsam wachsende Bakterien zum Zuge, die aus dem Sulfat des Meerwassers giftigen Schwefelwasserstoff bilden.

Diese beiden mikrobiellen Abbauwege spielen auch eine wichtige Rolle nach dem Untergang der „Deepwater Horizon“-Plattform, durch den täglich etwa 10 000 Tonnen Erdöl und -gas ins Meer entwichen. Allerdings sollte, so ein Fazit des Boetius-Beitrags, der Wirkungsgrad der ölfressenden Bakterien bei Verschmutzungen dieser Größenordnung realistisch beurteilt werden.

Wie der Beitrag von Antje Boetius stammen auch die anderen Hauptartikel der neuen „forschung“ aus der Feder von DFG-geförderten Forscherinnen und Forschern. Das Themenspektrum reicht dieses Mal von den Mikroorganismen der Tiefsee über ein innovatives Datenbanksystem für historische Bauwerke und archäologische Grabungen im ägyptischen Athribis bis hin zum Lachen bei Mensch und Tier. Alle Artikel sind für ein breiteres, an Wissenschaft und Forschung interessiertes Publikum geschrieben.

Über die Autorenbeiträge hinaus fragt das Magazin in einem redaktionellen Schwerpunkt nach Bilanz und Perspektiven der Doktorandenausbildung in Deutschland. Anlass ist der 20. Geburtstag der DFG-geförderten Graduiertenkollegs. DFG-Vizepräsidentin Professor Dorothea Wagner zeichnet in einem forschungspolitischen Kommentar die Entwicklung dieses Erfolgsmodells nach und plädiert für eine stärkere Vernetzung unter den aktuell 218 Kollegs. Ein zweiter Beitrag befasst sich am Beispiel des Internationalen Graduiertenkollegs „Politische Kommunikation von der Antike bis ins 20. Jahrhundert“ an der Universität Frankfurt/Main mit der immer wichtigeren internationalen Ausrichtung der Doktorandenausbildung.

Ein weiterer redaktioneller Schwerpunkt gilt der Berichterstattung zur DFG-Jahresversammlung in Berlin, ergänzt um die im Wortlaut dokumentierte Rede von DFG-Präsident Professor Matthias Kleiner zum „Erkenntnistransfer“, den Deutschlands zentrale Forschungsförderorganisation künftig in allen Wissenschaftsbereichen intensivieren will.

„forschung“, das Magazin der Deutschen Forschungsgemeinschaft, erscheint vierteljährlich mit einer Auflage von 48 000 Exemplaren und erreicht Leser in Hochschulen und Forschungseinrichtungen, in Politik, Medien und der allgemeinen Öffentlichkeit. Ihr dreimal jährlich publiziertes englischsprachiges Pendant „german research“ wird in 130 Ländern der Erde verbreitet und macht die Bandbreite und Qualität DFG-geförderter Grundlagenforschung auch im internationalen Raum sichtbar.

Weiterführende Informationen

„forschung“ 3/2010 kann kostenlos beim Bereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der DFG bestellt werden (Michael.Hoenscheid@dfg.de; Tel. 0228 885-2109).

Neben der Printausgabe steht eine Onlineversion zur Verfügung, die unter
www.dfg.de/dfg_magazin/wissenschaft_oeffentlichkeit/forschung/index.jsp
eingesehen und heruntergeladen werden kann.
In der Redaktion der „forschung“ stehen als Ansprechpartner zur Verfügung:
Marco Finetti, Chefredakteur, Tel. 0228 885-2230, Marco.Finetti@dfg.de
Dr. Rembert Unterstell, Chef vom Dienst, Tel. 0228 885-2275, Rembert.Unterstell@dfg.de

Dr. Rembert Unterstell | idw
Weitere Informationen:
http://www.dfg.de
http://www.dfg.de/dfg_magazin/wissenschaft_oeffentlichkeit/forschung/index.jsp

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