Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Weniger Fleisch? Nachhaltiger Konsum ist mehr

05.07.2011
Treibhausgase, die durch die Ernährung entstehen, machen rund ein Fünftel der gesamten Treibhausgasbilanz der Europäischen Union aus, wenn alle Vorleistungen wie Dünger, Importe usw. einbezogen werden.

Unnötiges Wegwerfen von Lebensmitteln vermeiden, eine fleischarme Ernährung, der Griff zu vegetarischem Essen und ein Mehr an biologisch erzeugten Lebensmitteln können bis zu 25 Prozent der klimaschädlichen Gase in der EU bis 2030 einsparen. Zu diesen Ergebnissen kommen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Öko-Instituts bei der Vorstellung der Ergebnisse des Projekts EUPOPP zum nachhaltigen Konsum am 5. Juli 2011 in Brüssel.

Auf der UNCED Konferenz 1992 in Rio de Janeiro wurde die Förderung nachhaltiger Produktions- und Konsummuster zu einem Politik- und Forschungsgegenstand von hoher internationaler Bedeutung erklärt. Seitdem sind zahlreiche Untersuchungen zum Thema in der Nachhaltigkeitsforschung durchgeführt worden. Zumeist konzentrierten sich diese auf die Analyse von Hemmnissen für einen nachhaltigen Konsum und auf die Entwicklung geeigneter politischer Instrumente zu deren Überwindung.

Wie aber wirken die empfohlenen und beschlossenen politischen Instrumente? Tragen sie wirklich zu nachhaltigeren Konsummustern im Alltag bei? Wie können politische Strategien und Instrumente so verbessert werden, dass sich auch das Konsumverhalten der verschiedenen Bevölkerungsgruppen im Alltag nennenswert verändert und welche Wirkungen auf Umwelt und Kosten hätte dies?

Im Forschungsprojekt „EUPOPP – Policies to Promote Sustainable Consumption Patterns“ suchten die ExpertInnen mit Förderung der Europäischen Kommission nach Antworten auf diese Fragen. Zugleich entwickelten sie Lösungen und Strategien für den Konsum mit Blick auf Umwelt-, Klima- und Ressourcenschutz. Gemeinsam mit sechs europäischen Forschungspartnern analysierten sie Auswirkungen und Effektivität von politischen Maßnahmen, die den nachhaltigen Konsum privater Verbraucher in den Bereichen „Ernährung“ und „Bauen/Wohnen“ fördern sollen.

Forschungsfokus Ernährung

Die Herstellung und Verarbeitung, der Verzehr und die Entsorgung von Nahrungsmitteln führen zu hohen Treibhausgasemissionen, dem Verlust von natürlichem Lebensraum und anderen negativen Umwelteffekten. Gezielte politische Maßnahmen können dazu beitragen, diese negativen Auswirkungen zu reduzieren, so das Fazit des EUPOPP-Projekts. Eine Empfehlung der WissenschaftlerInnen ist: Durch gezielten Einkauf Abfall vermeiden und damit die Umwelt entlasten.

„Heute werden circa 38 Millionen Tonnen Lebensmittel aus den europäischen Einkaufsregalen verbannt und weggeworfen, die zwar schon abgelaufen, aber durchaus noch essbar sind“, kritisiert Dr. Bettina Brohmann, Projektleiterin von EUPOPP am Öko-Institut. „Wir schätzen, dass zehn bis 30 Prozent davon noch sehr gut genießbar wären. Unsere Studie zeigt außerdem, dass mehr als 110 Millionen Tonnen Treibhausgase eingespart werden könnten, wenn wir zusätzlich unsere Ernährungsgewohnheiten in moderatem Maße ändern. Das sind mehr als 16 Prozent der Treibhausgasemissionen des Ernährungssektors der EU.“

Politik in der EU, so die Empfehlung des Öko-Instituts, soll die Konsumentinnen und Konsumenten dabei unterstützen, wieder mehr über das Planen des eigenen Einkaufs, aber auch die Lagerung und Konservierung von Lebensmitteln nachzudenken. So verderben Lebensmittel weniger schnell, die Menge des Abfalls und der sogenannte „CO2-Fußabdruck“ sinken. Aber auch der Einzelhandel und die Hersteller müssen auf dem Weg der Nachhaltigkeit aktiv werden. Eine Verlängerung der Daten zum Ablaufen von Lebensmitteln, die heute eher zu kurz ausgezeichnet werden, wäre dafür ein erster wichtiger Schritt.

Darüber hinaus empfiehlt das Öko-Institut weitere Maßnahmen zum Umwelt- und Klimaschutz. Biologisch erzeugtes Essen in öffentlichen Kantinen und Schulspeisungen und ein „Veggie-Day“ – ein Wochentag mit ausschließlich vegetarischer Essensausgabe – zeigen direkte Klimaschutzwirkungen und wären Vorbild für Bürgerinnen und Bürger. Sie können EU-weit rund 29 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente einsparen. Weitere Maßnahmen liegen in der Anpassung der Mehrwertsteuern auf Produkte mit negativer Wirkung auf Umwelt und Klima sowie in der Aufklärung und Förderung von nachhaltigem Konsum in Schulen.

Informationen zum Forschungsprojekt “EUPOPP– Policies to Promote Sustainable Consumption Patterns“

„Das Neue an EUPOPP ist, dass wir erstmals politikwissenschaftliche mit naturwissenschaftlichen Bewertungsmethoden verschränken, um zu überprüfen, welche politischen Instrumente wirklich dabei helfen können, Konsumenten beim Einkaufen und Verbrauchen zu mehr Nachhaltigkeit zu motivieren“, erklärt Dr. Brohmann die Bedeutung des Projekts. Schwerpunkt der Analysen bilden dabei der bereits gut erforschte Bereich Bauen/Wohnen sowie der Bereich Ernährung. Hier untersuchten die WissenschaftlerInnen schwerpunktmäßig innovative Politikinstrumente und deren Nachhaltigkeitspotentiale.

In der Studie werden alle EU-Mitgliedsstaaten abgedeckt mit Schwerpunkt auf den Ländern Spanien, Finnland, Deutschland und dem Baltikum. Projektpartner von EUPOPP sind: National Consumer Research Center (Finnland), University College London, Baltic Environmental Forum, ecoinstitut Barcelona, Institut für sozial-ökologische Forschung (Deutschland) und ICLEI – Local Governments for Sustainability.

Weitere Informationen und Forschungsergebnisse finden Sie in der Broschüre zum Abschlussbericht http://www.oeko.de/eupopp sowie auf der Projektwebsite http://www.eupopp.net

Ansprechpartnerinnen:

Dr. Bettina Brohmann
Bereichsleiterin Energie & Klimaschutz
Öko-Institut e.V., Büro Darmstadt
Telefon: +49 6151 8191-35
E-Mail: b.brohmann(at)oeko.de
Regine Barth
Bereichsleiterin Umweltrecht & Governance
Öko-Institut e.V., Büro Darmstadt
Telefon: +49 6151 8191-30
E-Mail: r.barth(at)oeko.de
Das Öko-Institut ist eines der europaweit führenden, unabhängigen Forschungs- und Beratungsinstitute für eine nachhaltige Zukunft. Seit der Gründung im Jahr 1977 erarbeitet das Institut Grundlagen und Strategien, wie die Vision einer nachhaltigen Entwicklung global, national und lokal umgesetzt werden kann. Das Institut ist an den Standorten Freiburg, Darmstadt und Berlin vertreten.

Neues vom Öko-Institut auf Twitter: http://twitter.com/oekoinstitut

Interesse an eco@work, dem kostenlosen E-Paper des Öko-Instituts?
Abo unter http://www.oeko.de/newsletter_ein.php

Romy Klupsch | idw
Weitere Informationen:
http://www.eupopp.net
http://www.oeko.de/eupopp

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Plastik – nicht nur Müll
26.04.2017 | Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

nachricht Paradiese in Gefahr: Bayreuther Studierende forschen auf den Malediven zu Plastikmüll in den Meeren
13.04.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Ballungsräume Europas

26.04.2017 | Veranstaltungen

200 Weltneuheiten beim Innovationstag Mittelstand in Berlin

26.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Wie digitale Technik die Patientenversorgung verändert

26.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Akute Myeloische Leukämie: Ulmer erforschen bisher unbekannten Mechanismus der Blutkrebsentstehung

26.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Naturkatastrophen kosten Winzer jährlich Milliarden

26.04.2017 | Interdisziplinäre Forschung

Zusammenhang zwischen Immunsystem, Hirnstruktur und Gedächtnis entdeckt

26.04.2017 | Biowissenschaften Chemie