Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Verschmutzung beschleunigt Evolution der Flöhe

11.03.2009
Bodensee-Tiere mutierten und verschwanden wegen Überdüngung

Umweltverschmutzungen können auf das Tierreich massive und nicht umkehrbare genetische Auswirkungen haben. Zu diesem Schluss kommen Forscher am Schweizer Wasserforschungsinstitut EAWAG aus Erbgutanalysen von Wasserfloheiern aus dem Bodensee.

Eine früher weit verbreitete Flohart, die sich infolge früherer Wasserverschmutzungen genetisch verändert hatte, verwandelte sich auch nach deutlicher Verbesserung der Wasserqualität nicht mehr in ihre ursprüngliche Form zurück.

Zudem bewiesen die Forscher auch genetische Veränderungen der Tierart innerhalb weniger Jahrzehnte, was eine erstaunliche Evolutionsgeschwindigkeit darstellt, berichtet das Wissenschaftsmagazin Proceedings of the National Academy of Sciences.

Möglich waren diese Erkenntnisse durch die Erbgutanalyse von bis zu 100 Jahre alten Eiern des Wasserflohs, die die Forscher in Gesteinsschichten am See fanden und im Labor wieder zum Leben erweckten. Dabei kam ihnen zugute, dass Wasserflöhe bei Nahrungsmangel Dauereier produzieren, aus denen mitunter erst viel später ein lebendiger Organismus heranwächst.

Dank der sauerstofffreie Einlagerung der Eier in datierbaren Ablagerungsschichten kann die Erbsubstanz auch nach über 100 Jahren noch bestimmt werden. So wurde rückwirkend überprüft, welche Wasserflohart vor 50 Jahren im See dominierte und ob Arten späterer Jahrzehnte Schadstoffen besser vertrugen.

Um 1900 gab es im Bodensee nur eine Wasserflohart namens Daphnia hyalina. Phosphathaltige Waschmittel und die landwirtschaftliche Düngung führten in den 70er- und 80er-Jahren zu starkem Nährstoffüberfluss und Sauerstoffmangel. Die Algen wucherten und viele Fischarten starben aus, während sich die Wasserflöhe zunächst in Hybride, dann in eine neue Art verwandelten, die als Daphnia galeata bezeichnet wird. Die ursprüngliche Art verschwand und entwickelte auch dann nicht zurück, als zahlreiche Umweltmaßnahmen späterer Jahrzehnte wieder höhere Sauberkeit der Seen hergestellt hatten.

"Das beweist, dass anthropogene Veränderungen wie die Überdüngung eine massive und nicht wieder voll umkehrbare Auswirkung auf Tierarten haben können", erläutert Studienleiterin Nora Brede. Zudem werde deutlich, dass Evolutionen im Tierreich mit hoher Geschwindigkeit ablaufen können. "In lediglich 50 Jahren hat sich die Genomstruktur einer Art messbar verändert." Das sei ein erstaunlich kurzer Zeitraum auf der Skala der Erdgeschichte, so die Schweizer Evolutionsbiologin.

Johannes Pernsteiner | pressetext.schweiz
Weitere Informationen:
http://www.eawag.ch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Dünenökosysteme modellieren
23.06.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Es wird zu bunt im Gillbach: Weitere nichtheimische Buntbarschpopulation in Deutschland nachgewiesen
22.06.2017 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zu aktuellen Fragen der Stammzellforschung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Fraunhofer FKIE ist Gastgeber für internationale Experten Digitaler Mensch-Modelle

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mainzer Physiker gewinnen neue Erkenntnisse über Nanosysteme mit kugelförmigen Einschränkungen

27.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wave Trophy 2017: Doppelsieg für die beiden Teams von Phoenix Contact

27.06.2017 | Unternehmensmeldung

Warnsystem KATWARN startet international vernetzten Betrieb

27.06.2017 | Informationstechnologie