Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Um die Wasserressourcen zu schonen, sollten Agrargüter mit hohem Wasserverbrauch da produziert werden, wo es genug Wasser gibt

08.04.2014

Globaler Handel hilft Wassersparen

Wissenschaftler haben errechnet, wie der globale Handel mit Agrargütern den Wassermangel in trockenen Regionen mindern kann.

Wasser ist eine wertvolle Ressource, mit der man sparsam umgehen muss. Besonders in regenarmen Gebieten hängt alles von ausreichenden Wasserreserven ab, um die Ernte und damit die Versorgung der Bevölkerung zu sichern.

Problematisch wird es, wenn wasserintensive landwirtschaftliche Produktion in solchen Gebieten angesiedelt wird und die knappen Ressourcen zusätzlich belastet. Hier kann der globale Handel im Gegensatz zur öffentlichen Wahrnehmung dabei helfen, die Wasserverfügbarkeit in der Zukunft zu verbessern, wie Wissenschaftler des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung jetzt in einer neuen Studie herausgefunden haben.

Virtuelles Wasser

Die Herstellung von Nahrungsmitteln aus landwirtschaftlicher Produktion braucht verschiedene Ressourcen: Einen fruchtbaren Boden, Dünger, Wasser, günstige klimatische Bedingungen. Besondere Bedeutung hat dabei das Wasser, da es in vielen Ländern eine knappe Ressource ist, die im Zuge des Klimawandels noch knapper werden könnte. Allerdings wird Wasser nicht nur zum Bewässern von Pflanzen benötigt: Um verschiedene Agrargüter zu produzieren, wird an verschiedenen Stellen viel Wasser verbraucht, etwa bei der weiteren Verarbeitung von Baumwolle.

Die Menge des Wassers, das während des gesamten Produktionsprozesses benötigt wird, bezeichnet man als „virtuelles Wasser“. Mit dieser Größe ist es möglich, die Menge an Wasser zu beziffern, die ein Land bei der Produktion von Gütern quasi mit im- oder exportiert, der Einfluss des internationalen Handels auf die Wasserreserven wird damit sichtbar. Dem weltweiten Agrarhandel kommt dabei eine große Bedeutung zu, denn etwa 70 Prozent des Wasserverbrauchs gehen auf die Landwirtschaft zurück.

Regionale Berechnungen schärfen den Blick

In bisherigen Studien basierten Berechnungen zum Verbrauch virtuellen Wassers auf nationalen Mittelwerten. Das wirft bei großen Ländern mit mehreren Klimazonen Probleme auf. Die Wissenschaftler ermittelten daher jetzt erstmals Werte zur Wassernutzung auf regionaler Ebene. Sie modellierten den Wasserverbrauch im Pflanzenanbau in Kombination mit der agrarökonomischen Land- und Wassernutzung und erhielten so einen sehr genauen Einblick in die Folgen des globalen Agrarhandels auf die Wasserreserven.

So konnten sie im Detail erkennen, ob in den Regionen durch die Produktion von Agrargütern Wasserressourcen geschont oder über Gebühr belastet wurden. Beispielsweise verschärften Länder, die wie die USA, die Türkei, Spanien und Portugal viele wasserintensive Agrargüter exportieren, damit die Wasserknappheit in Teilen ihres Staates, während Länder wie Indien, Marokko oder Pakistan durch den Import von solchen Gütern ihre eigene Produktion drosseln und damit Wasser sparen konnten.

Spezialisierung auf bestimmte Güter

Insgesamt wurde im Jahr 2005 Wasser im Wert von 2,4 Milliarden Dollar eingespart, und zwar durch den Handel mit Gütern, die im jeweiligen Ursprungsland weniger Wasser zur Produktion benötigen als in dem Land, in das sie exportiert werden. Nach Aussage der Wissenschaftler kann globaler Handel also tatsächlich die regionale Wasserproblematik lindern und einen effizienteren globalen Wasserverbrauch bewirken. Denn entscheidend ist nicht die Menge des verbrauchten Wassers an sich, sondern wo dieses Wasser verbraucht wurde.

So benötigt Marokko für die Produktion eines Kilos Weizen etwa 2700 Liter Wasser, während in Deutschland nur etwa 520 Liter verbraucht werden. Sinnvoll wäre daher in den wasserarmen Regionen eine Spezialisierung auf den Export von Gütern, die sich mit wenig Wasserverbrauch produzieren lassen, und alles, was viel Wasser benötigt, müsste aus wasserreichen Ländern importiert werden. Die Forscher fordern die Politik daher auf, bei zukünftigen Entscheidungen in Bezug auf den Welthandel den Einfluss auf die Wasserverfügbarkeit mit im Blick zu haben – das könnte ein wichtiger Schlüssel sein, wenn es um Wassermangel und die Schonung von Wasserreserven für die Zukunft geht.


Jeder Tropfen zählt: In Ländern, wo Wasser Mangelware ist, muss bei der Herstellung von Agrargütern genau abgewogen werden, ob sie selbst produziert oder lieber importiert werden sollten, um so die heimischen Wasserreserven zu schonen. (Bildquelle:© piu700/ pixelio.de)

Biewald, A. et al. | Pflanzenforschung.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Frühwarnsignale für Seen halten nicht, was sie versprechen
05.12.2016 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

nachricht Besserer Schutz vor invasiven Arten
15.11.2016 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weiterbildung zu statistischen Methoden in der Versuchsplanung und -auswertung

06.12.2016 | Seminare Workshops

Bund fördert Entwicklung sicherer Schnellladetechnik für Hochleistungsbatterien mit 2,5 Millionen

06.12.2016 | Förderungen Preise

Innovationen für eine nachhaltige Forstwirtschaft

06.12.2016 | Agrar- Forstwissenschaften