Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wälder sehen sich immer ähnlicher

11.08.2009
Nährstoffreichtum schädlich für Biodiversität der Waldpflanzen

Die Zusammensetzung der Pflanzenarten in den Wäldern gleicht sich immer mehr an. Zu diesem Schluss kommen britische Ökologen im Online-Magazin Proceedings of the Royal Society B.

Sie nahmen Wälder, deren Baumbestand bereits vor 80 Jahren untersucht wurde, erneut unter die Lupe und konnten so zeigen, inwiefern Änderungen stattgefunden haben. Wenngleich die Zahl der unterschiedlichen Pflanzen gleich geblieben ist, unterscheiden sich die vertretenen Arten immer weniger voneinander. Die Ergebnisse erweitern das Verständnis dafür, welche Vorgänge die natürliche Pflanzenwelt beeinträchtigen.

Die zunehmende Ähnlichkeit der Zusammensetzung der Pflanzen wird als biotische Homogenisierung bezeichnet. Die Forscher sehen diese Entwicklung, die zum Verlust der Artenvielfalt beiträgt, als Folge von falschen Umweltentscheidungen der Vergangenheit. "Die Luftverschmutzung und Fehler im Waldmanagement sind die größten Verursacher, weshalb die Rückführung der Wälder in einen früheren Zustand hier ansetzen muss", betont Studienautor James Bullock vom Centre of Ecology and Hydrology. Der Waldboden sei heute weitaus nährstoffreicher als 1930, was auf den Einsatz von Düngemitteln in der Landwirtschaft zurückzuführen sei. Die Forscher konnten auch das Eindringen invasiver Pflanzen dokumentieren, wenngleich diesen nur ein geringer Einfluss auf die Homogenisierung zugestanden wird.

"Die Homogenisierung der Wälder geht in Mitteleuropa besonders auf die zunehmenden Stickstoff-Einträge zurück", betont Andreas Bolte, Leiter des Instituts für Waldökologie und Waldinventuren am Thünen-Institut (vTI), Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei http://www.vti.bund.de/de/institute/woi/ gegenüber pressetext. Der in der Landwirtschaft kaum verzichtbare Stickstoff gelange zusammen mit Abgasen aus der Industrie- und dem Verkehr über die Luft in die Wälder und sorge dort für ein Verschwinden der stickstoffarmen Standorte und deren Vegetation. "Der Wacholderstrauch ist davon ebenso betroffen wie Heiden und nährstoffarme Moore, deren Torfschicht sich bei übermäßig viel Stickstoff zersetzt. Bekommen wir das Problem dieser Stickstoff-Überdüngung nicht in den Griff, setzt sich der Trend fort, dass Allerweltsarten überhand nehmen und Arten nährstoffarmer Standorte verschwinden", so Bolte. Solche Pflanzen seien besonders häufig auf den sogenannten "Roten Listen" der Pflanzen zu finden, die vom Aussterben bedroht sind.

In Sachen Waldmanagement gehe Mitteleuropa einen anderen Weg als Großbritannien, erklärt der Waldexperte. "Hierzulande verfolgt man weitgehend die naturnahe Waldwirtschaft, die den Strukturreichtum und die Entwicklung eines starken Unterstandes durch nachrückende Bäume und Sträucher fördert." In Großbritannien nutze man Wälder öfter in Plantagenwirtschaft, während in den Alpenländern die Aufrechterhaltung der Kulturlandschaft im Vordergrund stehe. Kahlschläge wie in Skandinavien vermeide man, um einen übermäßigen Nährstoff-Austrag des Waldbodens zu verhindern, und versuche eine immerwährende Bewaldung beizubehalten. "Wälder stehen immer im Spannungsfeld zwischen Interessen der Forstwirtschaft und Anforderungen des Wasser- und Klimaschutzes sowie der Erholungsfunktion. Der Erhaltung der Waldstrukturen in Form des naturnahen Wirtschaftswaldes gelingt es am ehesten, alle Aspekte zu berücksichtigen", so Bolte gegenüber pressetext.

Abstract zum Originalartikel unter http://rspb.royalsocietypublishing.org/content/early/2009/07/20/rspb.2009.0938

Johannes Pernsteiner | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.ceh.ac.uk

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Dünenökosysteme modellieren
23.06.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Es wird zu bunt im Gillbach: Weitere nichtheimische Buntbarschpopulation in Deutschland nachgewiesen
22.06.2017 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Future Security Conference 2017 in Nürnberg - Call for Papers bis 31. Juli

26.06.2017 | Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

„Digital Mobility“– 48 Mio. Euro für die Entwicklung des digitalen Fahrzeuges

26.06.2017 | Förderungen Preise

Fahrerlose Transportfahrzeuge reagieren bald automatisch auf Störungen

26.06.2017 | Verkehr Logistik

Forscher sorgen mit ungewöhnlicher Studie über Edelgase international für Aufmerksamkeit

26.06.2017 | Physik Astronomie