Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Widersprüche zwischen Chinas Wachstums- und Klimapolitik

06.10.2014

Internationales Forscherteam untersucht Anstieg der Emissionen in China – Ziele verfehlt

Um weiteres Wirtschaftswachstum und eine Reduzierung der Armut nicht zu gefährden, hat sich China bisher nicht bereit erklärt, ein verbindliches Ziel zur Reduktion der CO2-Emissionen festzulegen.


Eine Zementfabrik in der chinesischen Provinz Kunming. China ist seit 2009 das Land mit den größten CO2-Emissionen. Foto: Paula Liersch

Gleichzeitig hatte sich das Land aber das Ziel gesetzt, von 2005 bis 2010 die Emissionsintensität der Wirtschaft – das heißt die Emissionen pro Dollar Wirtschaftskraft – um 40 bis 45 Prozent zu senken.

Ein internationales Forscherteam mit Beteiligung der Universität Göttingen hat allerdings herausgefunden, dass die Emissionsintensität der Wirtschaft Chinas zwischen 2002 und 2009 sogar um drei Prozent zugenommen hat, statt wie geplant stetig abzunehmen. 

China ist seit 2009 das Land mit den größten CO2-Emissionen und das Wachstum der Emissionen dort ist weiterhin enorm. Um ein weiteres Wirtschaftswachstum und eine Reduzierung der Armut nicht zu gefährden, hat sich China bisher nicht bereit erklärt, ein verbindliches Ziel zur Reduktion der CO2-Emissionen festzulegen.

Gleichzeitig hatte sich das Land aber das Ziel gesetzt, von 2005 bis 2010 die Emissionsintensität der Wirtschaft – das heißt die Emissionen pro Dollar Wirtschaftskraft – um 40 bis 45 Prozent zu senken. Ein internationales Forscherteam mit Beteiligung der Universität Göttingen hat allerdings herausgefunden, dass die Emissionsintensität der Wirtschaft Chinas zwischen 2002 und 2009 sogar um drei Prozent zugenommen hat, statt wie geplant stetig abzunehmen. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Nature Climate Change erschienen.

„Eine Reduzierung der Emissionsintensität kann erreicht werden, indem Energie effizienter genutzt wird, auf erneuerbare Energiequellen gesetzt wird oder Wirtschaftssektoren gefördert werden, die wenig Emissionen verursachen“, erklärt Prof. Stephan Klasen, Ph.D , Göttinger Entwicklungsökonom und Mitautor der Studie.

Allerdings hat es seit 2005 keine Fortschritte in diese Richtung gegeben. Gemeinsam mit Forschern aus den USA, China und Großbritannien, hat Prof. Klasen untersucht, wie es zu dieser Verschlechterung kommen konnte. Die Autoren stellten fest, dass die Energienutzung in vielen Wirtschaftssektoren in Chinas Provinzen zwar effizienter gestaltet wurde.

„Die Verbesserung der Effizienz wurde aber in vielen Provinzen überkompensiert durch eine Verlagerung der Produktionsstruktur hin zu Sektoren, die besonders viele Emissionen generieren, wie beispielsweise die Schwer- und Bauindustrie oder der Energiesektor“, so Prof. Klasen.

Diese Verlagerung wurde durch die Wachstums- und Investitionsstrategien der Provinzen gefördert. Die Analysen zeigen, dass vor allem Sektoren gefördert wurden, die einen großen Anteil an der Wirtschaftskraft der Provinzen ausmachten. Leider waren dies häufig die emissionsintensiven Sektoren.

„Durch diese auf quantitatives Wachstum orientierte Politik der Provinzen wurde das Ziel, die Emissionen pro Wirtschaftseinheit zu verringern, konterkariert. China wird so seine Klimaziele nicht erreichen“, sagt Prof. Klasen. Es müssen viel mehr Anreize gesetzt werden, um die in der Produktion verwendete Energie effizienter zu nutzen und weniger Emissionen im Produktionsprozess zu generieren.

Originalveröffentlichung: Dabo Guan et al. Determinants of stagnating carbon intensity in China, Nature Climate Change, http://dx.doi.org/10.1038/nclimate2388.

Kontaktadresse:
Prof. Stephan Klasen, Ph.D.
Georg-August-Universität Göttingen
Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät
Professur für Volkswirtschaftstheorie und Entwicklungsökonomik
Platz der Göttinger Sieben 3, 37073 Göttingen
Telefon (0551) 39-7303
E-Mail: sklasen@uni-goettingen.de
Internet: http://www.uni-goettingen.de/de/64094.html

Weitere Informationen:

http://dx.doi.org/10.1038/nclimate2388

Thomas Richter | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Von der Weser bis zur Nordsee: PLAWES erforscht Mikroplastik-Kontaminationen in Ökosystemen
20.09.2017 | Universität Bayreuth

nachricht Der Monsun und die Treibhausgase
18.09.2017 | Forschungszentrum Jülich

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die schnellste lichtgetriebene Stromquelle der Welt

Die Stromregelung ist eine der wichtigsten Komponenten moderner Elektronik, denn über schnell angesteuerte Elektronenströme werden Daten und Signale übertragen. Die Ansprüche an die Schnelligkeit der Datenübertragung wachsen dabei beständig. In eine ganz neue Dimension der schnellen Stromregelung sind nun Wissenschaftler der Lehrstühle für Laserphysik und Angewandte Physik an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) vorgedrungen. Ihnen ist es gelungen, im „Wundermaterial“ Graphen Elektronenströme innerhalb von einer Femtosekunde in die gewünschte Richtung zu lenken – eine Femtosekunde entspricht dabei dem millionsten Teil einer milliardstel Sekunde.

Der Trick: die Elektronen werden von einer einzigen Schwingung eines Lichtpulses angetrieben. Damit können sie den Vorgang um mehr als das Tausendfache im...

Im Focus: The fastest light-driven current source

Controlling electronic current is essential to modern electronics, as data and signals are transferred by streams of electrons which are controlled at high speed. Demands on transmission speeds are also increasing as technology develops. Scientists from the Chair of Laser Physics and the Chair of Applied Physics at Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) have succeeded in switching on a current with a desired direction in graphene using a single laser pulse within a femtosecond ¬¬ – a femtosecond corresponds to the millionth part of a billionth of a second. This is more than a thousand times faster compared to the most efficient transistors today.

Graphene is up to the job

Im Focus: LaserTAB: Effizientere und präzisere Kontakte dank Roboter-Kollaboration

Auf der diesjährigen productronica in München stellt das Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT das Laser-Based Tape-Automated Bonding, kurz LaserTAB, vor: Die Aachener Experten zeigen, wie sich dank neuer Optik und Roboter-Unterstützung Batteriezellen und Leistungselektronik effizienter und präziser als bisher lasermikroschweißen lassen.

Auf eine geschickte Kombination von Roboter-Einsatz, Laserscanner mit selbstentwickelter neuer Optik und Prozessüberwachung setzt das Fraunhofer ILT aus Aachen.

Im Focus: LaserTAB: More efficient and precise contacts thanks to human-robot collaboration

At the productronica trade fair in Munich this November, the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT will be presenting Laser-Based Tape-Automated Bonding, LaserTAB for short. The experts from Aachen will be demonstrating how new battery cells and power electronics can be micro-welded more efficiently and precisely than ever before thanks to new optics and robot support.

Fraunhofer ILT from Aachen relies on a clever combination of robotics and a laser scanner with new optics as well as process monitoring, which it has developed...

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Im Spannungsfeld von Biologie und Modellierung

26.09.2017 | Veranstaltungen

Archaeopteryx, Klimawandel und Zugvögel: Deutsche Ornithologen-Gesellschaft tagt an der Uni Halle

26.09.2017 | Veranstaltungen

Unsere Arbeitswelt von morgen – Polarisierendes Thema beim 7. Unternehmertag der HNEE

26.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Europas erste Testumgebung für selbstfahrende Züge entsteht im Burgenland

26.09.2017 | Verkehr Logistik

Nerven steuern die Bakterienbesiedlung des Körpers

26.09.2017 | Biowissenschaften Chemie

Mit künstlicher Intelligenz zum chemischen Fingerabdruck

26.09.2017 | Biowissenschaften Chemie