Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Verminderung des Klimawandels nur durch Kampf gegen Armut erfolgreich

30.10.2014

Die Abschwächung des Klimawandels kann nur durch einen Kampf gegen die Armut in den Schwellen- und Entwicklungsländern gelingen.

Die internationale Staatengemeinschaft sollte daher eine Politik umsetzen, die gleichermaßen die globale Reduktion von Treibhausgasen und die Entwicklungsziele der ärmeren Staaten in den Blick nimmt. Das ist das Ergebnis der Studie „Feasible Mitigation Actions in Developing Countries“, die Michael Jakob und Jan Steckel vom Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) jetzt mit Kollegen der Universität Göttingen und dem German Institute of Global and Area Studies in „Nature Climate Change“ veröffentlicht haben.

Die Wissenschaftler zeigen, auf welchen politischen, institutionellen und finanziellen Pfaden Wachstum für die armen Ländern möglich ist – bei gleichzeitiger Abschwächung des Klimawandels. „Besonders vielversprechend wären ein Subventionsabbau für fossile Energieträger, ein Brennstoffwechsel im Energiesektor sowie karbonarme Technologien für dezentrale Energieversorgung“, sagt Jan Steckel, Leiter der MCC-Arbeitsgruppe Climate and Development. Beispielsweise wäre die Förderung lokaler Solaranlagen und Mini-Wasserkraftwerke denkbar.

Laut der Studie ist es empfehlenswert, sich klimapolitisch nicht nur auf große Emittenten der BRICS-Staaten wie China, Indien oder Südafrika zu konzentrieren, sondern auch auf Staaten wie Vietnam oder Nigeria. „Wir können zeigen, dass mit wachsenden Einkommen auch die CO2-Emissionen steigen“, sagt Steckel. „Da etwa in armen aber schnell wachsenden Ländern wie Vietnam und Nigeria die Industrialisierung zunimmt und die Mittelschicht wächst, erwarten wir bald steigende CO2-Emissionen. In diesen Staaten würde sich für die internationale Klimapolitik ein guter Ansatzpunkt finden.“

Die Autoren mahnen zudem, die Entwicklungsziele ärmerer Staaten nicht nur unter finanziellen Gesichtspunkten zu beachten, sondern auch die institutionellen Voraussetzungen für mögliche Finanztransfers in den Blick zu nehmen. „Wir gehen davon aus, dass viele Staaten oft nicht das institutionelle Umfeld haben, hohe Summen zur Förderung von Maßnahmen zur Emissionsminderung auch effektiv einzusetzen. Hier müssten die Industriestaaten ansetzen, denn nur Geld zu zahlen, reicht nicht“, sagt MCC-Researcher Michael Jakob. „Hohe Klimafinanzhilfen könnten das Wirtschaftswachstum sogar dämpfen.“ Diesen Aspekt hatten die MCC-Forscher bereits zuvor in der Arbeit „Climate finance for developing country mitigation: blessing or curse?“ im Fachmagazin „Climate and Development“ untersucht.

Die neue Studie ist Teil des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekts „ENTDEKEN“. Sie empfiehlt auch Institutionen wie der Weltbank und der Globalen Umweltfazilität (GEF), ihre Finanzhilfen für Entwicklungsländer weniger an der CO2-Reduktion der Staaten zu orientieren, sondern an wirtschaftlichen Entwicklungszielen auszurichten, die dann eine solche CO2-Reduktion nach sich ziehen. Konkret raten die MCC-Wissenschaftler, Entwicklungsziele von ärmeren Staaten etwa in der Gesundheitspolitik zu unterstützen. „Wenn die Politik zunächst Probleme wie die schlechte Luftqualität in vielen Ländern in den Blick nimmt, dürften die Unterstützung dafür leichter zu bekommen sein, weil die zu erwartenden Erfolge kurzfristig eintreten“, sagt Jakob. „Die langfristige Emissionsreduktion ist dann ein begrüßenswerter aber nicht weniger wichtiger Nebeneffekt.“

Über das MCC

Das MCC erforscht nachhaltiges Wirtschaften sowie die Nutzung von Gemeinschaftsgütern wie globalen Umweltsystemen und sozialen Infrastrukturen vor dem Hintergrund des Klimawandels. Fünf Arbeitsgruppen forschen zu den Themen Wirtschaftswachstum und -entwicklung, Ressourcen und Internationaler Handel, Städte und Infrastrukturen, Governance sowie wissenschaftliche Politikberatung. Das MCC ist eine gemeinsame Gründung der Stiftung Mercator und des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK).

Der Artikel im Original:

Jakob, M.; Steckel, J.; Klasen, S.; Lay, J.; Grunewald, N:; Martinez-Zarzoso, I.; Renner, S.; Edenhofer, O. (2014): Feasible Mitigation Actions in Developing Countries, Nature Climate Change, DOI:10.1038/nclimate2370


Weitere Informationen:

http://www.mcc-berlin.net/media/presseinformationen/presseinformationen-detail/article/weniger-klimawandel-durch-kampf-gegen-armut.html
http://www.nature.com/nclimate/journal/v4/n11/full/nclimate2370.html
http://www.mcc-berlin.net

Fabian Löhe | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Erste "Rote Liste" gefährdeter Lebensräume in Europa
16.01.2017 | Universität Wien

nachricht Kann das "Greening" grüner werden?
11.01.2017 | Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise