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Wildtierfleisch aus den Tropen – das unterschätzte Risiko für Infektionskrankheiten

11.11.2011
Der Handel mit Wildtierfleisch aus Regenwäldern oder Savannen, dem so genannten Bushmeat, gefährdet nicht nur einzelne Arten. Er fördert auch die Ausbreitung gefährlicher Infektionskrankheiten wie Malaria, Ebola- oder SARS. Natürliche Feinde von Überträgern, wie etwa Frösche gegen Stechmücken, fallen weg. Oder aber der Verzehr des Fleisches selbst führt zur Infektion.

Die Gesundheit der Menschen ist also ein weiterer guter Grund, natürliche Ökosysteme zu schützen. Der nachhaltige Umgang mit den Naturressourcen, insbesondere "Bushmeat", wird eines der Themen der Vertragsstaatenkonferenz der CBD im kommenden Jahr sein. Interdisziplinäre Forschungsprojekte in Afrika mit deutscher Beteiligung beschäftigen sich mit der Frage, wie Krankheitserreger verbreitet werden und wie sie Artgrenzen überschreiten. NeFo hat den Stand der Forschung für die COP11-Vorbereitungskonferenz, der SBSTTA 15, als Faktenblatt zusammengestellt.

Lautlos und unauffällig fliegen sie durch die Lüfte. Gefangen in feinmaschigen Netzen werden sie später lebend oder tot in großer Zahl auf afrikanischen Straßenmärkten als traditionelles „Bushmeat“ zum Verkauf angeboten: Fledermäuse. In vielen Ländern Afrikas gelten sie als besonders gesundes proteinreiches Fleisch, das billig und einfach gejagt werden kann. Viele Wissenschaftler sehen sie jedoch als Reservoir gefährlicher Krankheitserreger wie Ebola- oder SARS-Viren. Immer häufiger finden Wissenschaftler Belege dafür, dass Fledermäuse die Wiege menschlicher Krankheitserreger sein können. Auffällig ist, dass Virusinfektionen in Afrika und Asien besonders häufig in Gegenden auftreten, in denen ein enger Kontakt zu diesen Tieren besteht oder diese auf dem Speiseplan der lokalen Bevölkerung stehen. Fledermäuse sind, genau wie der Mensch, Säugetiere und Warmblüter. Durch eine relativ ähnlichen Stoffwechsel können die Viren besonders leicht ihren Wirt wechseln. Zwar sind die meisten der in den Tieren vorhanden Viren eher harmlos. Doch sie können sich zu gefährlichen Krankheitserregern entwickeln und so auch zur Gefahr für den Menschen werden. Und das tritt mit steigender Tendenz auf.

Wissenschaftler der Universität Ulm vermuten anhand ihrer Beobachtungen in einem großangelegten deutsch-ghanaischen Fledermaus-Projekt einen Zusammenhang zwischen der zunehmenden Abholzung des dortigen Regenwaldes und der Verbreitung von Viren. “Wir gehen davon aus, dass durch Rodung den Fledermäusen beispielsweise Rastplätze verloren gehen. Das erhöht den Stress und macht die Tiere womöglich anfälliger für Viren und damit auch gefährlicher für den Menschen”, sagt Dr. Stefan Klose, Leiter des Fledermaus-Projektes.

Mehr zum deutsch-ghanaischen Fledermausprojekt: http://www.coronavirus.org/index.php?id=38

Daraus zu folgern, die Fledermäuse nun bekämpfen oder gar ausrotten zu müssen, wäre jedoch fatal. Die Tiere haben ganz wesentliche Funktionen im Ökosystem. Indem sie Insekten fressen, verhindern sie nicht nur, dass über Nacht die Bäume kahl gefressen würden. Sie halten auch die Moskitozahl in Schach, ohne sie würden diese explodieren und mit ihr das Risiko für Malariainfektionen. Ähnliche Funktionen haben Frösche in Binnengewässern. In Westafrika werden sie inzwischen massenweise gehandelt und verschwinden mehr und mehr aus den Binnengewässern. Wissenschaftler konnten zeigen, dass sich aufgrund der schrumpfenden Frosch- und damit Jägerpopulationen die Zahl an Moskitos stark erhöht hat.

Viele neuartige Infektionskrankheiten stammen von Wildtieren

Seit jeher ist das Fleisch wilder Tiere besonders in den ländlichen Regionen traditionell ein wesentlicher Bestandteil der afrikanischen Küche. Doch das frühere Ausmaß der Wildtierjagd ist nicht mit dem heutigen vergleichbar. In manchen Entwicklungsländern macht das Fleisch von Antilopen, Ratten, Affen, Stachelschweinen, Elefanten, Büffel sowie Reptilien, Schlangen, Fröschen und Vögeln bis zu 70 Prozent der Eiweißversorgung bei. Seitdem immer mehr wohlhabende Schichten in den Großstädten und westlichen Ländern Bushmeat als exotische Delikatesse ansehen und die Wilderer heute mit modernen Waffen ausgestattet sind, haben die Jagd auf Wildtierfleisch und dessen Handel massiv zugenommen. Das Bevölkerungswachstum gerade in Afrika verschärft das Problem.

Bereits heute sind gefährliche Infektionskrankheiten auf Bushmeat zurückzuführen. Bushmeat unterliegt nicht der bei uns üblichen tierärztlichen Kontrollen. Auch die wachsende lokale Bevölkerung, die zunehmend in den Regenwald vordringt, trägt entscheidend zu dieser Entwicklung bei. Viele der neuartigen Infektionskrankheiten wie Ebolafieber oder SARS stammen daher ursprünglich von Wildtieren. Prominentestes Beispiel hierfür ist vermutlich die Übertragung des AIDS-Virus HIV, eine veränderte Form des ähnlichen Affenvirus SIV, vom Affen auf den Menschen. Wurden diese einmal auf den Menschen übertragen, können sie sich in unserer globalisierten Welt rasant ausbreiten.

Bisher ist nur wenig über die in Bushmeat lauernden Krankheitserreger und die Gefahr für den Menschen bekannt. Fest steht aber, dass ein deutlicher Zusammenhang zwischen der Jagd auf Bushmeat, dem Verlust der Biodiversität und der Übertragung gefährlichen Infektionskrankheiten vom Wildtier auf den Menschen besteht. Ein Zusammenhang, dem es genauer auf den Grund zu gehen gilt. Daher hat ihn nun die CBD (Convention on Biological Diversity), das internationale Abkommen zum Schutz der biologischen Vielfalt, mit besonderem Nachdruck auf ihre Agenda zur nächsten Vertragsstaatenkonferenz im Oktober 2012 in Hyderabad gesetzt. Ziel soll es dabei sein, nicht nur strengere Standards und Kontrollen im Handel mit Bushmeat durchzusetzen, sondern auch mögliche Alternativen zur Jagd auf Wildtierfleisch für die lokale Bevölkerung aufzuzeigen. Um den Eiweißbedarf zu decken, die Wildtierpopulationen zu schonen und die Gefahr vor Krankheitserregern einzudämmen, müssen daher alternative Proteinquellen gefunden werden.

Insekten – nachhaltiges Bushmeat und alternative Proteinquelle

Großes Potential für die zukünftige Einweißversorgung wird dabei in Insekten gesehen. Sie sind reich an vielen wichtigen Nährstoffen, Fetten und Proteinen und damit ausgezeichnet dafür geeignet, die von Kochbananen und Maniok dominierte, proteinarme afrikanische Küche zu ergänzen. In vielen Ländern Afrikas haben sie bereits eine lange Tradition als günstige Proteinquelle und gelten vielerorts als wahre Delikatesse.

So wirbt auch die Welternährungsorganisation FAO für eine Sicherung der weltweiten Nahrungsversorgung durch Insekten. Dabei sieht sie das größte Problem in der vielerorts herrschenden kulturellen Ablehnung. Daher bemüht sie sich weltweit um mehr Akzeptanz von Käfern, Schmetterlingen, Bienen, Wespen, Ameisen, Heuschrecken, Termiten und Zikaden als Nahrungsmittel. Letztendlich sähen diese nicht mehr oder weniger unappetitlich als gegrillte Garnelen aussehen. In Entwicklungsländern sei eine Rückbesinnung auf diese wichtige Nahrungsquelle erforderlich, während in der westlichen Welt Verarbeitungstechnologien entwickelt werden sollten, so die Strategie der FAO. Denn bei Erfolg wären die Aussichten vielversprechend: Eine ausgewogene, einfach und günstig zu realisierende Ernährung bei gleichzeitiger Erhaltung der Artenvielfalt.

Verena Müller | idw
Weitere Informationen:
http://www.biodiversity.de/index.php/de/fuer-presse-medien/top-themen-biodiversitaet/2248-wildtierfleisch-aus-den-tropen

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