Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Warnung vor einer möglichen ökologischen Katastrophe

20.02.2014
Konstanzer Wissenschaftler warnt vor chinesischem Megakanalprojekt in Nicaragua

In einem am 20. Februar 2014 in der Zeitschrift „Nature“ veröffentlichten Kommentar warnt der Konstanzer Wissenschaftler Prof. Axel Meyer vor den Konsequenzen eines Großbauprojekts in Nicaragua. Axel Meyer, Professor für Zoologie und Evolutionsbiologie an der Universität Konstanz, hat gemeinsam mit Dr. Jorge A. Huete-Pérez, Präsident der nicaraguanischen Akademie der Wissenschaften und Direktor des Zentrums für Molekularbiologie der Universidad Centroamericana, Nicaragua, einen Kommentar zu einem in Nicaragua geplanten Bauvorhaben veröffentlicht.


Blick auf den Nicaraguasee
Axel Meyer

Noch in diesem Jahr soll dort mit dem Bau eines transozeanischen Kanals begonnen werden, der den Pazifik mit dem Atlantischen Ozean verbinden wird. In ihrer Stellungnahme legen die Biologen die Auswirkungen und Risiken des geplanten Megakanals offen und fordern eindringlich eine unabhängige internationale Machbarkeitsstudie, die geologische Untersuchungen durchführt, ökologische Risiken wie soziale Auswirkungen berücksichtigt und alternative Routen evaluiert.

Im Juni vergangenen Jahres hat das Parlament in Nicaragua per Gesetz der „Hong Kong Nicaragua Canal Development Investment Co.“ (HKND) für bis zu hundert Jahre die Konzession für den Bau und Betrieb des Kanals übertragen. „Eine vom chinesischen Hauptinvestor beauftragte Firma soll innerhalb weniger Monate bis Mai 2014 einen Bericht zur Machbarkeit vorlegen, aber ernsthaft und unabhängig ausgeführte Studien über ein solches Großprojekt dauern mehrere Jahre und ziehen verschiedene ökologische und ökonomische Alternativen in Betracht“, erläutern Meyer und Huete-Pérez und betonen, dass insofern auch weiterhin keine seriöse und unabhängige Begutachtung des Bauvorhabens vorliege oder geplant sei.

Um in Konkurrenz mit dem bis 2015 erweiterten Panamakanal bestehen zu können, der bald Schiffe mit bis zu 400.000 Tonnen fassen kann, wird der Nicaraguakanal 286 Kilometer lang und bis zu 520 Meter breit sein. Das Megakanalprojekt wird mindestens 40 Milliarden US-Dollar kosten. Parallel zum Kanal sollen eine Straße, eine Eisenbahnlinie und eine Ölpipeline verlaufen. Die voraussichtliche Route des Kanals wird eine 90 Kilometer lange Schneise durch den Nicaraguasee schlagen, den größten See Mittelamerikas und wichtigsten Süßwasserspeicher in der Region. Für den Bau müssten Regenwälder gerodet, Flüsse umgeleitet und voraussichtlich auch indigene Völker umgesiedelt werden. „Allein für den von der Planung mit am stärksten betroffenen Nicaraguasee sind die möglichen Folgen eines solchen Megaprojekts als desaströs einzustufen: Verlandung und Versalzung würden ein fließendes Süßwasser-Ökosystem in ein künstliches Stauwasserreservoir mit Salzwasser verwandeln“, warnt Axel Meyer und betont, dass dadurch nicht nur die einzigartige Fischwelt bedroht wird, sondern durch die Bau- und Sicherungsmaßnahmen verheerende Umweltschäden bis hin zur endgültigen Vernichtung einzelner bedrohter Arten zu befürchten sind.

Axel Meyer ist seit 1997 Professor für Zoologie und Evolutionsbiologie an der Universität Konstanz und forscht seit 30 Jahren in Nicaragua. Er hat unter anderem an Buntbarschen aus Nicaragua bewiesen, dass Artentstehung auch ohne geographische Barrieren stattfinden kann. Für seine Forschung zur parallelen Evolution bei Fischen Nicaraguas wird er auch durch einen ERC Advanced Grant des European Research Council unterstützt.

Hinweis an die Redaktionen:
Fotos können im Folgenden heruntergeladen werden:
http://www.pi.uni-konstanz.de/2014/021-Nicaragua2.jpg
http://www.pi.uni-konstanz.de/2014/021-Nicaragua4.jpg
http://www.pi.uni-konstanz.de/2014/021-Nicaragua5.jpg
Bildunterschrift: Blick auf den Nicaraguasee.
Fotos: Axel Meyer
Originalveröffentlichung:
Meyer, A., Huete-Pérez, J. A.: Nicaragua Canal could wreak environmental ruin. Nature, 2014, Vol. 506, 287-289.
Kontakt:
Universität Konstanz
Kommunikation und Marketing
Telefon: 07531 / 88-3603
E-Mail: kum@uni-konstanz.de
Prof. Axel Meyer, Ph.D.
Universität Konstanz
Fachbereich Biologie
Telefon: 07531 / 88-4163
E-Mail: Axel.Meyer@uni-konstanz.de

Julia Wandt | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-konstanz.de
http://www.evolutionsbiologie.uni-konstanz.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Besserer Schutz vor invasiven Arten
15.11.2016 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

nachricht Enzian oder Spitzwegerich – wer gewinnt in den Alpen, wenn es wärmer wird?
04.11.2016 | Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie