Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Für eine verantwortungsvolle Hobbyfischerei auf globaler Ebene

10.08.2011
Nationale und internationale Fischereiexperten haben am Berliner Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) die erste global gültige Richtlinie für eine verantwortungsvolle Freizeitfischerei entwickelt und abgestimmt.

Eine auf Initiative der Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen (Food and Agricultural Organization of the United Nations, FAO) einberufene Fachberatung hat am 06.08.2011 die ersten internationalen Richtlinien für eine verantwortungsvolle Freizeitfischerei vorgelegt.

20 nationale und internationale Vertreter aus Fischereiforschung, Politik und verschiedenen Nichtregierungsorganisationen kamen dazu vom 5. bis 6. August in Berlin zusammen. Die Richtlinien unterstützen eine nachhaltige Angelfischerei auf Grundlage des FAO-Verhaltenskodex für verantwortungsvolle Fischerei.

Anlass war der durch einige FAO-Mitgliedsstaaten artikulierte Bedarf an einer Orientierungshilfe zu Umgang und Management der Hobbyfischerei, die zunehmend als wichtige und teilweise bereits dominierende Fischereiform in natürlichen Gewässern akzeptiert wird. Die nun vorliegenden Technischen Richtlinien werden 2012 dem FAO Committee on Fisheries (COFI) zur Ratifikation vorgelegt.

In vielen Regionen der Welt ist die Angelfischerei eine wichtige Freizeitbeschäftigung und Nutzungsform wildlebender Fischbestände. Rund zehn Prozent der Weltbevölkerung geht während der Freizeit auf Fischfang, alleine in Europa, Nordamerika und Ozeanien angeln 140 Millionen Menschen zu Hobbyzwecken. Die Ausgaben der Angler nähren einen ganzen Wirtschaftszweig. Weltweit hängen mehrere Millionen Arbeitsplätze vom Angeln ab, die dadurch ausgelösten Geldströme lassen sich mit mehreren Milliarden US-Dollar jährlich beziffern. In vielen Regionen und Ländern, so auch in den Binnengewässern Deutschlands, erwirtschaftet die Angelfischerei bereits höhere Umsätze und schafft mehr Arbeitsplätze als die kommerzielle Fischerei oder die Aquakultur. Die Angelfischerei ist mit ihrer großen Anhängerschaft daher in vielen Ländern Hauptnutzer von Wildfischbeständen in Binnengewässern und in vielen Küstenbereichen der Industrienationen. Ihre Bedeutung steigt in vielen Schwellenländern kontinuierlich an.

Die Technischen Richtlinien zur Angelfischerei, die nun in einem international ausgerichteten Beratungsprozess durch die FAO entwickelt wurden, übersetzen die wichtigsten Bestimmungen und Empfehlungen des FAO Verhaltenskodex für verantwortungsvolle Angelfischerei aus dem Jahr 1995 in spezifische Empfehlungen zur nachhaltigen Angelfischerei. Das Dokument wendet sich insbesondere an Entscheidungsträger in der Fischereipolitik, im Fischereimanagement, an Vertreter von Nichtregierungsorganisation und nicht zuletzt an die Anglerschaft, hat aber insgesamt nur Empfehlungscharakter.

Die Richtlinien beziehen sich auf alle Formen der Angelfischerei (z.B. entnahmeorientierte Angelfischerei wie in Deutschland typisch oder das Angeln auf Basis des Freilassens aller gefangenen Fische) und auf alle Gewässertypen (Salz- und Süßwasser). Das Leitbild des verantwortungsbewussten Umgangs mit Gewässern und Fischbeständen wird in den Richtlinien hervorgehoben. Weitere maßgebliche Managementansätze umfassen Ökosystem-orientierte Bewirtschaftung, Vorsorgeansatz und das adaptive Management auf Basis strukturierter Entscheidungsfindungsprozesse und quantifizierbarer Ziele. Zur Umsetzung dieser wesentlichen Empfehlungen sind die Regierungen aufgerufen, die monetären und edukativen Investitionen in die Bewirtschaftung der Angelfischerei zu intensivieren.

Die Technischen Richtlinien würdigen den enormen Nutzen der Angelfischerei für die Gesellschaft. Darüber hinaus wird ihre Bedeutung für den Erhalt der aquatischen Biodiversität, der Lebensräume gefährdeter Arten sowie gesamter Gewässersystem hervorgehoben. Aus diesem Grund sollten die Interessen der Angelfischerei stets bei allen Managemententscheidungen einbezogen werden, die aquatische Ökosysteme, Küsten oder Einzugsgebiete in Binnengewässern betreffen. Darüber hinaus wird in den Richtlinien gefordert, die möglichen ökologischen Einflüsse der Angelfischerei durch angepasste Bewirtschaftungsmethoden zu adressieren. Die unterschiedlichen Ziele und Vorstellungen von Angel- und Berufsfischerei sowie die dabei unterschiedlich ausgeprägten Governance- und Managementsysteme erfordern aber fischerei- und regionenspezifische Lösungen zum Umgang mit Aspekten wie selektive Befischung und Verschleppung gebietsfremder Arten durch Fischbesatz.

Die Expertenkonsultation zur Entwicklung der Technischen Richtlinien der FAO für eine verantwortungsvolle Freizeitfischerei fand vom 5.-6. August 2011 am Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) statt, direkt im Anschluss an die 6. Weltangelkonferenz an der Humboldt-Universität zu Berlin (www.worldrecfish.org), die vom 1.-4. August 2011 tagte. Die Richtlinien für die Freizeitfischerei werden aller Voraussicht nach Anfang November 2011 von der FAO veröffentlicht. In sechs Sprachen übersetzt wird das Dokument dann unter http://www.fao.org/fishery/ccrf/guidelines/en verfügbar sein.

Kontakt:
Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)
Eva-Maria Cyrus
Abt 4, Biologie und Ökologie der Fische
Müggelseedamm 310
12587 Berlin
Tel: +49 - (0)30 - 64181- 654
Fax: +49 - (0)30 - 64181- 750
E-Mail: cyrus@igb-berlin.de

Jan Zwilling | Forschungsverbund Berlin e.V.
Weitere Informationen:
http://www.igb-berlin.de/
http://www.fao.org/fishery/ccrf/guidelines/en

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Wasserqualität von Flüssen: Zusätzliche Reinigungsstufen in Kläranlagen lohnen sich
24.05.2017 | Eberhard Karls Universität Tübingen

nachricht Eisenmangel hemmt marine Mikroorganismen
19.05.2017 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten