Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Warnemünder Ostseeforscher veröffentlichen Zustandsbericht 2012

12.07.2013
Nach Abschluss der Auswertung aller relevanten ozeanographischen Messungen hat das IOW soeben die „Hydrographisch-hydrochemische Zustandseinschätzung der Ostsee 2012“ im Internet veröffentlicht.

Besonderes Augenmerk wird in diesen einmal pro Jahr erscheinenden Berichten auf Einstromereignisse von salz- und sauerstoffreichem Wasser aus der Nordsee sowie auf die Auswirkungen dieser Einströme auf die Bedingungen in den tiefen Becken der Ostsee gerichtet.

Im Jahr 2012 fanden drei kleine Einstromereignisse statt, die zwischen 100 und 200 km³ Nordseewasser in die Ostsee strömen ließen (Februar/März, August/September, Dezember/Januar). Bedeutsamer als diese kleinen Ereignisse war jedoch ein starker Einstrom im Vorjahr:

In der Zeit von November bis Dezember 2011 wurden, ausgelöst durch besondere meteorologische Bedingungen, rund 300km³ Nordseewasser eingetragen und damit rund eine Milliarden Tonnen Salz und circa 450 000 Tonnen Sauerstoff in die Ostsee importiert. Angesichts dieser Werte ist der Einstrom als so genannter „Salzwassereinbruch“ zu klassifizieren. Aufgrund der größeren Dichte des Nordsee-Wassers im Vergleich zu dem weniger salzhaltigen Ostsee-Wasser breiten sich die einströmenden Wassermassen am Boden der Ostsee aus.

Im Jahr 2012 führte diese Zufuhr von Salz und Sauerstoff zur Belüftung des Bodenwassers der gesamten südlichen Ostsee einschließlich des Bornholm-Beckens und der Danziger Bucht. Allerdings war der 2011er Einstrom nicht stark genug, um auch die zentrale Ostsee um die Insel Gotland zu erreichen. Hier verschlechterte sich die Sauerstoffsituation: Der bereits seit 2005 vorherrschende Sauerstoffmangel unterhalb von ca. 135 m Tiefe hielt unvermindert an.

Salzgehalt und Temperatur gingen dort im Vergleich zu den Vorjahren weiter zurück, während die Schwefelwasserstoffkonzentrationen weiter anstiegen. Wegen des fehlenden Sauerstoffs ist höheres Leben in diesem Bereich nicht mehr möglich. Die unter diesen Bedingungen angereicherten Nährstoffe können in warmen Sommern die Entstehung von Blaualgenblüten an der Oberfläche fördern.

Abhilfe können hier nur größere Salzwassereinbrüche bringen. Bis zum Jahr 1980 kam es im Mittel alle 1 bis 2 Jahre zu solchen Phänomenen. In den letzten Jahrzehnten sind sie jedoch sehr selten geworden. Zuletzt fanden solche Ereignisse 1993, 1997 und 2003 statt. Die zentrale Ostsee muss weiter auf eine Salzwasser- und Frischluftkur warten.

Das Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW) führt seit mehreren Jahrzehnten regelmäßige Untersuchungen zum Zustand der Ostsee durch. Auf jährlich fünf Seereisen bis in die zentrale Ostsee werden an ca. 60 festen Positionen jeweils hydrographische, chemische und biologische Messungen durchgeführt. Alle Messungen im Bereich der deutschen Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) werden im Auftrag des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie vorgenommen. Die darüber hinausgehenden Arbeiten werden in Eigenregie durchgeführt. Die Ergebnisse werden in jedem Jahr in sogenannten Zustandseinschätzungen zusammengefasst und veröffentlicht. Parallel werden sie der Helsinki-Kommission zur Verfügung gestellt, einer zwischenstaatlichen Vereinigung, die für den Schutz der Meeresumwelt der Ostsee zuständig ist.
Der hydrographisch-hydrochemische Zustandsbericht der Ostsee im Jahr 2012 ist im Internet unter der folgenden Adresse frei verfügbar:

http://www.io-warnemuende.de/tl_files/forschung/meereswissenschaftliche-berichte/mebe91_2013-zustand-hc.pdf

Kontakt:
Dr. Günther Nausch, Tel.: 0381 5197 332, guenther.nausch@io-warnemuende.de
Sektion Meereschemie
Dr. Rainer Feistel, Tel.: 0381 5197 152, rainer.feistel@io-warnemuende.de
Sektion Physikalische Ozeanographie
Dr. Barbara Hentzsch, Tel.: 0381 5197 102, barbara.hentzsch@io-warnemuende.de
Wissenschaftsmanagement und Öffentlichkeitsarbeit
Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde, Seestr. 15, D-18119 Rostock

Das IOW ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft, zu der zurzeit 86 Forschungsinstitute und wissenschaftliche Infrastruktureinrichtungen für die Forschung gehören. Die Ausrichtung der Leibniz-Institute reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Sozial- und Raumwissenschaften bis hin zu den Geisteswissenschaften. Bund und Länder fördern die Institute gemeinsam. Insgesamt beschäftigen die Leibniz-Institute etwa 16.800 MitarbeiterInnen, davon sind ca. 7.800 WissenschaftlerInnen, davon wiederum 3.300 NachwuchswissenschaftlerInnen. Der Gesamtetat der Institute liegt bei mehr als 1,4 Mrd. Euro, die Drittmittel betragen etwa 330 Mio. Euro pro Jahr.

Dr. Barbara Hentzsch | idw
Weitere Informationen:
http://www.io-warnemuende.de
http://www.leibniz-gemeinschaft.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Den Trends der Umweltbranche auf der Spur
17.10.2017 | Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO

nachricht Etablierung eines Zuchtprogramms zum Schutz der letzten Saolas
17.10.2017 | Forschungsverbund Berlin e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Im Focus: Breaking: the first light from two neutron stars merging

Seven new papers describe the first-ever detection of light from a gravitational wave source. The event, caused by two neutron stars colliding and merging together, was dubbed GW170817 because it sent ripples through space-time that reached Earth on 2017 August 17. Around the world, hundreds of excited astronomers mobilized quickly and were able to observe the event using numerous telescopes, providing a wealth of new data.

Previous detections of gravitational waves have all involved the merger of two black holes, a feat that won the 2017 Nobel Prize in Physics earlier this month....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mobilität 4.0: Konferenz an der Jacobs University

18.10.2017 | Veranstaltungen

Smart MES 2017: die Fertigung der Zukunft

18.10.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

18.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Biokunststoffe könnten auch in Traktoren die Richtung angeben

18.10.2017 | Messenachrichten

»ILIGHTS«-Studie gestartet: Licht soll Wohlbefinden von Schichtarbeitern verbessern

18.10.2017 | Energie und Elektrotechnik