Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie geht es weiter mit der NAO? - Neue statistische Analysen zeigen Verlust an Vorhersagbarkeit

04.11.2014

In einem kürzlich in der Zeitschrift frontiers in ecology and evolution erschienenen Artikel zeigen der Warnemünder Ozeanograph Joachim Dippner und seine Koautorinnen Caroline Möller, IOW, und Ingrid Kröncke, Senckenberg am Meer, anhand statistischer Analysen, dass die enge Kopplung zwischen Klimadaten und biologischen Daten, wie sie für die Periode von 1977 bis 2000 zutraf, in den folgenden Jahren nicht mehr nachweisbar ist.

Die Nordatlantische Oszillation (NAO), das Wechselspiel zwischen Azorenhoch und Islandtief, ist das Klimaphänomen, das das winterliche Wetter auf der Nordhalbkugel entscheidend beeinflusst. Bereits seit den 1990er Jahren ist bekannt, dass vier unterschiedliche Modi auftreten können:

(1) eine positive NAO Phase, in der eine verstärkte Westdrift milde und feuchte Luft nach Europa lenkt, (2) eine negative NAO Phase mit ausgeprägten Ostwindlagen und kalten Wintern in Europa sowie zwei blockierenden Großwetterlagen über (3) Skandinavien und (4) Westeuropa.

Durch statistische Analysen meteorologischer Daten seit 1950 heben sich aus den langen Messreihen Phasen einheitlicher Klimaregime deutlich heraus. Joachim Dippner und seine Koautorinnen haben sich insbesondere drei Perioden angesehen: ein Regime von 1977 bis 1988 mit überwiegend NAO- Modi, ein NAO+ Regime von 1989 bis 2000 sowie die Phase danach bis 2013. Parallel untersuchten sie Veränderungen in dominanten Arten und taxonomischen Gruppen der benthischen Makrofauna sowie in der Struktur der benthischen Gemeinschaft in der südlichen Nordsee vor Norderney.

Das Ergebnis zeigt, dass sich die Sprünge zwischen den beiden Regimen NAO+ und NAO- – auch Regimeshifts genannt – auch in Veränderungen im Benthos, den am und im Meeresboden lebenden marinen Lebensgemeinschaften, widerspiegeln. Den klimatischen Regimeshifts folgten also die biologischen. Die Vorhersagbarkeit von biologischen Veränderungen anhand der NAO-Entwicklung war entsprechend gut.

Nach 2000 ändert sich jedoch das Bild: ein persistentes NAO-Regime lässt sich nicht mehr feststellen. Die AutorInnen sprechen von einem chaotischen Verhalten der NAO. Parallel treten in den benthischen Gemeinschaften abrupt starke Veränderungen auf. Sie lassen sich nicht mehr einem dominanten NAO-Modus zuordnen. Damit sind zukünftige Szenarien zur Entwicklung von Ökosystemen deutlich schwerer vorhersagbar.

Die beschriebenen Ergebnisse entstammen der folgenden Publikation: Dippner, J. W., C. Möller and I. Kröncke (2014). Loss of persistence of the North Atlantic Oscillation and its biological implication. Front. ecol. evol. 2: 57, doi:10.3389/fevo.2014.00057

Kontakt:
PD Dr. Joachim Dippner, Sektion Biologische Meereskunde, Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde, Tel.: 0381 5197 229

Dr. Barbara Hentzsch, Öffentlichkeitsarbeit, Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde, Tel.: 0381 5197 102

Das IOW ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft, zu der zurzeit 89 Forschungsinstitute und wissenschaftliche Infrastruktureinrichtungen für die Forschung gehören. Die Ausrichtung der Leibniz-Institute reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Sozial- und Raumwissenschaften bis hin zu den Geisteswissenschaften. Bund und Länder fördern die Institute gemeinsam. Insgesamt beschäftigen die Leibniz-Institute etwa 17.200 MitarbeiterInnen, davon sind ca. 8.200 WissenschaftlerInnen, davon wiederum 3.300 NachwuchswissenschaftlerInnen. Der Gesamtetat der Institute liegt bei mehr als 1,5 Mrd. Euro, die Drittmittel betragen etwa 330 Mio. Euro pro Jahr. http://www.leibniz-gemeinschaft.de

Dr. Barbara Hentzsch | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Müll in den Weltmeeren überall präsent: 1220 Arten betroffen
23.03.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

nachricht Internationales Netzwerk bündelt experimentelle Forschung in europäischen Gewässern
21.03.2017 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise