Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Vogelbestände Kasachstans erneut von Rückgang bedroht

16.08.2011
Münstersche Landschaftsökologen untersuchen die Folgen des Wandels der Landwirtschaft in den Steppen Kasachstans / Federgrassteppe droht erneuter Rückgang der dort vorkommenden Vogelgemeinschaften

Den landwirtschaftlich einst intensiv genutzten Weiten der Federgrassteppe Kasachstans droht nach einer positiven Entwicklung der Artenvielfalt in den beiden vergangenen Jahrzehnten ein erneuter Rückgang der dort vorkommenden Vogelgemeinschaften. Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler um Prof. Dr. Norbert Hölzel und Johannes Kamp vom Institut für Landschaftsökologie der Universität Münster. Die Wissenschaftler haben erstmalig großflächig die Populationsdichten verschiedener Steppenvögel in Abhängigkeit von der Nutzung der Landflächen und der Vegetation im Norden Kasachstans untersucht. Aus den Daten haben sie Voraussagen für die zukünftige Entwicklung getroffen.

Während der Chruschtschow-Ära wurden zwischen 1954 und 1960 in Nordkasachstan rund 25 Millionen Hektar Steppe in Weizenfelder verwandelt. Seit dem Zerfall der Sowjetunion hat sich dieser Prozess, der mit einer starken Bodenzerstörung und einem massiven Verlust an Artenvielfalt einherging, teilweise wieder umgekehrt. Nach dem Zusammenbruch der staatlich subventionierten Großbetriebe Anfang der 1990er Jahre fielen zwischenzeitlich über 10 Millionen Hektar Ackerland brach. Parallel hierzu kam es zu einer drastischen Verringerung der Viehbestände.

"Die ausgedehnten Brachflächen sind nicht nur eine faszinierende Landschaft. Sie haben auch eine herausragende Bedeutung für zahlreiche seltene und gefährdete Arten der Steppen. Dazu zählen Jungfernkranich, Steppenweihe und Mohrenlerche", erläutert Johannes Kamp. Durch die weltweit steigende Nachfrage nach Agrarflächen zur Produktion von Getreide und Energiepflanzen ist seit einigen Jahren jedoch wieder eine zunehmende Nutzung brachliegender Flächen zu verzeichnen. Dadurch kommen viele seltene und gefährdete Arten erneut in Bedrängnis. "Setzt sich die derzeitige Entwicklung fort, werden die Bestände vieler Vogelarten abnehmen. Für den Bestand des Buschspötters prognostizieren wir beispielsweise einen Rückgang der Population um fast 40 Prozent in den nächsten zehn Jahren, für die Mohrenlerche einen Rückgang von immerhin 10 Prozent. Aus unserer Sicht sollte man daher bei Maßnahmen zum Artenschutz darüber nachdenken, die Nutzung der derzeit bewirtschafteten Flächen zu intensivieren, statt Brachen zu reaktivieren. Damit könnte man dem Bestandsrückgang entgegenwirken."

Johannes Kamp, Doktorand am Institut für Landschaftsökologie, untersucht die Folgen der Landschaftsveränderungen in Kasachstan bereits seit zwei Jahren im Auftrag der größten Naturschutzorganisation in Europa, der britischen "Royal Society for the Protection of Birds" und der kasachischen Partnerorganisation "Association for the Conservation of Biodiversity in Kazakhstan". Die Arbeiten werden von der Darwin-Initiative der britischen Regierung finanziell gefördert. Das gemeinsam realisierte Projekt zielt auf die Schaffung von großräumigen Schutzgebieten zur Erhaltung der letzten Steppenökosysteme im westlichen Eurasien und deren charakteristischer Tierarten ab.

Durch die Einbeziehung kasachischer Studierender bei den Forschungsarbeiten im Gelände und die enge Kooperation mit kasachischen Nichtregierungsorganisationen sollen Forschung und Umweltschutzmaßnahmen vor Ort gestärkt werden.

Ergebnisse der Forschungsarbeiten wurden nun in der Fachzeitschrift "Biological Conservation" online vorab veröffentlicht.

Originalpublikation:

Kamp J. et al. (2011): Post-Soviet agricultural change predicts future declines after recent recovery in Eurasian steppe bird populations. Biological Conservation (online vorab); doi:10.1016/j.biocon.2011.07.010 http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0006320711002631

Dr. Christina Heimken | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-muenster.de
http://www.uni-muenster.de/Oekosystemforschung/mitarbeiter/hoelzel.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Versauerung: Wie der Klimawandel die Süßgewässer belastet
12.01.2018 | Ruhr-Universität Bochum

nachricht Tote Bäume haben zahlreiche und treue Begleiter
10.01.2018 | Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kongress Meditation und Wissenschaft

19.01.2018 | Veranstaltungen

LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

18.01.2018 | Veranstaltungen

6. Technologie- und Anwendungsdialog am 18. Januar 2018 an der TH Wildau: „Intelligente Logistik“

18.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rittal vereinbart mit dem Betriebsrat von RWG Sozialplan - Zukunftsorientierter Dialog führt zur Einigkeit

19.01.2018 | Unternehmensmeldung

Open Science auf offener See

19.01.2018 | Geowissenschaften

Original bleibt Original - Neues Produktschutzverfahren für KFZ-Kennzeichenschilder

19.01.2018 | Informationstechnologie