Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wildkatze braucht eine Zukunft durch mehr Schutz ihrer Kernlebensräume

31.08.2009
Deutschlandweiter Aktionsplan soll Tierbestände wieder vereinigen - Viele Einzelmaßnahmen - DBU fördert

"Die Wildkatze braucht eine Zukunft in unserem Land durch mehr Schutz ihrer Kernlebensräume in Deutschlands Wäldern!" Das erklärte Hubert Weinzierl, Vorsitzender des Kuratoriums der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), heute in Frankfurt anlässlich der Vorlage eines Aktionsplanes für die Wildkatze in Deutschland.

Neben strengen Schutzmaßnahmen gelte es, die vorhandenen und zum Teil isolierten Wildkatzen-Bestände wieder so zu vereinigen, dass es zu einer ungehinderten Fortpflanzung zwischen den Hauptvorkommen in West- und Mitteldeutschland kommen könne, so Weinzierl weiter. Der Wildkatzenaktionsplan sieht umfangreiche Einzelmaßnahmen vor wie sichere Querungshilfen und Leitsysteme an Straßen und für Landwirtschaftsflächen für wandernde Tiere und soll alle fünf Jahre auf seine Wirksamkeit hin überprüft und entsprechend angepasst werden.

Der Aktionsplan benennt daher zum Erreichen dieses Oberziels folgende Teilschritte als Priorität:

o Sicherung und Vernetzung bestehender Wildkatzenvorkommen durch
Schutz der Kernlebensräumen in den Hauptverbreitungsgebieten insbesondere Pfälzerwald, Bienwald, Hunsrück, Taunus, Eifel Rothaargebirge, Harz, Kellerwald, Hainich;

o Schutz und Aufwertung des Lebensraumes durch verbesserten Wildkatzenschutz in den Verbindungsbereichen wie etwa dem nordhessisches Bergland, Südharz, Hainleite, Hohe Schrecke und Finne, Kyffhäuser, Solling, Kaufunger Wald, Thüringer Wald, Meißner, Ringgau, Vogelsberg, Rhön, Spessart, Odenwald, Steigerwald, Vorderer Bayerischer Wald und Schwarzwald;

o Aufhebung trennender Wirkungen von Verkehrswegen oder Verbesserung der Biotopstrukturen in den Landwirtschaftflächen, so dass sie kein Querungshindernis für Wildkatzen darstellen und somit zur verbesserten Landschaftsdurchlässigkeit für die Wildkatze beitragen;

o Monitoring der Wildkatzenbestände in Deutschland zur Erkennung positiver oder negativer Entwicklungstrends;

o Verringerung der Zahl toter Tiere im Straßenverkehr; hierzu sind in ausreichendem Maße Über- und Unterführungen zu planen und Leitsysteme, die wandernde Wildkatze zu diesen sicheren Querungshilfen leiten;

o Verbesserung der Kenntnisse zur Biologie und Ökologie der Wildkatze;

o Verbesserung von Kenntnis, Popularität und Akzeptanz des Wildkatzenschutzes;

o Verhinderung der Kreuzung von Wildkatzen mit Hauskatzen;
Ferner sollen Referenzgebiete ausgewiesen werden, in denen die ungestörte Entwicklung von Wildkatzen beobachtet werden kann, um daraus Schlüsse für weitere lebensraumverbessernde Maßnahmen ziehen zu können.
Mit Förderung der DBU und der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt (ZGF) arbeitet der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) seit Jahren an einem Rettungsnetz für die Wildkatze. Im Rahmen eines internationalen Wildkatzen-Symposium 2008 mit dem Titel "Zukunft der Wildkatze in Deutschland" auf Schloss Wiesenfelden hatten die Beate und Hubert Weinzierl Stiftung, die DBU und die ZGF zusammen mit zahlreichen Experten den derzeitigen Wissenstand zur Wildkatze in Deutschland zusammengetragen. Im Nachgang zur Tagung wurde nun auf der Basis aktueller Erkenntnisse, mit breiter Beteiligung zahlreicher Fachleute, ein Aktionsplan zum Schutz der Wildkatze in Deutschland erarbeitet. Er benennt sehr konkrete Ziele und Maßnahmen, um die Wildkatze als Zielart für intakte und vernetzte Waldlebensräume in Deutschland möglichst wirksam zu schützen. Damit liefert der Aktionsplan das nötige "Handwerkszeug", um lokal, regional und national wirksame Schutzmaßnahmen umzusetzen - für einen Biotopverbund, welcher der ganzen Wald-Lebensgemeinschaften dient.

Wildkatzen sind schwer nachzuweisen - sie leben heimlich und lassen sich in freier Wildbahn optisch nicht sicher von wildfarbenen Katzen unterscheiden, erläuterte Wolfgang Fremuth von der ZGF: "Sie galten bisher aufgrund ihrer Lebensweise in vielen Waldgebieten Deutschlands als ausgestorben, verschwunden oder schlicht als unbekannt. Erste Wiederansiedlungen in Deutschland liegen 30 Jahre zurück." Doch erst in den letzten Jahren sei die Wildkatze verstärkt in das Interesse des Naturschutzes gerückt: Forschungs- und Schutzprojekte hätten neue Erkenntnisse zur Verbreitung, Ökologie und Gefährdung der Wildkatze gebracht. Die Fauna, Flora und Habitat-Richtlinie der EU fordert ihren konsequenten Schutz.

Der Tagungsband mit Aktionsplan für die Wildkatze mit den Titel "Zukunft der Wildkatze in Deutschland" ist erschienen im Erich Schmidt Verlag (Berlin), ausgestattet mit Farbabbildungen und einer CD mit umfangreichen Zusatzinformationen, und kann über den Buchhandel bezogen werden (ISBN 978 3 503 11659 1).

Franz-Georg Elpers | idw
Weitere Informationen:
http://www.dbu.de/123artikel29142_106.html
http://www.dbu.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Dünenökosysteme modellieren
23.06.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Es wird zu bunt im Gillbach: Weitere nichtheimische Buntbarschpopulation in Deutschland nachgewiesen
22.06.2017 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schnelles und umweltschonendes Laserstrukturieren von Werkzeugen zur Folienherstellung

Kosteneffizienz und hohe Produktivität ohne dabei die Umwelt zu belasten: Im EU-Projekt »PoLaRoll« entwickelt das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT aus Aachen gemeinsam mit dem Oberhausener Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheit- und Energietechnik UMSICHT und sechs Industriepartnern ein Modul zur direkten Laser-Mikrostrukturierung in einem Rolle-zu-Rolle-Verfahren. Ziel ist es, mit Hilfe dieses Systems eine siebartige Metallfolie als Demonstrator zu fertigen, die zum Sonnenschutz von Glasfassaden verwendet wird: Durch ihre besondere Geometrie wird die Sonneneinstrahlung reduziert, woraus sich ein verminderter Energieaufwand für Kühlung und Belüftung ergibt.

Das Fraunhofer IPT ist im Projekt »PoLaRoll« für die Prozessentwicklung der Laserstrukturierung sowie für die Mess- und Systemtechnik zuständig. Von den...

Im Focus: Das Auto lernt vorauszudenken

Ein neues Christian Doppler Labor an der TU Wien beschäftigt sich mit der Regelung und Überwachung von Antriebssystemen – mit Unterstützung des Wissenschaftsministeriums und von AVL List.

Wer ein Auto fährt, trifft ständig Entscheidungen: Man gibt Gas, bremst und dreht am Lenkrad. Doch zusätzlich muss auch das Fahrzeug selbst ununterbrochen...

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Marine Pilze – hervorragende Quellen für neue marine Wirkstoffe?

28.06.2017 | Veranstaltungen

Willkommen an Bord!

28.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

EUROSTARS-Projekt gestartet - mHealth-Lösung: time4you Forschungs- und Entwicklungspartner bei IMPACHS

28.06.2017 | Unternehmensmeldung

Proteine entdecken, zählen, katalogisieren

28.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neue Scheinwerfer-Dimension: Volladaptive Lichtverteilung in Echtzeit

28.06.2017 | Automotive