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Weniger fliegen für nachhaltige Kunstevents

03.05.2012
Veranstalter und Gäste des Festivals ÜBER LEBENSKUNST haben überwiegend öffentliche Verkehrsmittel genutzt und damit wesentlich zum Erfolg einer umweltfreundlichen Veranstaltung beigetragen.
Allein der Einsatz von Videokonferenzen für künstlerische Performances und Konferenzbeiträge anstelle von Flugreisen sparte 177 Tonnen Treibhausgase ein. Dies bedeutet eine Verringerung der gesamten Emissionen um rund 40 Prozent von 458 auf 281 Tonnen CO2 durch bloße Vermeidung von Flugreisen.

Dies sind Ergebnisse der „Umweltbilanz“ des Projektes und Festivals ÜBER LEBENSKUNST, die das Öko-Institut erarbeitet hat. Auf die Bereiche Mobilität entfallen nach Berechnungen der Forscherinnen und Forscher sowohl die größten Mengen beim Energieverbrauch, zugleich aber auch die wichtigsten Anteile bei der Vermeidung von negativen Umweltauswirkungen. Das Projekt der Kulturstiftung des Bundes läuft seit 2010 in Kooperation mit dem Haus der Kulturen der Welt und fand im August 2011 mit einem Festival mit 10.000 Besuchern seinen Höhepunkt.
„Ein Umweltkonzept und die Umsetzung der in ihm beschlossenen Maßnahmen sind zentral für den realen Umwelt- und Klimaschutz bei Veranstaltungen“, so zieht Moritz Mottschall, Projektleiter am Öko-Institut, Resümee. „ÜBER LEBENSKUNST war mit Konzept und Bilanz zur Auswertung der beschlossenen Schritte vorbildlich. Insgesamt sehen wir bei Kunst und Kultur, auch im Vergleich beispielsweise mit Sportgroßveranstaltungen, einen großen Nachholbedarf.“

Mobilität und Catering
Insgesamt verursachte ÜBER LEBENSKUNST 158 Tonnen Treibhausgase durch An- und Abreisen und Dienstreisen. Ein Großteil der Besucher, Künstler und Veranstalter reiste aus Deutschland und überwiegend mit umweltfreundlichen öffentlichen Verkehrsmitteln zum Festival an und sparten so relevante Menge an Treibhausgasen ein. Mit einer so genannten „No-Flight-Policy“ reduzierten einzelne Künstlerinnen und Künstler zudem bis zu 84 Prozent der ansonsten mit Flügen entstandenen Treibhausgase.
„Die hohen CO2-Einsparungen durch vermiedene Flugreisen haben uns dazu veranlasst, die Anschaffung einer Videokonferenzanlage anzustreben“, erläutert Agnes Wegner, Kaufmännische Leiterin des Projektes ÜBER LEBENSKUNST die Bedeutung der Erkenntnisse der Umweltbilanz. „Damit könnten Umweltkonzept und -bilanz von ÜBER LEBENSKUNST sich nicht nur positiv auf eine sondern auch auf zukünftige Veranstaltungen in unserem Haus auswirken.“

Auch regionale Speisen und selbsthergestellte Getränke wie Fruchtsäfte und selbstgebrautes „Festivalbier“ kamen beim Publikum gut an. Das Thema nachhaltige Ernährung war zudem aus Sicht der Veranstalter kommunikatives Herzstück, mit dem sie Besucherinnen und Besucher besonders gut für die Bedeutung einer regionaler erzeugter Lebensmittel sensibilisieren konnten.

Abfälle und eine nachhaltige Beschaffung

Bei der Abfallvermeidung zieht das Festival eine positive Bilanz: Fast durchgehend erhielten Besucherinnen und Besucher ihre Speisen und Getränke in Mehrweggeschirr. Die Veranstalter verzichteten zudem auf ein gedrucktes Programmheft. Die Gäste konnten Druckerstationen nutzen, wo sie gezielte Beiträge selbst ausdruckten. Dies reduzierte den Papiermüll für die Programmhefte mit 98 Prozent fast vollständig, führte aber auch teilweise zu Irritationen bei den Besucherinnen und Besuchern.
Gut angenommen wurden hingegen die Ideen zur Nachnutzung von Materialien oder Gegenständen. So versteigerte das Haus der Kulturen der Welt Fahrräder; die Häuser der architektonischen Intervention imbaueinbau werden künftig an weiteren Orten ausgestellt. Dies verteilt die Umweltauswirkung auf mehrere Nutzungszyklen über die Veranstaltung hinaus.

Im Bereich der Beschaffung konnten Druckaufträge für Publikationen an ein zertifiziertes Unternehmen vergeben werden, das nach EMAS (dem „Eco-Management and Audit Scheme“ der Europäischen Union) besonders auf eine umweltfreundliche Produktion achtet. Zudem wurden alle Druckerzeugnisse vollständig auf Recyclingpapier gedruckt. Auch Tischlerarbeiten vergab das Haus der Kulturen der Welt an Handwerker aus der Region, die zudem heimische Hölzer verarbeiteten.

Teamgeist für mehr Nachhaltigkeit

Bei der Umsetzung des Projektes wurde deutlich, dass das Umweltthema stark im Veranstalterteam verankert sein muss. Nur so kann es gelingen, auch unter dem in Kunst und Kultur typischen zeitlichen Druck und in großen Stresssituationen ein Umweltkonzept erfolgreich umzusetzen.
„Insbesondere beim Thema Beschaffung hat sich gezeigt, dass eine gute Vorbereitung sehr wichtig ist“, betont Mottschall vom Öko-Institut. „Dies vermeidet, dass aus Mangel an Zeit oder finanziellen Mitteln doch auf vermeintlich einfache Lösung ausgewichen wird und Umweltaspekte nicht in die Auftragserteilung einbezogen werden.“

Zur Umweltbilanz von ‘Über Lebenskunst‘

In der Umweltbilanz wertet das Öko-Institut die im Umweltkonzept vorgeschlagenen Maßnahmen aus, welche die umweltschädlichen Auswirkungen des Festivals und der Veranstaltungen im Vorfeld begrenzen sollten. Die Bilanz umfasst die Teilbereiche Klimaschutz, Mobilität, Wasserverbrauch, nachhaltige Beschaffung, Abfallvermeidung und Bewirtung. Dabei steht stets die Vermeidung und Reduzierung im Vordergrund, ein weiterer Schritt besteht im Ausgleich negativer Umweltauswirkungen.

Im Gegensatz zu Umweltkonzepten anderer Veranstaltungen, zum Beispiel aus dem Sportbereich, war die inhaltliche und künstlerische Auseinandersetzung mit Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen bei ÜBER LEBENSKUNST Programm. So widmeten sich die Kunstprojekte und Performances selbst Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen.

Ein Leitfaden für nachhaltige Veranstaltungen

Ein Leitfaden, der jetzt im Nachgang zum Festival ÜBER LEBENSKUNST erarbeitet wird, greift die Erfahrungen bei der Planung und Umsetzung nachhaltiger Kulturveranstaltungen auf. Der Leitfaden liefert Veranstaltern auf unterhaltsame Weise konkrete Handlungsempfehlungen, um Kunst- und Kulturevents umweltverträglich zu veranstalten. Das Öko-Institut begleitet seine Erstellung mit wissenschaftlicher Expertise.
Umweltbilanz von ÜBER LEBENSKUNST. Abschlussbericht zur wissenschaftlich begleitenden Umweltstudie des Projekts ÜBER LEBENSKUNST des Öko-Instituts
http://www.oeko.de/oekodoc/1471/2012-048-de.pdf

Ansprechpartner am Öko-Institut:

Moritz Mottschall
Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Institutsbereich Infrastruktur & Unternehmen
Öko-Institut e.V., Büro Berlin
Telefon: +49 30 405085-377
E-Mail: m.mottschall(at)oeko.de
Das Öko-Institut ist eines der europaweit führenden, unabhängigen Forschungs- und Beratungsinstitute für eine nachhaltige Zukunft. Seit der Gründung im Jahr 1977 erarbeitet das Institut Grundlagen und Strategien, wie die Vision einer nachhaltigen Entwicklung global, national und lokal umgesetzt werden kann. Das Institut ist an den Standorten Freiburg, Darmstadt und Berlin vertreten.

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Romy Klupsch | idw
Weitere Informationen:
http://www.oeko.de/oekodoc/1471/2012-048-de.pdf

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